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klärt hat. Im Anschluß an diese antiken Etymologien verwies Max MÜLLER auf ai. dānu- „Regen, Feuchtigkeit und sah in Dānuvius eine Bildung wie ai. Dānavá-s (urspr. wohl ein „Nebelgeist“) oder *dánavya-s „carrying moisture, or fed by clouds or snow". Den beiden antiken Deutungen werden wir nun nicht mehr dasselbe Gewicht beilegen können, wie das Max MÜLLER tat. Denn sie sind, wie schon HOLDER (I 1235) sah, offenbar volksetymologische Deutungen in Anlehnung an lat. dare nubes bzw. nivem. Und so werden wir uns bei einer Sinnerklärung des Namens freier bewegen können. Sehr dankenswert war aber Max MÜLLER’s Hinweis auf ai. dānu- „träufelnde Flüssigkeit, Tau, Nebel“ und noch besser der auf das awestische dānu- „Fluß. und das ossetische don „Fluß“i), die merkwürdigerweise nur nebenbei erwähnt wurden, wohl weil das vegɛlocópos des Lydos den freien Blick getrübt hatte. Aber gerade diese Hinweise sind es, die seitdem nicht aus der Literatur verschwunden sind. STOKES in seinem „Urkeltischen Sprachschatz“ (S. 143), HOLDER im „Altkeltischen Sprachschatz“ (I 1225) und M. VASMER in seinen „Untersuchungen über die ältesten Wohnsitze der Slaven“ (1923) I 60 stellten sie neben die keltische Erklärung von ZEUSS. Andere, wie Much in Hoops' Reallexikon I 389, geben ihr offen den Vorzug. Ja, SCHRADER, in „Sprachvergleichung und Urgeschichte“ (II 3 489) und im „Reallexikon der idg. Altertumskunde" (1901 S. 252 = 2 1920 I 329), sowie im Anschluß an ihn KAUFFMANN Deutsche Altertumskunde (1913 I 68 A. 1) und SOLMSEN Indogerm. Eigennamen (1922) S. 44, tun der Zeuss'schen Etymologie überhaupt keine Erwähnung mehr und bieten nur noch Max MÜLLER'S Hinweis auf das awestische Wort. Zur letzteren Gruppe gehört auch A. SOBOLEVSKIJ „Einige Hypothesen über die Sprache der Skythen und Sarmaten" (Arch. f. slav. Phil. 27, 240-244), der, abseits schreitend, zwar auch das awestische dunu- heranzieht, aber aus demselben stillschweigend eine Nebenform mit kurzem Stamm vokal abstrahiert, nämlich ein angeblich sarmatisches Appellativum dăna- „Fluß“, das sich in Danuvius mit einem (sarmatischen ?) Eigennamen Ava vereinigt haben soll!

1) Allerdings hatte schon der treffliche SCHAFARIK Slavische Altertümer I (1843) S. 502 zu Danapris auf 088et. don bingewiesen.

Ähnliche Komposita seien die alten Flußnamen dévastois (russ. Inrocmpo), fär sarmat. * Dana-istr-stehend, und Zúruxois (russ. Thionpg) für sarmat. * Dana-ipr-, eine Auffassung, die kaum irgendwie Anklang gefunden haben dürfte. Für Dānuvius verbietet sie sich schon deswegen, weil hier, wie oben gezeigt, der Stammyokal lang sein muß.

Als Ergebnis der Max MÜLLER’schen Hinweise wird man heute folgendes herausstellen dürfen. Die spezielle Deutung des Namens Dānuvius als „nebelreich“ oder „feucht“ wird man entschieden ablehnen müssen. Dagegen wird die Zusammenstellung mit dem indisch-awestischen Worte für „Fluß“ als einzige bisher vorgetragene einwandfreie Etymologie auf allgemeine Zustimmung rechnen können. Nur werden wir heute zuerst auf die iranischen Worte verweisen, awest. dānu-, Stamm dānav„Fluß, Strom“ (BARTHOLOMAE Altiranisches Wörterb. S. 735), sowie osset. don 1) „Wasser, Fluß“, und erst in zweiter Linie die in der Bedeutung verschobenen altindischen Wörter, ai. dánu„träufelnde Flüssigkeit, Tau, Nebel" sowie ai. dānam „Brunstschleim der Elefanten“, herbeiziehen. Sehr fraglich muß es aber bleiben, ob und wieweit die übrigen von diesem oder jenem Forscher damit verknüpften Flußnamen wirklich etwas mit unserem Stamme zu tun haben, zumal alle, zum Teil sicher, zum Teil wahrscheinlich, Kürze des a aufweisen. Es sind dies Namen wie Rodănus (Horaz; nfrz. Rhône, ahd. Rotan; ital. Rõdăno), Danastris, Danapris, Sandanus, 'Aridavós, 'Hoiduvós (besonders SCHRADER Reall. 2. Aufl. I 329). Sicher gehören hierher 2) nur

1) S. HÜBSCHMANN Etymologie und Lautlebre der ossetischen Sprache (Straßburg 1887) S. 36, 86. Altiradisches å wird im Ossetischen vor Nasalen zu 0, und zwar, wenn ich HÜBSCHMANN recht verstehe, in starktoniger Silbe zu langem .

2) Trotz der altgriechischen Form Távals, die mit Vasmer S. 58 als Lautsubstitution aufzufassen sein wird und zudem ein Ableitungssuffix dem Simplex Don gegenüber aufweist (VASMER S. 74). Merkwürdigerweise erscheint im Altenglischen stets die Form Danais (9. Jh.; Orosius ed. Sweet 14 os, 1481) und im Mittelirischen ebenso Danais oder Danai, Danae (Dictionary of the Irish Language ed. MaksTRANDER 1, 82, 96; K. Meyer Coutrib. to Irish Lexicogr. S. 588, 590), was nur erklärlich ist, wenn im mittelalterlichen Latein eine Form * Danais existierte. (Der Wechsel von -ai mit .oe zeigt

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die russischen Flüsse Don und Donec (mit Deminutiv-Suffix),
die die ossetische Vokalisation des altiranischen Stammes ant

4. Wenn die Zusammenstellung mit awest. danu heute une
bestritten gelten darf, so fragt sich nunmehr, wie man sich das
Verhältnis dieses Wortes zu Dānuvius vorstellen soll. Die bis-
herige Forschung hat sich darüber meistens nicht ganz klar

Prinzipiell wären zwei Möglichkeiten zu scheiden: entweder
ist dānu- ,,Fluß ein auf das Indisch-Iranische beschränktes, also
im engeren Sinne arisches Wort, und dann müssen südrussische
Iranier den Namen Donau geschaffen haben; oder aber das Wort
war ein gemein-indogermanisches, dessen Belege nur zufälliger-
weise auf das Arische beschränkt blieben, weil sich hier der
Gebrauch länger erhalten hat, und dann müssen wir mit der
Möglichkeit rechnen, daß auch andere indogermanische Sprachen
das Wort besessen haben und, wenn nicht als Appellativum, so
doch in Eigennamen versteckt noch bewahrt haben.

Für die erstere Möglichkeit haben sich SOBOLEVSKIJ, KAUFF-
MANN und VASMER entschieden. Namentlich letzterer läßt klar
erkennen, daß er Dānuvius letzten Endes für eine Bildung der
iranischen Stämme (Skythen oder Sarmaten) hält, welche
8. vorchristlichen bis 4. nachchristlichen Jahrhundert Südrußland
bis zur Donau hinab bewohnt haben. VASMER hat seine Auf-
stellung nicht nur mit erstaunlich reichhaltigem Material über
das Vorkommen iranischer Orts- und Flußnamen in Bessarabien

weisen. Vgl. dazu auch VASMER in Streitberg-Festgabe (Leipzig

sowie den russischen Gouvernements Cherson, Jekaterinoslav,

gewiesen, daß der letzte große Nebenfluß der Donau, der Prut,

12

M. FÖRSTER

1924) S. 369.

ausgesprochen.

l'aurien, Kursk, Orel und Charkov gestützt, sondern auch nachsowie ein von den Griechen Népazov óróuæ genannter Mündungsarm des Donaudeltas einen iranischen Namen tragen 1).

Das übrigens, daß die Endung im Irischen als langdiphthongisches -āi aufgefaßt wurde.)

1) Nach Vaguer S. 60 f. ist Prut möglicherweise eine rumänische Lautform, die regelrecht aus einem aslav. *parolă entwickelt ist, das seinerseits auf west. poratu-š ,Furt“ (griech. Ilvpzrós, Tópata) zurückgeben könnte.

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klingt sehr überzeugend, hat aber zur Voraussetzung, daß der Name Dānuvius zuerst an der Mündung oder wenigstens am Unterlauf des Flusses aufgekommen ist, während wohl eher das Gegenteil aus den Nachrichten der Alten zu entnehmen ist. Bekanntlich ist der Fluß von den Griechen und Römern, was bei einer Länge von etwa 2900 km nicht Wunder nimmt, an zwei ganz verschiedenen Stellen entdeckt worden und dementsprechend auch unter zwei") verschiedenen Namen, griech. "Iorpos und lat. Dānuvius – so die beste, auch inschriftlich gesicherte Form für späteres Dānubius —, bekannt geworden, die bis zur römischen Kaiserzeit auseinander gehalten wurden?). Erst um 35 vor Christus erkannte man, daß der Ister und der Danuvius einen einzigen Fluß bildeten). Die Griechen hatten nämlich bei ihren Kolonisationsbestrebungen an der pontischen Küste schon im 7. Jahrhundert einen vielarmigen Fluß kennen gelernt, dessen Namen sie - doch wohl von irgendeinem der in der Nähe wohnenden Stämme - als "IoTpos auffingen. Diesen Namen hielten sie für „thrakisch“, d. h. sie wollten ihn von den Thrakern gehört haben. Doch galten den Griechen „alle die untereinander feindlichen Volksstämme im Nordosten der Balkanhalbinsel“ als ,,Thraker", so daß damit wenig über die wirkliche sprachliche Zugehörigkeit des Namens ausgesagt ist. Mit diesem Ister oder Hister wurden natürlich auch die Römer bekannt, teils auf literarischem Wege, teils durch ihre Kriege auf dem Balkan, wie z. B. den Feldzug des Scribonius gegen die thrakischen Daker im J. 72 vor Christus. Erst über ein Halbjahrtausend später wird bei den Römern ein Fluß Danuvius bekannt, der Süd-Germanien von Westen nach Osten durchzieht: recta fluminis Danuvii regione, d. h. parallel mit der Donau, erstrecke sich der hercynische Urwald, sagt C. J. Caesar (B. g. VI 25), der

Nápaxov stellt er zu osset. naräg schmal“, einer Bezeichnung, die durch die starke Schlammablagerung im Donaudelta - heute mehr an der KiliaMündung als am Sulina-Arm (PENCK S. 44 f.) – gerechtfertigt erscheint.

1) Ich sebe hier ab von dem vereinzelten Namen Matóas.

2) Vgl. den trefflichen Artikel von BRANDIS in Pauly-W18sowas Realenzyklopädie IV (1901) 2103—2133 sowie die dort verzeichnete reiche Literatur.

3) DE PACHTÈRE in Mélanges d'archéologie (1908) 28, 79 ff.

zuerst diesen Flußnamen erwähnt. Und in Sallusts Historienfragmenten (III 79) heißt es ausdrücklich: nomen Danuvium habet, quoad [Hs. ut ad] Germanorum terras adstringit. Lange nachdem der Zusammenhang dieser beiden Flüsse entdeckt war, blieben die Namen noch so geschieden, daß mit Ister der Unterlauf, mit Danuvius der Ober- und Mittellauf bezeichnet wurde,

wobei natürlich die Geographen sich den Kopf zerbrachen, bis zu welchem Punkte man den Namen Danuvius gebrauchen sollte, ob mit Plinius und Appian bis zum Einfluß der Sau oder mit Strabon bis zum eisernen Tor oder gar mit Ptolemaios noch weiter nach Osten.

Dies alles sieht nicht so aus, als ob der Name Danuvius gerade im Mündungsgebiet aufgekommen sein könnte oder von den dort wohnenden iranischen Skythen geschaffen sei. Und so wird man die Ableitung von einem speziell indisch-iranischen Worte wohl aufgeben müssen.

5. Sonach bliebe nur die andere Möglichkeit, daß der Stamm dān-au. ,,Fluß“ nur zufälligerweise in seinen Belegen auf das Arische beschränkt ist und daß vielmehr auch andere indogermanischen Sprachen ehemals eine entsprechende Wortform besessen haben, die allerdings als Appellativum bei ihnen verloren gegangen ist. Zwei Fragen tauchen da für uns auf: Läßt sich für irgendeine andere indogermanische Sprache ein Anhaltspunkt gewinnen, daß sie ein Wort dānu- „Fluß“ ehemals besessen hat? Und weiter: Geben uns Geschichte oder Geographie nicht irgendwelche Anzeichen, von welchem Volke die Römer den Namen Dānuvius empfangen haben könnten?

Beginnen wir mit dem Letzteren. Wenn uns die Zufälligkeit der ältesten Belege bei Caesar und Sallust nicht völlig irreführt, so ist der Name zu den Römern aus dem geographischen Milieu Süddeutschlands gekommen. Auf diesem Schauplatze saßen zur Zeit Caesars sicherlich am Südufer, aber zumeist auch noch am Nordufer keltische Stämme, stellenweise und in einiger Entfernung auch Germanen. Da, wie wir eingangs festlegten, der lat. Name Dānuvius nicht aus germ. * Donawi hergeleitet werden kann, wohl aber * Donawi aus einer Grundform Dānuvius, bliebe als Herkunftsgebiet für den lateinischen Namen nur das keltische

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