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burg 1925, Ders. Русская литература и капитализм Рetersburg 1925 behaupten, daß unter den Bedingungen des kulturhistorischen Milieus, welches sich aus wirtschaftlichen, sozialen, politischen und gemeinpsychologischen Verhältnissen zusammensetzt, gerade das dritte Moment, die Sozialpsychologie, die nächste Quelle zur Erklärung der geistigen und künstlerischen Tätigkeit der Gesellschaft darstelle. Dieses dritte Moment ist wesentlich für die Deutung des künstlerischen Schaffens, denn nur die Bedingungen dieser Psychologie der Gesellschaft bestimmen den Charakter ihrer Literatur. Dagegen stehen die zwei ersten Faktoren, der wirtschaftliche und sozialpolitische, in keinem direkten Verhältnis zur Wortkunst, sie beeinflussen diese erst durch ein drittes Moment; für die erklärende Literaturforschung vom historisch-materialistischen Standpunkt aus bilden sie die direkte Quelle jener Bedingungen, aus denen sich die Gesellschaftspsychologie zusammensetzt. Die Lösung dieser Aufgaben stellt bei Erforschung des Kunstschaffens sein erstes Moment dar, dasjenige, was nach PLECHANOV Übertragung der Ideen eines Werkes aus der künstlerischen Sprache der Kunst in diejenige der Soziologie" ist, die Ergründung desjenigen, was man soziologisches Äquivalent einer Literaturerscheinung nennen könntе" (за дваддать лет S. IX-X). Das zweite Moment bildet die Würdigung der ästhetischen Vorzüge des Werkes". Ihr Fehlen ist gleichbedeutend dem Nichtverstehen der hier behandelten Methode.

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Die anderen Marxisten wie: FRITSCHE Очерки по истории западно-европейской литературы Moskau 1908 (ohne methodologische Einleitung findet sich jetzt eine neue Ausgabe: Oчерк развития зап.европ. литературы Moskau 1922) Ders. Очерки по искусству Moskau 1923, KOGAN Очерки по истории западно-европейской литературы 8. Aufl. Petersburg 1923, Ders. Очерки по истории новейшей русской литературы 4. Aufl. I-II Moskau 1923, Ders. Литература этих лет 1917-1923 r. Moskau 19241) 4. Aufl. Ivanovo-Voznesensk 1925, KoVALIVS'KYJ Питання экономично-соціяльної формули в исторіі літератури in Червоний Шлях Nr. 3 Charkov 1923 nehmen zum Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen ein Moment der ersten Ordnung, d. h. einen wirtschaftlichen Faktor, nämlich die herrschende Form des Wirtschaftslebens".

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Von den genannten Vertretern der marxistischen Literaturforschung haben sich nur einige in klarerer Weise über die Beziehungen zur formalen Literaturforschung geäußert. P. KOGAN Литература этих лет und O формальном методе in Печать и революция Buch 5 1924 verhält sich z. B. ablehnend zu dieser Frage, übrigens meint er dabei den Pseudoformalismus", d. h. denjenigen, der von EICHENBAUM und dessen

1) KOGAN ist kein konsequenter Anhänger der marxistischen Methode in der Deutung von FRITSCHE. Er schwankt zwischen Sozialpsychologie (PLECHANOV) und Wirtschaft (FRITSCHE) als den wichtigsten Faktoren der Literaturforschung.

Richtung1) vertreten wird, die formale Methode von PEREVERZEV und PIKSANOV 2) hält er dagegen für im höchsten Maße fruchtbar“ (О формальном методе S. 33).

Von den übrigen Marxisten setzen sich GORBAČEV und NAZARENKO für eine soziologische Erforschung von Inhalt und Form ein.

Scharf ablehnend verhält sich gegenüber dem Formalismus“ als einer bestimmten Weltanschauung und bestimmten methodologischen Richtung unsrer Zeit auf literarhistorischem Gebiet A. LUNAČARSKIJ Формализм в науке об искусстве in Печать и революция Buch 5 1924. Seiner Meinung nach ist der Formalismus sowohl in der Kunst als auch in der Kunstforschung das Erzeugnis einer späten Reife oder frühen Überreife der Bourgeoisie, das auch in das verwandte Milieu in Rußland verpflanzt worden ist"; deswegen muß es zu einem offenen Kampf zwischen Formalismus und Marxismus“ kommen (S. 27).

Ebenso entschieden äußert sich gegen den Formalismus V. POL'ANПо поводу Б. Эйхенбаума in Печать и революция Buch 5 1924. Für ein Nebeneinanderbestehen von Formalismus und Marxismus tritt L. TROCKIл ein: Литература и револопия Moskau 1924 Kap. V Формальная школа поэзии и марксизм.

Einerseits hält er im allgemeinen die formale Schule für eine von Gelehrten präparierte Frühgeburt des Idealismus auf Kunstfragen bezogen (S. 139) und als solche mit dem Marxismus für unvereinbar“. Andrerseits erkennt er an, daß die Arbeit der Formalisten, die „Analyse (ihrem Wesen nach beschreibend oder halbstatistisch) der etymologischen und syntaktischen Eigenschaften poetischer Werke, Statistik der sich wiederholenden Vokale und Konsonanten, Silben, Epitheta zweifellos nötig und nützlich ist, wenn man ihren speziellen, vorläufigen und vorbereitenden Charakter in Betracht zieht" (S. 124).

Den Standpunkt von TROCKIJ unterstützt auch BUCHARIN O формальном методе в искусстве (Stenogramm einer bei der Debatte über Kunst und Revolution am 13. März 1925 gehaltenen Rede vgl. Красная Новь Nr. 3 1925).

3. Psychologische Methode.

In der Literaturwissenschaft auf psychologischer Basis findet die psychoanalytische Methode von FREUD in letzter Zeit immer größere Verbreitung. Diese Methode erklärt das Dichtwerk als Ausdruck der erotischen Phantasien des Schriftstellers 8).

1) Gemeint ist der Opojaz.

2) Nähere Hinweise darauf, welche Arbeiten dieser Forscher KOGAN im Auge hat, fehlen.

3) FREUD'S Werke sind von JERMAKOV in der Serie: Псиxологическая и психоаналитическая библиотека herausgegeben. Vgl. auch BORISOV Фрейд и его учение о поэтическом творчестве. Вестник Воспитания Nr. 7 Moskau 1914.

Zeitschrift f. slav. Philologie. Bd. IV.

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Die Psychologie des Schaffens im weiteren Sinne als biologisches Problem behandeln folgende Aufsätze: SAVIČ Попытка уяснения процесса творчества с точки зрения рефлекторного акта. Красная Новь IV 1922; (FRITSCHE) Фрейдизм и искусство. Вестник коммунистической Академии Nr. 12 1925; JEVLACHOѵ Психология творчества, как биологическая проблема. Журнал теоретической и практической медицины Bd. I Nr. 3-4 1925 und einzeln Baku 1925; MAJFET Суть літературно-художньої творчости та іі впливу на людину в освітленні рефлексологіі. Червоний Шлях Nr. 3 Charkov 1925; GRIGORJEV Психоанализ, как метод исследования художественной литературы Красная Новь Nr. 7 1925; VoRONSKIJ Фрейдизм и искусство ib. Nr. 7 1925.

Eine konkrete Verwirklichung hat dieser Zweig der psychologischen Methode erhalten in den Arbeiten von JERMAKOV Этюды по психологии творчества А. С. Пушкина Moskau 1923, Ders. Очерки по анализу творчества Н. В. Гоголя Moskau 1923, KAŠINA-JEVREINOVA Подполье гения. Сексуальные источники творчества Достоевского Petersburg 1923. Es werden darin auch einige theoretische Erörterungen über die psychoanalytische Methode geboten.

Minsk

A. VOZNESENSKIJ

(Fortsetzung folgt.)

Beiträge zur Geschichte der Freimaurerei und des
Mystizismus in Rußland

I. Die Rosenkreuzer im 18. Jahrh. in Rußlan d

In der 2. Halfte des 18. Jahrh. erlangte die Freimaurerei in Rußland weite Verbreitung. Nicht nur in den Hauptstädten, Petersburg und Moskau, sondern auch in der Provinz wurden Freimaurer-Logen gegründet 1).

Die Freimaurerei stellte im Rußland des 18. Jahrh. keine einheitliche Organisation dar. Es gab mehrere Freimaurer-,Systeme", die in verschiedenem Verhältnis zueinander standen. Einige dieser Systeme umfaßten in den verschiedenen Städten Rußlands eine ziemlich große Anzahl von Logen und übten einen anhaltenden Einfluß aus, andere wiederum hatten wenig Anhänger und ihr Einfluß war nur ein vorübergehender.

Die russische Freimaurerei stand in enger Beziehung sowohl zu der internationalen Freimaurer-Bewegung als auch zu den nationalen Freimaurer-Organisationen der anderen europäischen Länder. So hing das um 1770 in Rußland populäre System JELAGIN's mit englischen

1) Vgl. Verf. Русское Масонство в царствование Екатерины II Petersburg 1917; ferner das Verzeichnis der Freimaurer-Logen bei А. PYPIN Русское Масонство Petersburg 1916 hgb. vom Unterzeichneten.

zusammen, die „nationale Loge" des Fürsten Gagarin war ein Zweig der schwedischen Freimaurerei usw. Betrachtet man die Freimaurer-Organisationen nach dem inneren Gehalt ihrer Lehre, so bestand die Aufgabe der meisten russischen Logen des 18. Jahrh. in der Verbreitung des rationalistischen Deismus, ein geringerer Teil der Logen trat für den Mystizismus ein, der mitunter in irgendeiner Weise mit christlichen, besonders griechisch-orthodoxen Elementen verknüpft war. Um 1780 beginnt unter den russischen mystischen Freimaurer-Logen die Rosenkreuzer-Organisation an Boden zu gewinnen, die schnell erstarkt und bald die erste Stelle in der Geschichte der russischen Freimaurerei einnimmt.

Entstehung und Entwicklung des Rosenkreuzer-Ordens ist bisher noch nicht eingehend genug untersucht worden. Im wesentlichen geht die Lehre der Rosenkreuzer auf den hermetischen Mystizismus des 16.-17. Jahrh. zurück.

In den Anfang des 17. Jahrh. fallen die ersten Versuche, eine Rosenkreuzer-Brüderschaft zu gründen. 1614 erschien in Kassel das Buch von JOH. VALENTIN ANDREAE Fama Fraternitatis R. C. oder Brüderschaft des hochlöblichen Ordens des R. C. In diesem und den anderen Werken von ANDREAE wird der Organisationsplan einer Geheimgesellschaft für allgemeine Umbildung und Besserung der kirchlich-staatlichen Beziehungen entworfen 1). Ähnliche Pläne wie ANDREAE hegte der bekannte čechische Denker JAN AMOS KOMENSKÝ 2). Mystiker und Alchemisten setzten den Plan ANDREAE's in die Tat um; so entstand tatsächlich bald darauf die Rosenkreuzer Gesellschaft mit Zweigstellen in Deutschland, Holland und Italien.

Mitte des 18. Jahrh. fand eine Umformung des Rosenkreuzer-Ordens in Mitteleuropa statt. Zu Anfang waren die Rosenkreuzer gleichsam ein Überbau über die allgemeine Freimaurer-Organisation, in ihrer Art ein System der obersten Stufen der Freimaurerei. Diesen Sinn hatte der theoretische Grad" in der Berliner Loge der Drei Globen".

Die Berliner Organisation der Rosenkreuzer knüpft sich an die Namen Wöllner und Bischoffwerder; auch der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich-Wilhelm II) gehörte dieser Organisation an.

1) Vgl. PYPIN op. cit. 218-221; V. PERCEV Hемедкое MасонCTBO В 18 в. (Sammelband Масонство в его прошлом и настоящем hgb. MEL'GUNOV und SIDOROV Moskau I 1914 S. 92 ff.).

2) MAŠLAN Dějiny svobodného zednářství v Čechach Prag 1923 S. 4f. 3) Vgl. M. PHILIPPSON Geschichte des preuß. Staatswesens vom Tode Friedrich des Großen bis zu den Freiheitskriegen. I. Leipzig 1880 passim; viel Material bietet auch H. KOPP Die Alchemie in älterer und jüngerer Zeit Leipzig 1886 2 Bde. Erwünscht wäre eine eingehende Untersuchung über die Berliner Rosenkreuzer sowohl hinsichtlich ihrer Lehre als auch ihrer äußeren Organisation. Interessantes Material zur

1781-1782 knüpften die Moskauer Freimaurer mit der Berliner Rosenkreuzer-Organisation Beziehungen an. Die Vermittlung übernahm der Moskauer Professor J. SCHWARZ1), der aus Moskau nach Mitau und von dort aus nach Deutschland reiste, um am Freimaurer-Konvent in Wilhelmsbad 1782 teilzunehmen; hier wurde die Organisation Ritter der Wohltätigkeit" begründet und zu deren Großmeister Herzog Ferdinand von Braunschweig gewählt. Während seines Aufenthaltes in Deutschland setzte sich jedoch SCHWARZ nicht nur mit Ferdinand von Braunschweig in Verbindung, sondern auch mit den Berliner Rosenkreuzern Wöllner und Theden. Als SCHWARZ nach Rußland zurückkehrte, brachte er vom Herzog von Braunschweig die Akten der Wohltätigkeit und von Theden diejenigen des Theoretischen Grades mit. Am 11. November 1783 erklärte sich die Berliner Loge der „Drei Globen“ für vollkommen selbständig von jeglicher freimaurerischen Abhängigkeit; die Rosenkreuzer wurden somit eine vollkommen gesonderte und selbständige Institution. Seit 1784 organisierten daraufhin auch die neuen Moskauer Anhänger des Rosenkreuzes das System ihrer Logen um. Nach den von SCHWARZ mitgebrachten Akten bildeten die Moskauer Brüder" den „Theoretischen Grad", ein gesondertes Geheimzentrum innerhalb der offnen Organisation der Provinz-Logen 2).

Das Haupt-Direktorium" des Theoretischen Grades in Moskau bestand nach dem Tode von SCHWARZ (17. Februar 1784) aus Baron H. SCHRÖDER, A. M. Kutuzov, Fürst N. N. TRUBETZKOJ, N. I. NOVIKOV, Fürst Ju. N. TRUBETZKOJ, I. V. LOPUCHIN, I. P. TURGENEV, S. I. GAMALEJA). Nach den späteren Aussagen NOVIKOV's zu schließen, gab es in Rußland über 60,theoretische" Brüder. Hauptinspektoren der Kreise des Grades" waren: in Moskau I. V. LOPUCHIN, I. P. TURGENEV, O. A. POZDEJEV, S. I. GAMALEJA, in Petersburg Dr. E. ZVERAK (seit 1788 LENIVCOV); in Vologda V. OSTOLOPOV; in Orel Z. KARNEJEV.

"

Geschichte der Berliner Rosenkreuzer findet sich unter anderem auch im Kgl. Hausarchiv in Charlottenburg.

1) SCHWARZ (1751—1784), gebürtiger Deutscher aus Siebenbürgen kam 1776 als Hauslehrer nach Rußland; 1779 siedelte er nach Moskau über, wo er auf den Lehrstuhl für Philosophie und Belletristik berufen wurde. Vgl. V. TUKALEVSKIJ Н.И. Новиков и И. Г. Шварц (in Масонство в его прошлом и настоящем).

2) Vgl. Verf. Mасонство S. 67 f. Nach dem Tode von SCHWARZ (17. Februar 1784) wurde Baron H. SCHRÖDER zur Leitung der Moskauer Rosenkreuzer entsandt (vgl. sein Tagebuch für die Jahre 1785-1786 bei JA. BARSKOν Переписка московскиX масонов 18 B. Petersburg 1914 S. 215-234).

3) 1792 in seinen Aussagen bezeichnete NoVIKOV diese Persönlichkeiten als „Glieder der Berliner Freimaurerei in Moskau, die diese ganze Institution, sowohl die Freimaurerei als auch die Typographische Gesellschaft leiteten" Сборник Русск. Ист. Общ. ІІ 149.

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