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Romanen (sogenannte „Walchen") bis über das 8./9. Jahrh. zurückgeblieben sind und auch in den Urkunden und der Namengebung ihre Spuren hinterlassen haben. Es besteht (vgl. ebenda S. 275 Anm.) die Möglichkeit, daß sich auch um Wien längere Zeit Romanen gehalten haben, auf die der deutsche (ursprünglich Fluß-) Name Wien zurückgehen kann. * Eine aus Ved(u)nia entstandene Assimilationsform * Vennia kann schließlich bei diesen Romanen gesprochen worden und von dem Schreiber der Annalen aufgenommen worden sein.

Prag-Gablonz a. N.

ERNST SCHWARZ

Zur Entstehungsgeschichte der ,,Tolkovaja Paleja"

1893 kam Ak. ISTRIN, damals noch ein junger Gelehrter, bei der Analyse einer der literarischen Quellen der Tolkovaja Paleja zum Schluß, daß dieses bemerkenswerte Denkmal das Werk eines slavischen Redakteurs sei und daß Nestor die Paleja nicht benutzt habe (Труды Слав. Ком. Моск. Арх. Общ. I Moskau 1895). In seinen weiteren Arbeiten über die Tolkovaja Paleja, die unter dem Titel Замечания о составе Т. Палеи (Известия II 1897 1 und 4; III 1898 2; X 1905 4; XI 1906 2 und 3) erschienen, begründete ISTRIN bei Untersuchung der übrigen Bestandteile der T. P. seine Meinung genauer und bewies, daß die T. P. ein russ. Denkmal des 13. Jahrh. und der Kolomnaer Text (nicht aber die Hs. von 1406) die ursprüngliche Redaktion sei.

Zum gleichen Resultat kam auch 1895 der Verf. (Труды Слав. ком. II 1898), als er die wichtigste Quelle der Tolkovaja Paleja, die Genesis, untersuchte; allerdings formulierte er damals das Endergebnis weniger präzis, d. h. er nahm an, die T. P. sei slavischer Herkunft und zwar eher russ. als südslavischer (K вопросу о тексте кн. Бытия в Т. Палее. Варш. Унив. Известия 1895 Нeft IX und 1896 Heft I).

Nach ISTRIN'S Bemerkungen und einer vom Verf. vorgenommenen Analyse des zweiten wichtigen Bestandteils der T. P., des Exodus, nach der Kolomnaer (und ihr ähnlichen Hss.) ist der Verf. von der russ. Entstehung der T. P. ganz überzeugt (der

betreffende Aufsatz ist wegen Druckschwierigkeiten noch nicht erschienen).

Auch Ak. ŠACHMATOV glaubte, die T. P. sei von einem Slaven zusammengestellt; doch in der Meinung, daß sie auf die russ. Chroniken eingewirkt habe, verlegte er ihre Entstehung in die Anfänge des slav. Schrifttums; nach ihm konnte ihr Verfasser nur Methodius oder einer von dessen nächsten Schülern sein und zwar der Abstammung nach ein Grieche. Obgleich die Methodianische T. P. nicht überliefert sei, müsse man annehmen, daß sie vollständiger als die Kolomnaer Hs. gewesen sei, nämlich auch die Bücher der Propheten bis zu den Ereignissen des N. T. kommentierte. Diese „ursprüngliche" T. P. ist, nach ŠACHMATOV, aus Mähren nach Bulgarien gekommen, wo verschiedene Einschübe „apokryphen und chronologischen Inhalts gemacht und eine Vereinigung mit der Chronik des Georg. Monachus" vorgenommen worden sei (S. 20). „Nicht später als Ende des 11. Jahrh.“ sei diese in Bulgarien ergänzte Methodianische T. P. nach Rußland gedrungen und „auf Grund einer ganzen Reihe russ. Quellen umgearbeitet worden", wobei das Ende, d. h. der Kommentar zu den Propheten und den neutestamentlichen Ereignissen verloren gegangen sei. Die bulgarische und russische Umarbeitung hätten als Endresultat die Kolomnaer Paleja ergeben, die auf diese Weise nur einen „Auszug aus der ursprünglichen Redaktion" des Denkmals darstelle und nur die erste russ. Redaktion bilde.

Dies sind die Ansichten ŠACHMATOV's über die Entstehung der T. P. und der Kolomnaer Hs. (A. ŠACHMATOV TOлKовая Палея и русск. летопись Petersburg 1904 S. 14 f., 20, 73 f.).

Ak. ISTRIN hat eingehend die Beweisführung ŠACHMATOV's analysiert, mitunter sogar vom Standpunkt des Verf. selbst; ausgehend von den Textangaben bewies er die Unhaltbarkeit der ŠACHMATOV'schen Hypothese und verblieb bei seinen früheren Ansichten (ISTRIN Исследования в области древне-русской литературы Реtersburg 1906 S. 139-178). Gleichzeitig zeigte er auch, daß die Ansicht IѕтOMIN'S (К вопросу о редакциях Т. Палеи Известия X 1905 1 und XI 1906 1) nicht überzeugen könne, da dieser die Abschrift des Denkmals mit seinen Redaktionen verwechsle und, ohne die Redaktionen der T. P. einer Ana

lyse zu unterziehen, nachzuweisen versuche, daß die ursprüngliche Form der Paleja im Synodaltext, nicht aber in der Kolomnaer Redaktion der Tolkovaja Paleja erhalten sei (ISTRIN 1. c. S. 178 ff.).

In einer Rezension von ŠACHMATOV's Buch äußerte ISTRIN seine Ansicht über die T. P. und erklärte die tatsächlichen Beziehungen zwischen den Texten und Redaktionen dieses Denkmals; es war natürlich nicht seine Aufgabe, die Frage aufzuwerfen, ob nach Ausweis ihrer Bibeltexte die T. P. Ende des 9. oder sogar in der ersten Hälfte des 10. Jahrh. bestanden haben kann.

Namentlich auf diese Frage will der Unterz. hier eingehen und feststellen, ob ŠACHMATOV's Hypothese mit den Angaben der altslav. Texte der Bücher Genesis, Exodus, Ruth übereinstimme.

Die T. P. stellt eine Art „Auswahl" dar. Der Oktoteuch wird größtenteils in der Darlegung des Verf. geboten, teilweise auch im biblischen Urtext, der in Form kurzer Zitate das ganze Werk durchzieht und inmitten zahlreicher Kommentare, Auseinandersetzungen des Verfassers, wie auch Einschübe aus anderen literarischen Quellen verstreut ist. Auch die Methodianische T. P. muß, wie wohl anzunehmen ist, ihrem ganzen Charakter nach der Kolomnaer Hs. geglichen haben, wenn ihr auch Einschübe aus den Apokryphen und Quellen späterer Zeit fehlten (seit dem 10. Jahrh.) und muß bis zu Ende geführt worden sein, d. h. Kommentare zu den Prophetenbüchern, wie ŠACHMATOV annahm, enthalten haben. Eine andere Art von T. P. kennen wir nicht.

Die Hauptquelle für dieses Denkmal ist natürlich der biblische Text; ohne ihn ist die Tolkovaja Paleja als solche nicht denkbar. Es bleibt sich gleich, ob Methodius selbst die Tolkovaja Paleja zusammengestellt hat oder einer seiner nächsten Schüler, denn beide konnten sich nur desjenigen altslav. Textes der hl. Schrift bedienen, der ihnen übersetzt und in vollem Umfang vorlag.

Der Unterz. erlaubt sich hier einen kleinen Exkurs, um auszuführen, was bisher über die altslav. Übersetzung des A. T. festgestellt wurde, aber in verschiedenen Werken verstreut zu finden ist.

Die Forschung der letzten 30 Jahre hat ergeben, daß Methodius, wie aus dem 15. Kap. seiner Vita hervorgeht, tat

sächlich die Arbeit seines Bruders an der Bibelübersetzung fortsetzte; uns sind Übersetzungen überliefert, die nur Methodius zugeschrieben werden können, nämlich: die Bücher des Propheten Jeremias (Baruch), Daniel und der 12 kleinen Propheten (I. JEVSEJEV Книга пр. Даниила в др. слав. пер. Moskau 1905; DERS. Заметки по др. слав. переводу Св. Писания Известия Ак. Наук Х 4; NACHTIGALL Несколько заметок о следах др.слав. паримейника в хорватско-глаголическ. лит. Труды Слав. Ком. Моск. Арх. Общ. Moskau 1902 III; TUNICKIJ Книги XII малыx пророков Lief. 1 Sergijev Posad 1918 und die Rezension von JEVSEJEV Известия 23 1918 2), ferner Stücke aus Esther (JEVSEJEV Заметки u. a.), das Buch Hiob (MICHAJLOV О новых изданиях хорватских глагол. текстов Warschau 1905 auch POB 1905 4 - Rezension der Arbeit von J. VAJS Glagolitica Publicationes Palaeoslavicae Academiae Vegliensis Vegliae 1903 und ders. Liber Job Vegliae 1903), Stücke aus Ruth in einem glagolitischen Texte (MICHAJLOv Др. слав. перевод кн. Руфь Warschau 1908 auch POB 1908 Rezension des Werkes von J. VAJS Glagolitica Liber Ruth Vegliae 1905) und Stücke aus dem nicht-parimejnikartigen (nichtgottesdienstlichen) Text der Genesis (MICHAJLOV К вопросу о литературном наследии Кирилла и Мефодия в хорватских глаголических миссалах и бревиариаx Wаrschau 1904). Es ist anzunehmen, daß in Zukunft der Umfang der Methodius zuzuschreibenden Übersetzungen stark erweitert werden wird, wenn man bedenkt, wie viel handschriftliches kyrillisches und glagolitisches Material noch nicht publiziert und untersucht ist, ferner wie wenig Gelehrte sich mit diesem Gebiet beschäftigen. Was den Wortgebrauch und die Formen anbelangt, so gleicht die Methodianische Übersetzung derjenigen Kyrills im Parimejnik; das ist durchaus verständlich, da beide Übersetzungen im gleichen Dialektgebiet, in MährenPannonien, entstanden sind; in bezug auf ihre Güte ist vielleicht Kyrills Übersetzung etwas schlechter als JEVSEJEV annahm (vgl. 1. c.), obgleich ich das an der Hand des Buches Ruth nicht feststellen konnte (vgl. oben 1. c.).

Außer den Übersetzungen Kyrills im Parimejnik (vgl. darüber Verf. Опыт изучения кн. Бытия в др. слав. переводе Warschau

1912 Bd. I. Пaримейный текст) und den Methodianischen in den erwähnten nichtgottesdienstlichen (Četji) Teilen des A. T. gibt es noch eine dritte Art altslav. Übersetzungen, die sich in Wortgebrauch und Formen von den ersten zwei stark unterscheidet und in einem anderen Dialektgebiet, nämlich Ostbulgarien, entstanden sein muß. Die Eigenarten dieser Übersetzung sind hauptsächlich von JAGIĆ Zur Entstehungsgeschichte der kirchenslavischen Sprache I-II Wien 1900, V. POGоRELоν Еиблиотека Моск. Син. Типографии Lief. III Псалтыри als Anhang O peдакциях слав. перевода Псалтыри Moskau 1901 und JEVSEJEV Книга пр. Исаии в др. слав. переводе Petersburg 1897 untersucht worden. Diese Übersetzung läßt sich tatsächlich der Zeit des bulg. Zaren Simeon († 927) zuweisen, und man kann sie daher die simeonische nennen, wie es JEVSEJEV (1. c.) tat. Hierher gehört ferner die Übersetzung der kommentierten Propheten (JEVSEJEV 1. c. und Книга пр. Даниила в др. слав. переводе), des kommentierten Psalters (POGORELOV 1. c.), des Buches Ruth der kyrillischen Abschriften des 14.-15. Jahrh. (MICHAJLOV Книга Руѳь в др. слав. пер. Warschau 1908) und die NichtParimejnik (nicht gottesdienstlichen) Teile der Genesis (vgl. Verf. Oшыт) und des Exodus.

Wenn wir im Auge behalten, daß in den altslav. Abschriften des A. T. 3 Übersetzungen, genauer 3 Redaktionen dieser Bücher, vorliegen und wir eine Textuntersuchung der Bücher Genesis und Exodus vornehmen, sei es der vollständigen oder ČetjiHandschriften aus dem 15.-16. Jahrh. russischer oder südslavischer Redaktion, so ergibt sich eine interessante Tatsache. In den gottesdienstlichen Teilen der Genesis haben beide Handschriftengruppen, sowohl die südslavische als auch die russische, Kyrills Übersetzung erhalten (dieselbe wie im Parimejnik), wenn auch Stücke aus der Simeonischen vorkommen. Der Anteil dieser Übersetzung ist in den Handschriften der russischen Gruppe des 15.-16. Jahrh. größer als in der südslavischen; nur in der russischen Abschrift des 14. Jahrh. der Lavra-Bibliothek (L) begegnet man in diesen Teilen fast nirgends der Simeonischen Übersetzung. Vgl. hierzu Verf. Опыт Kар. 2. Die nichtgottesdienstlichen (Četji-)Teile der Genesis enthalten in allen Ab

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