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entstanden sind, finden wir im Ungarischen sehr selten, und wenn sie auch zu treffen sind, sind solche Namen in sehr kleinem Umfange im Gebrauch. Der Personenname Poson ist dagegen ein sehr beliebter Personenname im XII.-XIV. Jahrhundert. Hier folgen meine Belege: 1138: Poson, zwei Hörige der Dömöser Probstei, s. Krauz, Mon. Strig. I 91, 95 | 1211: Posun toua, Poson t a ua s. PSZBRT. X 510, Árpúo. I 116 im Kom. Bácsbodrog | Anfang des XIII. Jahrhunderts: Poson, archipreco, s. VárReg. $ 174; Poson, Höriger der Burg Heves, s. VárReg. 8 206 | 1221: Poson, Höriger, s. ÁrpÚO. I 173 | 1231: Pusun, nomen servi, ibidem VI 499 | 1251: Poson, nomen liberti, s. FEJÉR CD. IX 7: 667 | 1252: Poson, vinitor, s. HOkt. VI 72 | 1292: Magister Poson, Domherr von Ofen, der auch im Jahre 1346 noch lebte, s. Knauz, A pozs. prépostság 36 | Poson-ága, Name eines Geschlechtes bei den Szeklern, s. Szék. Oklt. II 80.

1) Auch morphologisch ist ung. Posun ~ Poson ~ Pusun > Poson > Posony > Pozsony in der Gruppe der altungarischen Personennamen des XI.-XII. Jahrhunderts befriedigend erklärlich. Dieser Name scheint nämlich eine Ableitung zu sein, und zwar mit dem ungarischen Diminutiv-Suffix -N (daraus -ny), welches auch in Abony (altung. Obun, s. GOMBOCZ, MNy. XI 343), Appony (altung. Apon < Opon, s. ibidem 344) usw. vorliegt. Poson > Pozsony ist eine ähnliche Bildung vom altungarischen Personennamen Posu (s. VárReg. $ 313), Pos (s. VárReg. $ 323, Kovács Ind.). Von diesem Namen mit Suffix -a ist gebildet die Ableitung Posa (s. VárReg. $ 38, Kovács Ind.), die nicht zu verwechseln ist mit dem altungarischen Personennamen Pousa, mit dem heutigen Pósa.

Ich glaube, es ist mir gelungen zu erweisen, daß Preßburgs heutiger slovakische Name Bratislava ein Werk bewußter Etymologisierung des XIX. Jahrhunderts ist. Der slovakische Name hat vor dem XIX. Jahrhundert keine Geschichte. Es ist klar, daß man Preßburg im XI. Jahrhundert tschechisch nicht Breclav ~ Brěclava nannte und daß der deutsche Name nicht von einem tschechischen Ortsnamen stammt. Dann dürfte auch klar geworden sein, daß man Preßburg slovakisch nie Poznań nannte

und daß der ungarische Name Pozsony weder von einem solchen, noch von dem Personennamen Pázmán ~ Poznán herrührt.

Damit fällt auch WEINGART's Behauptung: „Die Namen Pozsony ~ Preßburg Bratislava rechtfertigen eine gemeinsame, 900 jährige tschechoslovakische Kultur und Vergangenheit.“ Ein solcher Trugschluß hätte leicht vermieden werden können, wenn WEINGART die allgemein bekannten ungarischen und deutschen Tatsachen bloß gesammelt hätte. Budapest

J. MELICH

Alte Flußnamen

2. Avqus. Diesen Namen führt ein Nebenfluß der Donau bei Herodot IV 49, den man gewöhnlich mit dem Jiul oder einem benachbarten Fluß in Rumänien gleichsetzt s. KEPERT Lehrbuch d. alten Geogr. 335, G. MAIR Das Land der Skythen bei Herodot Progr. Gymn. Saaz II (1885) 17 u. a. Da KIEPERT geneigt zu sein schien ,,den sonst unerhörten Namen" zu beanstanden, möchte ich darauf hinweisen, daß er zweifellos alt und idg. ist. Ich stelle ihn zu agerm. aura- m. „Wasser, See“, anord. (poet.) aurigr ,nab', ags. éar n. (poet.) ,Meer', ablautend mit anord. ûr ,Regen“, lat. ūrina, gr. oùoov, lit. júrės pl. „Haff, Meer' dazu Torp bei FICK Vgl. Wb. III 4 6 und 32, KARSTEN Germ.-finn. Lehnwortstudien (Helsingfors 1915) S. 73. Man vgl. auch noch finn. Aura(joki) ,Fluß bei Åbo'. Der Name konnte in alter Zeit jeder idg. Sprache angehören. Thrakische Herkunft scheint mir aber in diesem Falle in Anbetracht der geographischen Lage am wahrscheinlichsten. Dafür würde auch die Tatsache sprechen, daß das Thrakische und Germanische auch andere Übereinstimmungen aufweist. Eine Anzahl derselben ist von R. Much Deutsche Stammeskunde (Leipzig 1920) S. 33 ff. zusammengestellt worden. M. V.

Die Form des Vokativs im Russischen').

Der Vokativ unterschied sich ursprünglich stark von den übrigen Kasusformen. Während sonst bei der Kasusbildung das morphologische Gefühl den Stamm von dem flexiven Bestandteil trennte, enthielt der Vokativ nur den reinen Stamm. Dieses letztere hängt wiederum damit zusammen, daß dem Vokativ keine Stelle im Satz zukam: er schloß ja keine Elemente in sich, auf Grund deren er die Funktion eines Satzgliedes übernehmen konnte. Daher war der Vokativ ein außerhalb des Satzes stehendes Wort, ein Anredewort, und als solchem waren ihm unter den gewöhnlichen Bedingungen der emotionalen Aussprache besondere Schattierungen der Tonbewegung in der Rede eigen. Der Akzent des Vokativs unterschied sich nicht selten von dem gewöhnlichem Wortakzent. Vgl. im Sanskrit die Übertragung des Akzents auf die Anfangssilbe im Vokativ, wenn dieser die Rede einleitet oder andrerseits seinen enklitischen Gebrauch, wenn er nicht zu Beginn des Satzes vorkam. Ferner war die Aussprache des Vokativs mitunter mit einer Dehnung seines auslautenden vokalischen Elements verbunden, vgl. z. B. sanskr. Dēvadatta und Dēvadattā, deutsch Ottó und Otto (BRUGMANN Grundriß II 2, 133). Diese wesentlichen Züge des ursprachlichen Vokativs sind auch in der heutigen Entwicklung mancher Sprachen, unter anderm auch des Russischen, erhalten geblieben.

Aus dem Urrussischen übernommen hat die russische Sprache folgende Typen des Vokativs: 1. Apare, KOHIO; 2. Chuy; 3. 3ATU; 4. cecrpo. Es ist schwer festzustellen, wie weit diese Formen im Sprachgefühl als lebendig empfunden wurden. Wahrscheinlicher ist, daß sie nur aus Tradition erhalten blieben. Man muß

1) Mit Programm Nr. ... bezeichne ich weiterhin die in Besitz der Petersburger Akademie befindlichen handschriftlichen Beantwortungen der von ihr veröffentlichten Programme zur Mundartenforschung.

das annehmen, weil in ihrem Verhältnis zum Nominativ (oder den übrigen Kasusformen) jene scharfe Unterscheidung, die früher bestanden hatte, nicht mehr vorhanden war. Das alte Verhältnis brate: bratos (oder bratom usw.) ist dem weniger durchsichtigen neuen брате : братъ (оdеr брата uѕw.) gewichen. Aber auch dieses Verhältnis wurde noch weiter getrübt durch den im 12. Jahrh. in der russischen Sprache eintretenden Schwund der reduzierten Vokale á und b. Infolge dieses Schwundes der reduzierten Vokale wurde der Vokativ in einer Reihe von Deklinationstypen in quantitativer Hinsicht stark verschieden vom Nominativ: брате, коню und — брат, кон", сыну аnd — сын, зяти und — зят”. Und dа die neuen Nominative des Typus брат, кон”, сын, 3AT' mit den Stämmen dieser Reihen von Substantiven zusammenfielen, so ist klar, daß die neuen Verhältnisse zwischen der Vokativform ápate u. ä. und der Nominativform Õpat u. ä. den ursprachlichen geradezu entgegengesetzt wurden. Der Vokativ zeigt nicht nur eine mit dem Stamm des Substantivs nicht identische Form, sondern vielmehr den Stamm und ein Formans, der Nominativ dagegen weist den reinen Stamm ohne jegliches flexive Element auf. Bei Beibehaltung der alten Vorstellung vom Vokativ als dem Stamm, von den übrigen Kasusbildungen als von Formen, die neben dem Stamm noch flexive Merkmale enthalten, mußte der sich neu ergebende Tatbestand zu Neubildungen führen, zum Verlust dieser altertümlichen Vokativformen. Solches trat in einem Teil der russischen Sprache, nämlich dem großrussischen, ein. Während im Weiß- und Kleinrussischen heutige Vokativformen wie: weißrus. váhe, kýme, дѣду, свату, хлопче, коню, мужу (Programm NN 9, 11, 29; KARSKIJ DĚJopych II 2, 170—172) oder kleinrus. ápáre, kosáre, KÓHO, barány u. ä., durchaus gebräuchlich sind, sind sie dem Großrussischen als lebende Formen gänzlich fremd. Trotzdem kommen sie in einer kleinen Zahl von Wörtern auch in der lebenden Sprache vor. Vgl. die schon von LOMONOSOV (Pocc. T'pamm. § 185) der Literatursprache zugeschriebenen Vokativformen Боже, Христе, Господи, Incyce, oder ähnliche Bildungen wie z. B. einerseits bei KANTEMIR – lumehe, Ilerpe, Bpyre, Tbopue, Lapro (Pyc. Ouj. B. 69 (1913) 50—51) andrer

seits — старче, хлопчe bei CEcнov (Прощайте старче! крикнул ему Огнев. Свсн. Верочка. Ты бы, хлопче, самоварчик нам поставил! СЕСн. На пути) u. . In der Volkssprache kommen mitunter ähnliche Formen vor, aber ausschließlich als Widerhall der poetischen Tradition -- in Liedern, Beschwörungsformeln, Märchen usw. Vgl. .

Идитка, Адаме, на земный край. Smolensk (Doвнovoi'sKIJ

Wörterbuch) Михаиле Архангеле (L. MAJкov Заклинания 559) Что Василие стучался || Александровичъ колотился ? Kargo

pol'. (Kokosov Заметки 144) Друг Христов, Василие Великий! Bolch.

Bolch. (BEZsoхov Кал. перех. VI 106) Женише ты мой обрученный. Petroz. (ВЕzs. I—III 150) Хто цебе, зяця || Из трех милейший ? Smol. G. (Doвнov.

Wb. 291) Я было, Мироне, хотел тебя убить. M. Gов кіл Детство Kap. 8 Отрoцe (neben — три отрoца). Syzrаn. (ВЕzs. I—III 410) Старче, братушко ты мой. Novgor. (KARINSKIJ Рус. Фил.

В. 40 (1898) 98) Сыне мой любезный, надежда моя! Archang. G. (VARENzov

Дух. ст. 55). Ужь ты, сыне, мой сыночекъ. El'nin. und Smol. (Doвнov. Wр. 896). Сыне мой. Olon. G. (BEZS

IV 223). Syzrаn. (ibid. I—III 575) Здравствуешь, человече, кто ты есть ? Petroz. (RYBNIKov

Псни I 309) Юноше (neben Nomin, -юнош und юноша) Petroz. (Омсокоу Северные сказки 326)

Seltener begegnen Formen auf -u und auf -i: Котику-братику, выручи меня. Zarajsk. (SMIRNov Сборн.

великор. сказок II 630) Говорит ему молода жена: „Пришел-ввалился, князю, за

сельщина“. Petroz. (RYBN. I 309) Рысью, мой коню. Kursk. (CHALANSKIJ Hap. гов. Курск. г. 301),

Fatež. und Sčigr. (ibid. 40)

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