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ein Festgelage. „Leben heißt träumen," sagt er zu Lomellino: „weise sein, heißt angenehm träumen. Kann man das besser unter den Donnern des Throns, wo die Räder der Regierung ewig ins gellende Ohr krachen, als am Busen eines schmachtenden Weibes? Gianettino Doria mag über Genua herrschen. Fiesko wird lieben" 1). Als Fiesko Unzufriedenheit unter einigen Gästen bemerkt, gibt er den Befehl, den Ball wieder schneller zu beginnen, die Becher zu füllen; er bietet den Gästen die verschiedensten Zerstreuungen; zu Verrina sagt er darauf: „Du bist der ewige Grillenfänger. Mag er (Doria) Genua in die Tasche stecken und an einen Caper von Tunis verschachern, was kümmert's uns? Wir trinken Cyprier und küssen schöne Mädchen“2). Es bedarf keiner näheren Erörterung darüber, wie glänzend dieses Motiv bei Schiller entwickelt ist; zweifellos hat Krasiński gerade hieraus entlehnt, da diese Szenen einerseits bei Krasiński keine neuen Züge gegenüber Schiller aufweisen und andrerseits die aus Schiller gemachten Entlehnungen in offnem Widerspruch zum Gang des Dramas stehen und daher nur sporadisch vorkommen. Darauf beschränkt sich auch der Einfluß Schiller's auf Krasiński. Das Bestreben KOBZDAJ's, den Einfluß Schiller's auf die ganze Konzeption und den Aufbau des Dramas auszudehnen, ist unbegreiflich. Für die Konzeption verfügen wir über andere Quellen, die mit Schiller nichts zu tun haben und in vielem von ihm abweichen. Die Behauptung KовZDAJ's, auch Fiesko beruhe wie der Irydion auf einer Verurteilung der Idee der Rache3), entspricht nicht den Tatsachen. Erstens müßte erwiesen werden, daß dem Irydion dieser Gedanke zugrunde liegt, was niemand bisher getan hat; zweitens beruht jedenfalls der Fiesko nicht auf diesem Gedanken. Der Fehler von KOBZDAJ ist verständlich ein jeder

Versuch, das Gebiet des Schiller'schen Einflusses über die besprochenen Punkte hinaus auszudehnen, muß mißlingen aus Gründen, die bereits oben besprochen wurden.

Petersburg

1) Schiller a. O.

Bd. 2 S. 156.

2) Schiller a. O. Bd. 2 S. 158.

3) Vgl. den oben erwähnten Aufsatz S. 58 f.

V. ČERNOBAJEV

Beiträge zur slavischen Grammatik

2. Zum ostslavischen Wandel von anlautendem (j) e

zu 0-.

Der Streit zwischen DURNOVO Slavia III 225 ff. und ILJINSKIJ daselbst II 232 ff. IV 387 ff. hat den letzteren Gelehrten dazu geführt, auch mittel- und neugriechische Ortsnamen slavischen Ursprungs zugunsten seiner Ansicht zu verwerten, daß der o-Laut von russ. ozero einer vorrussischen Lauterscheinung seinen Ursprung verdankt und nicht spezifisch russisch ist. Wenn ein Slavist nun von ILJINSKIJ hört, daß ein ON. 'Ogapós auf griechischem Boden bezeugt ist, so wird er großen Wert darauf legen zu erfahren, wie das anlautende o- dieser Form vom Standpunkt des Gräzisten beurteilt wird. ILJINSKIJ Slavia IV 392 hält es für sicher, daß 'Ogɛpós auf slavischem Boden entstanden ist. Es muß nun vom Standpunkt der spätgriechischen Lautgeschichte untersucht werden, wie ein anlautendes o- im Griechischen zu beurteilen ist. Tut man das aber, dann ist das Ergebnis für ILJINSKIJ'S Lehre außerordentlich ungünstig.

Wir haben allerdings Fälle im Neugriechischen, wo anlautendes o- für altgriech. o- erscheint. Es fragt sich nur, ob das immer der Fall ist. Wenn man dann aber auf Fälle stößt wie: ὅτοιμος) für ἕτοιμος, ὀλέφτερος (Kalymnos) für ἐλεύθερος, ὄφκαιρος für εὔκαιρος, ὀχτρός für ἐχθρός, ὄμορφος für εὔμορφος, ὀρπίζω für ἐλπίζω, ὀρπίδα für ἐλπίδα, ὀμπρός (Kreta) für ἐμπρός, όρμηvevo für έqunvevo usw. (s. HATZIDAKIS Einleitung in die neugriech. Gramm. 329 ff.), dann wird man zugeben müssen, daß anl. o im Griechischen auch auf älteres è zurückgehen kann und man wird sich nur über die Sicherheit wundern, mit der ILJINSKIJ, ohne die spätgriechische Lautentwickelung zu übersehen, diese Möglichkeit in Abrede stellt. Schon HATZIDAKIS a. a. O. hat nachgewiesen, daß spätgriech. - unter satzphonetischen Bedingungen zu ỏ- werden konnte, was besonders begreiflich ist nach der Feststellung dieses Gelehrten, daß im Sandhi ein o im Spätgriech.

1) Der Spiritus asper ist natürlich nur graphisch, da das Griechische ihn schon in einer Zeit eingebüßt hat, die weit hinter dem Beginn der Berührungen von Griechen und Slaven liegt.

„stärker" ist als ein &. Bei ó 'Etapós lag eine Entwicklung zu 'Ogɛpós besonders nahe. In der Tat findet sich in griechischen Ortsnamen auch die Form mit anlaut. -1): "Egeo Episkopat der Metropole Larissa 1371, MIKLOSICH-MÜLLER Acta et dipl. gr. I Nr. 325, 'Eçɛoά Episkopat der Metropole Lakedaemon 1340, MIKL.MÜLLER I Nr. 97, "Egapets ON. Florina Kr. Kastoria, 'EcɛQirαι am Taygetos um 'Eɛgóv s. HopF in Ersch und Gruber's Enzykl. Bd. 85 S. 127, FALLMERAYER Gesch. Moreas I 273 II 71 ff. Ich halte es daher vom Standpunkt der spätgriechischen Lautentwicklung für sehr gewagt, auf Grund von Ogapós ein balkanslavisches ozero anzunehmen, solange ein solches nicht auf Grund eindeutiger südslavischer Belege gesichert ist. Ein Gräzist wird keine Schwierigkeiten darin finden, eine Form Ogapós auf slavisches ezero zurückzuführen. Die Form 'Ogɛpós ist auch nur in einem älteren Beleg überliefert, der aber auch aus einer Zeit stammt, in der bereits mit diesen Sandhierscheinungen gerechnet werden muß, nämlich: 'Ogɛoós „See, an dem die Stadt Jannina liegt" Chronik von Morea (15. Jahrh.) ed. J. Schmitt s. v. Sonst findet es sich in den modernen Formen: Οζερός Μεγάλη und Μικρά in Akarnanien, HILFERDING Coбp. coч. I 291 und 'Ocapós Phthiotis Kreis Ξυνιάδος Στ. Απ. Νουχ.

Aus südslav. ezero sind auch noch ein paar andere Ortsnamen in Griechenland entlehnt. Nämlich: Negɛoά „Tal, das vom Kamenitsa-Fluß durchströmt wird", PHILIPPSON, Peloponnes 259, Negεgó ON. Achaea unweit von Sopotón, Kr. Aroanía s. FALLMERAYER Gesch. Moreas I 322. Davon abgeleitet: Negɛoltına ON. Achaea Kr. Patras 4. Endlich noch: Netɛpós ON. Larissa Kr. Olympos Στ. Μπ. Λεξ. (bei Νουχ. heißt es Νεζερός, wo sich das i durch die nordgriechische Vokalverengung aus e leicht erklärt). In diesen Fällen erklärt sich das anlautende n durch Sandhiverhältnisse etwa in einer Verbindung wie εἰς τὸν Ἐξερόν.

=

1) Im Folgenden gebrauche ich folgende Abkürzungen: 4ɛ§. = Λεξικὸν τῶν δήμων . . . καὶ συνοικισμῶν τῆς Ἑλλάδος Athen 1923. MIKLOSICH-MULLER Acta et diplomata graeca Wien 1865 ff. Novz. Νουχάκις Νέος χωρογραφικός πίναξ Athen 1885. Στ. Απ. = Στατι στικὰ ἀποτελέσματα τῆς γενικῆς ἀπογραφῆς τοῦ πληθυσμοῦ τῆς Ἑλλάδος Athen 1909.

Daraus Nεtegó(v). Zahlreiche Fälle einer solchen Übernahme des -v vom Artikel verzeichnet aus dem Neugriech. GUSTAV MEYER in den Analecta Graeciensia. Festschrift zum 42. Philologentag. Graz 1893 S. 1 ff. Ich erwähne daraus vάons,Hölle' (Kreta) aus άδης, νάκρα Ende' (Kypros): ἄκρα, νάμμος,Sand (Pontos): ἄμμος, Νάρτα Stadtname': Αρτα, ναυλή (Syme): αὐλή, νεκκλησά Kirche‘ (Syme): ἐκκλησία, νηστιά Feuer (Kypros): ἡστία, νοικοκύρις: οἰκοκύρις, νουρά Schwanz': οὐρά, νῶμος Schulter": ὦμος usw. Wiederum ist es wichtig, daß Nɛɛpós vorliegt: hätten wir es hier mit einem slavischen ozero zu tun, dann müßte dieser Name *Notɛgós lauten. Eine solche Form ist aber nirgends belegt. Diese Tatsache spricht ganz entschieden gegen die ILJINSKIJ'sche Auffassung und muß uns zu der Überzeugung führen, daß die oben erwähnten griechischen Ortsnamen alle auf ein allein belegtes südslav. ezero zurückzuführen sind. Auf den ostslavischen Lautwandel selbst will ich in anderem Zusammenhange eingehen. Berlin M. VASMER

Zur alten Geographie der slavischen Länder

2. Bitolj.

Den bulgarischen Namen Bitolj für die Stadt Monastir in Mazedonien erklärt ILJINSKIJ Prace Filologiczne XI (1927) 190 im Hinblick auf den zweiten Namen aus *obvitolo, das er mit abg. obitelь für verwandt ansieht. Diese sprachlich durchaus mögliche Deutung wird bedenklich, wenn man die Form Boutelis für diesen Ortsnamen in einem Chrysobull von 1272 bei GOLUBINSKIJ Краткая исторія болг. сербской и румынской церкви Moskau 1871 S. 61 u. 259 berücksichtigt. Wegen dieses Beleges halte ich die slavische Deutung des Namens für unmöglich. Wenn der Name eine ähnliche Bedeutung hatte wie das später ihn ersetzende Movαóτýqi(ov), auch alb. Manastir, dann wäre man versucht, ihn als illyrisch oder thrakisch anzusehen und zu lit. bútas „Haus", apreuß. buttan „Haus" zu stellen (wozu TRAUTMANN Apreuß. Sprachdenkm. 41). Einen Versuch, Bitolj aus dem Alb. zu erklären, hat schon HAHN Alb. Studien I 272 Anm. 224 gemacht. Doch genügt das von ihm herangezogene alb. vito best.

vitoja „Taube" lautlich nicht zur Erklärung von Boutelis und ist selbst etymologisch unklar (vgl. G. MEYER Alb. Wb. 474). Die Wortbildung -elis wäre noch zu klären, erscheint aber vom idg. Standpunkt nicht schwierig.

Berlin

Zur slavischen Wortforschung

M. VASMER

1. Russ. šatėra,Zelt', alt-serb. šatorь id. etc. Sowohl bei MIKL. EtWb. 30, wie auch bei BERN. EtWb. I 133 finden wir folgende slavische Wörter in einem Artikel behandelt:

1. bulg. čadóra,Zelt; Regen-, Sonnenschirm' GEROV, MIČ.-LAVR., WEIG.-DOR. serb. cador (Gen. čadora VUK; Formvariant: čator, Gen. čatora Agramer Rječnik),Zelt'. Belege seit der Wende des 18.-19. Jahrh.; das Wort scheint im kroatischen Teile des Sprachgebietes nicht vorzukommen.

2. russ. dial. (im Kaukasus) čadrá,langer Frauenschleier' PAWL. | klr. čádra,Schleier der mohamedanischen Frauen' BERN. EtWb. I 133.

3. kirchslav. (russ., bulg., serb. Redaktion): *šators (vgl. šatore Lex. p.), šatúra, šaterz, šatırı (dekliniert: šatrě, šatry Lex. p.),tabernaculum' || vgl. alt-serb. šatora,tabernaculum' DAN. Rječ. iz star. srp. | alt-russ. šatora, šaterz, šatorz (dekliniert: šatory, šatra, šatrě; Ableitung: šaternyj),šatërь; pola šatra; ? stanь' SREZNEVSKIJ, Materialy. Belege schon in Pověstь vrem. lětь, siehe Ipat. lětop. 1015, 1103, 1110 MELIORANSKIJ: Izvjestija X 4, 133, woraus zu schließen ist, daß das Wort im Russischen auch im 10. Jahrh. vorhanden war.

Bulg. šátora (Form varianten: šator, sátorz GEROV; šatórz MıČ.LAVR.; šátorz WEIG.-DOR.; Ableitung: šatóristyj GEROV),Zelt | altserb., siehe oben; serb. šator (Gen. šatora) Zelt VUK | kroat. šátor (BELLOSZT., JAMBR.; Formvariant: ? šator HABD., JAMBR.; dekliniert: šátore, šátori BELLOSZT.; Ableitung: šátorec BELLOSZT.),Zelt; Umhang um ein Bett' slov. šátor (Gen. šatóra; Ableitungen: šátórək, šatorič, šatóriti) Zelt PLET. | slovak. šiator (JANCS.; Form varianten: šátor BERNOL., RANK; ostslovakisch: šater CZAMBEL, Slov. reč 598; dekliniert: šatory und šiatra, šatra, aber Ableitungen noch: šátorný s. BERNOL. im Böhmischen scheint das Wort nicht vorhanden zu sein; MIKL. EtWb. 30 zitiert zwar ein čech. šatr, höchstwahrscheinlich aus JUNGMANN's Wb. JUNGMANN zitiert aus KOLLÁR slovak. šatr | poln. szater (Formvariant: szatr. Dekliniert: szatra, szatrami, szatry LINDE; Warsch Wb.),Zelt; Zigeunerzelt'. Belege seit dem 16.-17. Jahrh., s. LINDE | alt-russ. siehe oben; russ. šatër (Gen. šatrá) Zelt,; Mantel über dem Herde; Bretterdach, Schutzdach' PAWL. | klr. šáter

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