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finden wir auch in türkischen Lehnwörtern des ung. Sprachschatzes, nur ist hier zu bemerken, daß aus dem türkischen y der Nebensilbe in hintervokalischen Wörtern mit Lautsubstitution im Ungarischen zuerst ein palatales i, dann mit Vokalassimilation ein u wird, vgl. türk. aryk > altung. *árik, später áruk, heute árok,Graben, Kanal' (s. BERN. EtWb. I 446); türk. bayatyr > altung. buatir bahatur > heute bátor etc. (Siehe über ähnliche Fälle: GOMBOcz Bulg.-türk. Lehnwörter S. 151.)

Das altung. sátur stammt also aus einem noch älterem *sátir <*satir, und dies ist einem türkischen *šatyr entnommen. Nun ist die Frage: Aus welcher türkischen Sprache haben die Ungarn ihr Wort genommen.

Die ungarische Sprache besitzt ca. 220-240 solche türkischen Lehnwörter, die ins Ungarische vor dem 10. Jahrh. Eingang gefunden haben. Über diese Lehnwörter hat Zoltán Gombocz, Professor der ung. Sprachwissenschaft an der Universität Budapest, ein schönes Werk geschrieben, dessen Titel lautet: „Die bulg.-türk. Lehnwörter der ungarischen Sprache". Helsinki 1912 (Mémoires de la Soc. Finno-Ougrienne XXX). Auf dieses Werk, wie auch auf die Anzeige, welche weiland Prof. H. PAASONEN über dieses Werk in der Zeitschrift,,Nyelvtudományi Közlemények“ XLII 36-68 geschrieben hat, ferner auf die Abhandlung von Prof. Dr. J. NÉMETH „Török jövevényszavaink középső rétege" (s. Magyar Nyelv XVII 22-26) stützen sich die folgenden Ausführungen.

In den alten türk. Lehnwörtern der ung. Sprache hat das gemeintürk. è sowohl im Anlaut, wie auch im In- und Auslaut eine doppelte Vertretung. Entweder bleibt das gemeintürk. č auch im Ungarischen oder aber entspricht ihm im Ungarischen ein s (lies: 5); hier einige Beispiele:

A) Gemeintürk. & bleibt: ung. csalán,Brennessel' < türk., vgl. dschag. čalayan usw. | kökörcsin,Primula veris; Narcissus' <türk., vgl. türk. kügärčin,Taube', kirg. kögürsün,Taube' usw. | szűcs,Kürschner' < türk., vgl. alttschuw. *söici etc.

č

B) Gemeintürk. & ung. s (lies: 3): sarú,Schuh' < türk., vgl. osm., kkirg. čaryk, dschag. čaruk | sereg,Haufe, Menge, Schar' < türk., vgl. uig. carig, schor särig usw. | besenyő der Petschenege' <türk., vgl. petsch. bečenek; altruss. пeчeнbгa, mgr. Пativánaı, Пlatğıvanītai etc.

S. GOMBOCZ, Über den Volksnamen besenyő: Túrán 1918, 209 | keselyu ‚Geier' < türk., vgl. dschag. kučalak,Geier' usw. | borsó,Erbse' << türk., vgl. osm. burčak usw. | kis,klein' < türk., vgl. kirg. kiči, tel. küčü usw.

Wie diese zweifache Vertretung zu deuten ist, ist bis jetzt noch nicht in befriedigender Weise gelöst. Die ältesten türkischen Lehnwörter der ungarischen Sprache sind nach dem Zeugnisse anderer lautlichen Kriterien, wie z. B. die Vertretung des gemeintürk. z durch r - unbedingt der bulg.-türk. Sprache entnommen. Sie war die einzige türkische Sprache, welche das gemeintürk. z in r verwandelte. Unter den heutigen türkischen Sprachen kennt diesen Wandel bloß das Tschuwassische, daher scheint diese Sprache ein Dialekt des Bulgarisch-türkischen zu sein. Nun entspricht im heutigen Tschuwassischen dem gemeintürk. č ein έ, welches sich aus č (= t's) über & entwickelte. Z. GOMBOCZ ist nun geneigt anzunehmen, daß der Wandel des č zu ś im Alttschuwassischen ~ Bulgarisch-türkischen zur Zeit der ung. und bulg.-türk. Berührungen noch nicht in allen Mundarten vor sich gegangen ist, daher die doppelte ungarische Vertretung.

PAASONEN nimmt an, daß die Wörter mit s im Ungarischen aus alttschuwassischen ~ bulg.-türk. Wörtern mit & herstammen. Über die Wörter mit cs äußert er sich nicht, er beruft sich aber auf das ung. Wort kis,klein' (s. oben), welches im Ungarischen die Ableitung kicsiny, also eine Ableitung mit cs hat. Was er damit andeuten wollte, erhellt aus der Abhandlung nicht. Es ist nun Tatsache, a) daß wir im Ungarischen auch andere Wörter haben, in denen cs mit s wechselt (vgl. csekély ~ sekély, b) daß dem fi.-ugr. ts im Ungarischen sowohl cs, wie auch s entsprechen kann (vgl. SZINNYEI Nyelv I1.o 28 csillog, sír etc.).

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Auch NÉMETH ist der Meinung, daß die Wörter mit s im Ungarischen aus dem Bulgarisch-türkischen herstammen, unter jenen aber, welche mit cs lauten, scheinen nur einige bulgarisch-türkisch zu sein; die meisten sind einer anderen türkischen Sprache entnommen.

Über die Wörter mit s sind also die drei Gelehrten einig. Jeder ist der Meinung, sie stammen aus dem Bulgarisch-türkischen. Auch das altung. *satir> *sátir > sátur, seit Mitte des 14. Jahrh. sátor mit o in der zweiten Silbe, stammt also aus dem Bulgarischtürkischen. Im Bulgarisch-türkischen lautete das Wort *satyr.

Aus dem altung. *sátir ist es nun leicht das altruss. šatoró einwandfrei zu erklären. Dem ung. langen á entspricht das mit o niemals wechselnde altruss. a, dem kurzen i dagegen das altruss. (daraus später e).

Auf welchem Wege das Wort zu den Altrussen gekommen ist, ist schwer zu sagen. Vielleicht als ein Wort des Kriegswesens. Belege, wie: Придоша г Киеву и сташа шатры противу Кыеву, по лугови | Приведе пълкы ис Перегаславла . . . и сташа около Городища шатры etc. (s. SREZNEVSKIJ Materialy) können diese Meinung unterstützen. Im Altrussischen haben wir auch ein anderes Wort, welches sich auf das Kriegswesen bezieht und welches meiner Meinung nach auch ungarischen Ursprungs ist. Es ist das altruss. кордь,eine Art Schwert' (erster Beleg aus Кн. фил. Іоанна Дамаскина въ переводѣ Іоан. екз. Болгарскаго, я. SREZNEVSKIJ Mat.). Auch dieses Wort scheint nur aus dem altung. *kard (später kord, dann wiederum kard),Schwert' einwandfrei erklärt werden zu können (s. auch unten). Ich will es aber zugeben, daß die Altrussen ihr šaturo aus dem Ungarischen auch als Wort des friedlichen Lebens übernehmen konnten.

Oben habe ich ausgeführt, daß das ung. u im 14. Jahrh. sich zu o entwickelte. So auch im altung. sátur, welches seit der Mitte des 14. Jahrh. sátor lautet. Wegen dieses o der zweiten Silbe sind zweifellos ungarischen Ursprungs die oben sub Nr. 3 aufgezählten folgenden slavischen Wörter: bulg. šatorë, altserb. šatorь, serb. šàtor, kroat. šátor, slov. šátor, slovak. šiator etc. Auch die oben unter 4. aufgezählten slavischen Wörter, und zwar: slov. šátora, serb. šátra,Markthütte, Marktstand' sind ungarische Lehnwörter. Sie sind in die genannten Sprachen als Ausdrücke des Handels, resp. der Jahrmärkte eingedrungen. Die Endung -a bekamen diese Wörter in den slavischen Sprachen,

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vgl. serb. (in Syrmien) ânta ,tumulus terminalis'<ung. hant Agramer Wb. | serb.-kroat. bitânga,erro' <ung. bitang Agramer Wb. serb. funta (Var. vunta, funat),Pfund' <ung. font | serb. fijoka,Schublade' ung. fiók Agramer Wb. | kirchslav. koroda Schwert', serb., broat. korda,Säbel, Schwert', sorb. korda s. BERN. EtWb. I 569, MIKL. Lex. p., Agramer Wb. < ung. kard > kord > kard,Schwert' | slovak. kokanča, plur. bokanče CZAMBEL Reč < ung. bakancs,Schnürschuh' GOMBOCZ-MELICH Etszót. I 238 | slovak. sára na čižme,Stiefelwade“ <ung. szár etc. etc.

Mit diesen Ausführungen glaube ich bewiesen zu haben, daß die slavischen Wörter: šatorů, šatorь ~ šátor und šâtra zu verschiedenen Zeiten dem Ungarischen entlehnt wurden. Von dem slav. Worte šátor haben die ungarischen Gelehrten immer behauptet, daß es dem Ungarischen entlehnt sei, vgl. MUNKÁCSI Nyelvtud. Közl. XVII 121; HALÁSZ Magy. Nyelvör XVII 497; GOMBOCZ Bulg.-türk. Lehnw. 115. Neu ist in meiner Abhandlung, daß auch slav. šâtra und altruss. šatora (russ. šatër, daraus mordv. šať or Zelt' NyKözl. XVIII 137) ungarischen Ursprungs sind. Budapest JÁNOS MELICH

Zu slav. guna ‚Pelz'

Das slav. Wort wird gewöhnlich als Lehnwort aufgefaßt. Seine Quelle sieht man in lat. gunna ,Pelz', das aus dem Keltischen hergeleitet wird. Mich machte bei dieser Ableitung immer das n des slav. Wortes stutzig, das aus dem Lat. nicht erklärt werden kann. Noch schwieriger wird diese Frage, wenn man das Urteil eines Keltologen über das herangezogene keltische Material hört. Die Erklärung von bulg. gúna aus dem Lat. oder Mittelgriech. (s. BERNEKER EW. I s. v.) stößt natürlich auf keine Schwierigkeiten. M. V.

Lateinisch gunna ,Pelz, Rock der Weiber und der Mönche' pflegt man gewöhnlich wegen des cymr. gŵn m.,Kleid', corn. gun, als keltisch zu erklären (Lit. bei BERNEKER, Slav. Wb. s. v. gúna). Ein echt keltisches gunna ist aber weder ausdrücklich als gallisch überliefert, noch in den neukelt. Dialekten bewahrt, denn cymr. gŵn ist deutlich aus mengl. goun(e) entlehnt, das selbst aus afrz. goune stammt; dies geht allerdings auf lat. gunna zurück. Bei einheimischer Herkunft würde man cymr. *gwnn mit kurzem u erwarten, auch wäre kaum Genuswechsel eingetreten, so daß gunna regelrecht mit a-Umlaut zu *gonn geworden wäre.

Das Wort kommt einheimisch im Ital. (gonna), Frz. und Prov. (gona, hieraus katal. aspan. gona, ebenso baskisch gona) vor, braucht aber deswegen nicht keltisch zu sein, sondern kann ebensogut ligurischer, d. h. voridg.-alpiner Herkunft entstammen.

Wenn gunna keltisch wäre, könnte es nur auf idg. *gusnā oder *gundna zurückgehen, auch mit g, gh, g", g'h im Anlaut und im Inlaut mit t oder Guttural statt d, aber in diesem Falle bietet sich keine greifbare idg. Etymologie, ich bin also geneigt, nichtidg. Ursprung anzunehmen. Daß dieses Wort von den Kelten direkt den Slaven übermittelt worden wäre, halte ich nicht für wahrscheinlich.

Die Zusammenstellung von gunna mit air. fúan,Leibrock' ist auch unzulässig, weil fúan nur auf *wouno-, wohl aus älterem *wo-ouno, *upo-ouno-, zu lat. ind-uo ,ziehe an', lett. àunu,kleiden', usw. zurückgehen kann.

Berlin-Charlottenburg

Nochmals der Name von Moskau

J. POKORNY

Einen interessanten Beitrag zur Deutung des Namens Moska u hat L. BERG im Географический Вестник II Nr. 3—4 Petersburg 1925 S. 5-10 veröffentlicht. Weder von meiner Erklärung dieses Wortes (Известия 1922, 601-604) noch von SOBOLEVSKIJ'S Hypothese (Известия XXVII 281) befriedigt, schlägt er eine neue etymologische Deutung dieses russischen Flußnamens vor. Worin sie besteht und in welchem Maße sie die Forschung fördert, soll weiter unten gesagt werden. Doch zuerst will ich noch einige Worte zur Begründung meiner Erklärung dieses rätselhaften Namens vorbringen.

Gemäß meiner Etymologie ist der Name Mockeα von dem alten u-Stamm *mosky,sumpfige Gegend' gebildet, deren Wurzel mosk- nahe verwandt ist mit russ. moskotь, feuchte klebrige Stoffe: Farben, Leim, Öl, die man gewöhnlich durch Auspressung gewisser Produkte erhält und poln. moszcz, ausgepreßter Fruchtsaft'; in einem entfernteren Verwandtschaftsverhältnis stehen hierzu lat. mergere,untertauchen, versinken' (aus *mezg-), lit. mazgóti,waschen, spülen', ferner der Name des kleinpoln. Flusses Mozgawa und, wie ich jetzt hinzufügen kann, slov. mozga, Pfütze, Schmutz', auch russ. dial. mózga, Blut'. Ein Bedeutungsvergleich dieser lexikalischen Tatsachen ergibt, daß die Grundbedeutung des Namens Moskva,ein durch morastige, sumpfige Gegend fließender Fluß' war.

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