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Süddeutschland. Auf welchem Wege freilich der Name von den süddeutschen Kelten nach Rom gelangt ist, ob durch militärische Vermittlung über Gallien oder auf dem alter Handelswege, der den Salz- und Eisenhandel der keltischen Noriker nach Aquileia führte, oder durch sonst einen der Alpenpässe), wird nicht mehr zu entscheiden sein.

Noch eine andere Schwierigkeit bleibt: wenn die Römer den Namen von den Kelten empfangen haben, so ist damit noch nicht gesagt, daß die Kelten die Schöpfer der Flußbenennung gewesen sind. Sehr wohl könnten die süddeutschen Kelten ihrerseits von den weiter östlich, an der mittleren Donau sitzenden Völkerschaften, zunächst den thrakischen Panoniern, den Namen erhalten haben. Und hierfür ließe sich sogar insofern ein spätantikes Zeugnis anführen, als die schon oben S. 9 verwendete Stelle bei IOHANNES LYDOS den Namen Aeroußlos ausdrückligh als „thrakisch“ bezeichnet. Aber, wie schon einmal gesagt, wird man solchen linguistischen Behauptungen der Alten, zumal wenn sie so spät sind, mit ziemlicher Skepsis gegenübertreten dürfen. Prinzipiell wird man aber neben den Kelten die Thraker als mögliche Schöpfer des Namens gelten lassen müssen, solange nicht noch ein neues Argument die Wagschale etwa doch zu den Kelten hinneigen läßt. Und ein solches glaube ich gefunden zu haben.

6. Wir fragten oben, ob sich keine Anhaltspunkte dafür finden ließen, daß eine andere indogermanische Sprache neben den beiden arischen Dialekten das Wort dānu- „Fluß“ besessen habe. Diese Frage ist für das Keltische zu bejahen.

In England - also auf ehemals keltischem Boden -- begegnen uns zwei Flüsse des Namens Don: der eine im westlichen Yorkshire, an dem auch die alte Stadt Doncaster, d. h. ,,DonStadt“, liegt; der andere kleinere, ein Nebenfluß des Tyne bei Jarrow in Northumberland. Dieser englische Flußname läßt sich

1) Vgl. KAUFFMANN Deutsche Altertumskunde I 219; Dottin Manuel

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mit englisch-germanischen oder -französischen Sprachmitteln nicht deuten. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß die Mehrzahl der englischen Flußnamen keltisch ist?), und so darf a priori auch

1) Vgl. die Übersicht bei Johnston The Place-Names of England and Wales S. 10–13 und besser bei E. EKWALL English Place-Name Society I (1924) 1, 23—25. Lautlich ist aber auch bei Ekwall nicht alles in Ordnung. Die Flußnamen Axe, Exe, Usk und wohl auch Wiske können nicht auf Brit. Iska“ zurückgehen, sondern verlangen ein abrit. *ēska

Wasser; schott. Esk dagegen hat als Grundform ein air. (nicht brit.] esc Wasser" (s. M. FÖRSTER Ablaut in Flußnamen, in der Streitberg-Festgabe 1924, S. 71-85).

Ne. Ouse kann nicht aus einem „Ir. og water" abgeleitet werden. Ein. mal würde sich dies schwer mit der ae. Form Wūse vereinigen lassen. Und zudem ist ein ir. os ,Wasser“ (von STOKES S. 269) nur aus dem Kompositum 08-bretha erschlossen, das aber sicherlich nicht ,Wasserurteilssprüche“ heißt, sondern „Jagdurteilssprüche" (zu os ,Hirsch“ gehörig; s. ATKINSON Laws of Ireland VI 601; ZfvglSpr. 51, 69). Ich glaube überhaupt, daß sich kaum von dem idg. Stamme *red- eine britische Form wird ableiten lassen, die dem ae. Iūse entspräche. Dagegen wäre das möglich von dem anderen idg. Stamme *neis- ,Wasser": ein idg. urkelt. *xois-ā ergäbe, wie idg. *oinos im kymr. zu un wird, im Altbritischen des 3. Jahrhunderts *wūs-ā, mit noch erbaltenem zwischenvokalischen s, wie in abrit. Isarninus und abrit. Tamēsā (ne. Thames, M. FÖRSTER Engl. Stud. 56, 227 A. 1) gegenüber später übernommenen ne. Trent (ae. Treanta aus abrit. Toloávrov ca. 340) und ne. Wye und W'ey (aus abrit. *ll'ēsā und *llaisā Streitberg-Festgabe S. 61 ff.). Und ein abrit. *Wūsā wäre ebeuso als ae. Wūse mit Übertritt in die n-Flexion übernommen, wie abrit. *ēskā als ae. Exe (Streitberg-Festgabe S. 78). Wir hätten dann die idg. Wurzel *ueis- sogar in dreifacher Ablautsstufe zur Flußnamenbildung im Britischen verwendet: ne. H'ye aus idg. *reis-(abrit. * \l'ēsā, jünger *Wuļā), ne. Wey aus idg. *yois-a (abrit. * Wais-a, jünger * Wojā) und ne. Ouse aus idg. *nois-a (abrit. * \lūsā, jünger *lläā). Ähnlich wie für die Ouse, müßte auch wohl für den Flußvamen ne. Stour aus ae. Stūr ein abrit. *Stūrā konstruiert werden, das einen Anbalt fände an dem norddeutschen Flusse Stuhr (Zufluß der Weser; mbd. Stūre) und den zablreichen vorditalienischen Flüssen namens Stura aus agall. Stūra (zu idg. *steu-oder *stou-; vgl. ai. -stāvas , triefend“, stākas , Tropfen“, D'ARBOIS DE JUBAINVILLE Premiers habitants 11° 145; UHLENBECK Etym. Wörtb. d. ai. Sprache S. 344 f.; anders Brugmann Vergl. Gram. I 2 873). Jedenfalls aber müßte man das von Johnston herbeigezogene nbret. stêr „Fluß" (nfrz. Ster, Steir) beiseite lassen, weil dessen ē, wie das mbret. stacr lehrt, aus älterem diphthoogischen ae monophthongiert ist und daher eine Grundform urkelt. *stag-(vgl. lat. stagnum ,Sumpf", STOKES S. 312) verlangt, zu der wohl auch agall. Stagrae = ofrz. Estaires gehört. Fernzubalten ist gleichfalls der norddeutsche Flubname Stör (in Holstein und Schwerin) aus abd. Stúria, das mit Kurzvokal wegen des heutigen niederdeutschen ö anzusetzen ist. Jedoch sind diest Fliisse

hier mit einer keltischen Etymologie gerechnet werden. Dementsprechend hat man mehrfach den Namen Don für keltisch erklärt 1). Aber eine nähere Begründung dafür hat allein GOODALL versucht, und diese ist aus gleich zu erörternden Gründen unhaltbar (s. S. 19 A. 1).

Bevor wir an die etymologische Deutung herantreten, werden wir noch fragen müssen, ob die älteren Belege für die beiden englischen Flüsse nicht Anhaltspunkte dazu gewähren. Das ist nun allerdings bei dem kleinen Don-Fiusse bei Jarrow kaum der Fall: weder die latinisierte Form Dön-us (ca. 1110) in SIMEON von DURHAM's Klostergeschichte ) noch das etwas ältere ae. vet Dònë-mūpa bzw. Dônë-müße, d. h. „an der Mündung des Don“ in den Annalen von Worcester und Peterborough ) oder das hierans wohl geschöpfte afrz. buche de Don (ca. 1150) in GAIMAR'S Reimchronik 4) sagen etwas darüber aus. Anders steht es aber mit dem Don in Yorkshire, wo uns die Anlage eines römischen Lagers viele und alte Belege zwar nicht eigentlich für den Fluß selbst, aber für die daran errichtete und seinen Namen tragende Station

zu klein, um mit FÖESTEMANN 11 918 von mud. stūr sū!] „groß" abgeleitet zu werden. Der Name wird vielmehr zu urgerm. *sturjan (ae. styrian) , bewegen" gehören (s0 MÜLLENHOFF II 213) oder zu dem Fischnamen nbd. Stör aus abd. stūrio, da diese Fischart zum Leichen in die Flußmünduogcu einziebt. (Für andere nach Tieren benannte Flüsse s. Dottin Langue Gauloise S. 89).

1) HENRY BRADLEY bat in seinem trefflichen Aufsatze über , English Place-Names“ (in Essays and Studies by Members of the English Association, Oxford 1910 I 23) im Zusammenhang mit solchen Namen wie Doncaster, Exeter, Derwent und Kennet darauf hingewiesen, daß die Römer zur Bezeichmucg ihrer Standlager oft ,the British name of the adjacent river" gebraucht haben. A. GOODALL Place-Names of South-West Yorkshire (Cambridge 1914) S. 122 sagt von Yorkshirer Don : The river-name is undoubtedly Celtic, but its origin is not certain. Ähnlich weunt A. Mawer The PlaceNames of Northumberland and Durham (Cambridge 1920) S. 65 den Don bei Jarrow ,a Celtic river-name".

2) Symeonis Hist. eccl. Dunelmeusis (ed. AnxoLD 1882) I 51: monasterium ad ostium Doni amnis.

3) Two of the Saxon Chronicles, ed. PLUMMER (Oxford 1892) S. 57.

4) GAIMAR L'estorie des Engles, ed. Hardy und Martin (1888) V. 2187: Amunt Humbre alerend siglant i Desci ken Use, puis en vont | En la buche de Don. Zeitschrift f. slar. Philologie. Bd. I.

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und spätere Stadt erhalten hat, die uns F. W. MOORMAN The Place-Names of the West Riding of Yorkshire (Leeds 1910) S. 60, A. GOODALL Place-Names of South-West Yorkshire (Cambridge 1914) S. 122 und J. B. JOHNSTON The Place-Names of England and Wales (London 1915) S. 234 bequem zusammengestellt haben. Da erscheint die heutige Form Doncaster – mit sicher kurzem Vokal vor Doppelkonsonanz, wie auch die heutige Aussprache do 13 kəstə lehrt – schon um 1290. Daneben ein älteres, mittelenglisches Dānë-castre (ca. 1125, 1202 u. ö.) und latinisiertes Donacastra 1) (c. 1170) sowie ein altenglisches Dõnë-cestre (1002). Und endlich die beiden ältesten Belege: das latinisierte Dānum 2) des Antoninischen Itinerars, das bis in die Mitte des 4. Jahrhunderts hinabreicht, und die altkymrische Form Cair Daun, d. i. ,Feste am Don“, in der altbritischen Städteliste des Nennius (hist. Brittonum $ 66a Nr. 16 ed. MOMMSEN S. 211), die um 840 entstanden sein wird. Auf denselben Fluß wird sich auch ein nicht mehr genau identifizierbarer, aber in der Nähe von Leeds und Hatfied liegender Ort bei Beda, Campo-dõnum 3) (hist. eccl. II 14). beziehen, der in der altenglischen Beda-Version des 9. Jahrhunderts mit ae. Dõna-feld wiedergegeben ist. Der erste Bestandteil in Dona-feld und Döna-castra sieht aus wie der Genetiv eines alten u-Stammes, so daß der Flußname im Altenglischen * Dön, Genetiv Dūna gelautet haben dürfte. Und hieraus wird sich das ä in der Kompositionsfuge bei den älteren mittelenglischen Belegen erklären.

Von allen diesen Formen ist der leider bei MOORMAN und GOODALL fehlende altkymrische Beleg der wichtigste und inter

1) Diesen bei Moorman, Goodall und Jouston fehlenden Beleg entnehme ich Ellis' Index to the Charters and Rolls in the British Museum (1912) II 198. Natürlich lieben sich auch sonst die me. Belege noch reichlich vermehren.

2) Hier ist also der britische Flußname ohne jeden Zusatz zur Bezeichnung des römischen Standlagers gebraucht wie bei Cunētio und Derwentio (BRADLEY S. 23).

3) Die Stelle als in campo Dono zu fassen, wobei Dono ein nach altenglischer Weise gebildeter Genetiv sein sollte, wie Miller Place Names in the English Bede (Straßb. 1896) S. 46 vorschlägt, scheint mir u ge. zwungen.

essanteste. Denn er gibt uns den Schlüssel dafür, wie die übrigen mittelalterlichen Formen zu beurteilen sind. Ein altkymrisches Daun mit dem Diphthong au (=nkymr. aw) gegenüber älterem a in Danum und o in Done-cestre läßt sich nur erklären, wenn der Stamm vokal in all diesen Formen ursprünglich lang gewesen ist, es also (lat.) Dānum und (ae.) Dön- hieß 1). Weiter ist zu beachten, daß wir uns sowohl in Yorkshire wie in Northumberland auf altbritischem Boden befinden) — die britischen Königreiche Deira und Bernicia lagen hier - und daß somit hier nicht die Lautregeln des goidelischen (irischen) Zweiges des Keltischen gelten, sondern die des alten Schwesterdialektes, des Britischen. Während im Goidelischen ein indogermanisches und noch urkeltisches à bis heute erhalten blieb, ist der gleiche Vokal im Britischen, etwa im 5. Jahrhundert nach Christus, zu abrit. 7 verdumpft worden, welches weiterhin speziell im Kymrischen, etwa im 8. Jahrhundert, zu akymr. au diphthongiert ist und diese Aussprache bis zum heutigen Tage bewahrt hat.

Wir sehen jetzt, wie sich die alten Formen zueinander verhalten: das latinisierte Dānum von ca. 350 repräsentiert die urkeltische und bis rund 400 noch im Altbritischen geltende Vokalisation; das akymr. Daun des 9. Jahrhunderts verlangt als Grundlage ein älteres abrit. * Dón; und die altenglische Form Dön- ist im 5.-6. Jahrhundert aus diesem abrit. *Don übernommen. Mithin muß der Flußname im Urkeltischen * Dānu gelautet haben, wenn

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1) Aus diesem Grunde ist es unmöglich, den Namen Don, wie Goodall es vorschlägt, mit dem kontinentalen Flußuamen Rõdūnus und einem angeblich darin zu findenden gall. *děno-s „Schläger“ (nach Stokes Urkelt. Sprachsch. S. 141) zu verbioden. Wenn Goodall zugleich an ein irisches dana bold, strong erionert, so wissen wir schon, daß dies Wort langes a bat. Nichts mit unserem Namen zu tun haben auch die andern Flüsse, die Goodall herbeizieht: weder der englische Dane (der aus Daren zusammengezogen ist, wie ne. dēlntri aus Daventry) noch die schottischen Dean Burn und Dean ll'ater (die eivfach ae. denu „Tal“ enthalten).

2) A. MAwEr hat in seinem Aufsatze ‘Yorkshire History in the Light of its Place-Names' (im Annual Report of the Yorkshire Philosophical Society, 1923, S. 39—58) Dachdrücklich darauf hingewiesen, daß wir gerade für das Dreieck Doncaster-BARNSLEY-WETHEREY ‘an unusually strong survival of the origiual British population annebmen müssen,

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