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2. leg- pf. slov. pre-ložiti;

impf. org. slov. pre-lagati; unorg. slov. (im Küstenland) pré-, z-loževáti (nach dem Muster obkroževati : obkrožiti, obtoževati : obto̟žiti).

XV. Unorganischer Ablaut des Stamm vokals etc. Bekanntlich ist der Reflex des asl. (abulg.) Nasals o im Slovenischen ein enges (geschlossenes), nichtnasales o. Da aber auch asl. etymologisches o durch slov. enges o (unter dem Akzent) reflektiert wird, so ist im Sloven. (im Prekmurje) zu einigen pf. Verben, die im Asl. den Stammvokal o haben, das Imperfektivum mit unorganischem Ablaut des Stammvokals gebildet worden: 1. pf. pogroziti,demergere'; impf. org. slov. pogrožati; unorg. (Prekmurje) pogražati.

cati;

2. pf. poročiti, auftragen; trauen';
unorg. (Prekm.) poračati.

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3. pf. prestopiti,transgredi';

unorg. prestapati, prestapljati.

impf. org.: sl. poro

impf. org.: prestopati;

Der umgekehrte Vorgang liegt bei zwei impf. Verben vor, die von slov. Journalisten geschaffen wurden:

1. pf. ogroziti,bedrohen'; impf. org. slov. ogražati (wie zgražati se), auch ogroževati; - unorg. ogrožati!

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Zum Schluß seien noch etliche Imperfektiva erwähnt, die ihre Entstehung einer Analogie verdanken:

unorg.: skr. pro-cvjètati zu pf. pro-cvàsti (asl. -cvbsti) statt

-cvitati.

unorg.: skr. do-sizati zu pf. do-séći (asl. -sęšti) statt -sezati. unorg. slov. (Jargon der Journalisten) ob-, pri-, se-stojati, Präs. ob-, pri-, se-stója zu pf. ob-, pri-, se-stati, -stojí; statt ob-, pri-, se-stajati (nach dem Muster raz-sodim: raz-sojam?).

unorg.: slov. (Prekm.) pri-marjati,zwingen, nötigen' zu pf. pri-morati; (als wäre das pf. Vb. pri-moriti).

unorg. slov. (kajkav.) do-kančati zu pf. do-končati; (als ob das pf. Vb. do-končiti wäre).

Novo Mesto, Jugoslavien

IVAN KOŠTIÁL

Zum Lautwert von altruss. ь: Ana Rыina

In einem Originaldiplom der Nationalbibliothek in Paris, datiert vom Jahre 1063, findet sich unter der Unterschrift des Königs die der Königin-Mutter, Anna von Rußland, mit cyrillischen Buchstaben. A. THOMAS hat in einer Untersuchung La signature de la reine Anne de Russie, Essais de philologie française, S. 159 ff. erkannt, daß die Unterschrift Ana rzina das gesprochene Französisch des 11. Jahrh. darstellt. Er erschließt dies aus der Vereinfachung der Geminata -nn- im Vornamen Anna, sowie dem Schwund des -g- des lat. regina. Das z-Zeichen würde nach THOMAS die Wiedergabe eines Lautes sein, der etwa dem stummen -e- des Neufranzösischen entspricht, d. i. nach NYROP Manuel phonétique du français parlé, 3. Aufl. S. 64 ein Laut, der fast wie geschlossenes ö artikuliert wird, nur daß der Mund etwas weiter geöffnet bleibt und die Muskeln schlaffer sind als bei der Artikulation eines betonten ö.

=

Die Schwierigkeit dieser Erklärung hat THOMAS selbst erkannt, wenn er feststellt, daß wir von dem Vorhandensein eines solchen e muet im Altfranzösischen nichts wüßten, wenn uns nicht die Schreibung der Königin Anna überliefert wäre. Ein Übergang von e zu ö im Hiatus liegt aber nicht in der Entwicklungstendenz des Altfranzösischen. Dieses assimiliert im Gegenteil die Hiatusvokale an die nachfolgenden betonten Vokale. Da der e-Laut z. B. in afrz. vëis lat. vidisti u. ä. noch im 12. Jahrh. in dem nachfolgenden i aufging, ist zwischen das e des vorhistorischen vedis und die Form vis<vëis eher ein ganz geschlossenes e oder offenes i als Übergangslaut einzusetzen. Wenn nun im Frz. dem lat. regina die Form reine entspricht, statt einer bei lautgesetzlicher Entwicklung zu erwartenden Form *rîne, so erklärt sich dies aus der Beeinflussung der Form für regina durch die Form für rege, d. i. afrz. rei, roi. Dem neufrz. reine liegt also ein afrz. reiine zugrunde, das schon im 12. Jahrh. in den Mundarten, die den Diphthong -ei- zu -oi- werden lassen, zu roine wurde.

=

Schon im 10. Jahrh. ist durch das bekannte noieds necatos des Jonasfragments der Übergang des vortonigen -ei- zu -oioder einem -oi- ähnlichen Laut erwiesen, s. MEYER-LÜBKE Frz.

Gr. 1, 77. Diesen zwischen e und o liegenden Laut des alten -ei- dürfte nun das -Zeichen der Namensform der Königin Anna wiedergeben. Welchen Lautwert dieses -- im Slavischen des 11. Jahrh. besessen hat, das festzustellen, ist Aufgabe der slavischen Grammatik. Vom Standpunkt der romanischen Grammatik kann nur festgestellt werden, daß ein kurzer -u-Laut aus phonetischen Gründen ausgeschlossen ist. Es ist auch wenig wahrscheinlich, daß die Königin Anna für ein gesprochenes -odas --Zeichen eingesetzt hätte, da für ein -o- ja das -o-Zeichen zur Verfügung gestanden hätte. Der Wandel des -ei-Diphthongen zu -oi- ohne eine Zwischenstufe -ai- (die nur für das Südostfranzösische anzusetzen ist), läßt sich vielleicht durch die folgende Beobachtung deuten. Die Entwicklung der frz. Diphthonge folgt dem Gesetz der Assimilation. au wird zu -o-, ai zu -ei-, -è̟-, späteres ou über oü zu ö usf. Ein ähnlicher assimilatorischer Vorgang dürfte auch dem Wandel von -ei- zu -oi- zugrunde liegen. Ich vermute, daß bei der Artikulation des alten -ei- der e-Laut zunächst mit der erhöhten Zungenstellung des -i- artikuliert wurde; so entstand ein Laut, der noch heute in rumänischen Mundarten vorkommt, in anderen mit dem -ă-Laut zusammengefallen ist, der mit der Mundstellung eines -a- die Zungenstellung eines -i- verbindet, meistens auch durch eine stärkere Schließung der Lippen charakterisiert wird. Es hat sich also im Altfranzösischen ein Wandel von -ei- über -ěi-, -ăi- zu -oiabgespielt; die weiteren Stufen der Entwicklung bedeuten eine Dissimilation, wie sie für den Wandel von -ei- zu -oi- schon vor Jahrzehnten SCHUCHARDT in Vokalismus des Vulgärlateins 1, 466 angenommen hat.

Diesen Übergangslaut zwischen -e- und -o-, also einen Laut, der vermutlich dem rumänischen -a- entsprach, scheint also das -- der Königin Anna wiederzugeben.

Berlin

Nachtrag.

E. GAMILLSCHEG

Der obige Aufsatz über den Lautwert der Unterschrift Ana rzina ist für die russische lautgeschichtliche Forschung von großer Bedeutung. Die Feststellung des Verf., daß für dieses

> der Lautwert u vom Standpunkt der Romanistik ausgeschlossen sei, ist für uns besonders wichtig. Der Lautwert o kommt für das russ. im Jahre 1063 auch nicht in Frage, da der Wandel von zu o damals im Russ. noch nicht vor sich gegangen war und die Königin Anna sonst für einen o-Laut ohne Zweifel das russ. o-Zeichen gewählt hätte. Es bleibt für das wohl nur der Lautwert eines Vokals der mittleren (,,mixed") Reihe übrig, der eine hohe oder mittlere Zungenhebung gehabt haben kann. Dafür sprechen sowohl slavistische als die oben erwähnten romanistischen Erwägungen.

Zur Akzentzurückziehung auf Akutsilben.

M. V.

Die zwei sichersten Beispiele für diese Lautregel sind wohl slav. dýmo ~altind. dhūmás und slav. gríva altind. grīvá.

2

Man scheint bei der Aufstellung der Regel aber nicht beachtet zu haben, daß im Altindischen diese Wörter in der Komposition eine Anomalie aufzeigen, indem dort z. B. çaka-dhúma und tuvi-gríva betont wird1).

Die Zahl derjenigen Wörter, welche in der Komposition eine vom Simplex abweichende Betonung zeigen, ist im Altindischen außerordentlich gering. Und man hat das Recht zu schließen, daß in allen solchen Fällen die Komposita ältere Akzentzustände bewahrt hat.

Es ist in der Tat sehr viel leichter, eine Änderung des Akzentes *dhúmas > dhūmás und *grívā > grīvá zu erklären, als für den entgegengesetzten Prozeß einen Grund zu finden. Die große Masse der sekundären Ableitungen auf -ma, -va betont nämlich diese Silbe. Bei den primären ist zuweilen der Stamm, vor allem bei einigen vedischen Wörtern, betont, obwohl auch hier die Endbetonung überwiegt. Es ist also nicht schwer einzusehen, daß die Betonung dhūmás und grīvá Ergebnis eines Akzentausgleichs ist.

Auch im Griechischen, wo -uos sowohl betont als unbetont (mit Übergewicht der Endbetonung) vorkommt, dürfte uós sekundär aus *9vuos entstanden sein.

Lund

HANNES SKÖLD

1) In den Uṇādisūtras (die von einigen Panini selbst zugeschrieben werden und die jedenfalls älter als Patañjali, der um 150 v. Chr. lebte, sind) wird grivā betont, s. AUFRECHT's Auflage von Ujjvaladatta's Uṇādivṛtti p. 205.

Etymologisches

12. urslav. socha, Hakenpflug, Gabelstange' wird von den meisten Gelehrten als urslavisch betrachtet, während Hujer Úvod do dějin jazyka českého 40 es als iranisches Lehnwort ansieht. In der Tat liegt es nahe, das Wort mit neupers. šāx, Ast, Horn' aus altiran. sāyā- zusammenzustellen, das mit altind. çākhā, Ast, Zweig, lit. šakà, Ast, Zweig, got. hōha,Pflug‘ urverwandt ist. Wäre nun ausschließlich die Bedeutung,Hakenpflug' für das slavische Wort bezeugt, dann würde man wohl am ehesten die Entlehnung eines Kulturwortes annehmen können. Nun liegt aber aksl. posoch,Knüttel', poln. rozsocha,gabelförmiger Ast' daneben, das die ursprüngliche Bedeutung, Ast' sicherstellt und čech. socha, Bildsäule, Statue, Standbild' wird man auch als, verehrten Pflock' auffassen müssen, worauf auch čech. sochor, Knüttel, Hebel' hinweist. So kommt man zu einer urspr. Bedeutung,Ast, Zweig, Stange' und bei einem Wort mit einer derartigen Bedeutung erscheint eine Entlehnung aus dem Iranischen sehr fraglich. So muß zugegeben werden, daß dieses Wort viel eher im Slav. Erbwort sein muß.

Sieht man sich dann nach einer Erklärung aus dem Idg. um, so erscheint die Deutung im Zusammenhang mit lat. saxum (ŠTREKELJ), die lautlich denkbar wäre, wegen der Bedeutung der oben erwähnten slav. Wörter zweifelhaft. Andererseits erklärt sich die Bedeutung,Hakenpflug' im Slavischen besonders leicht aus der Bedeutung, Ast', wenn man den bei ZELENIN Russ. Volkskunde S. 11 abgebildeten Hakenpflug berücksichtigt. So glaube ich, daß slav. socha mit Recht zu aind. çākhā, altiran. *sāzā-, lit. šakà als damit ur verwandt gestellt worden ist. Es gehört unzweifelhaft zu den evidenten Gleichungen, die für die Vertretung von idg. kh durch slav. x angeführt werden können. Man hat besonders wenig Grund von einer solchen Auffassung abzusehen, weil den von PEDERSEN KZ. 38, 391 ff.; 40, 173 ff. und MEILLET Études 174 angeführten Beispielen mit slav. ch für idg. kh keine gleichwertigen Beispiele mit einer andern slav. Vertretung dieses Lautes zur Seite stehen.

Berlin

χ

M. VASMER

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