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Die ältesten Veränderungen des idg. Bestandes sieht BELIĆ in der Wirkung der Gesetze von FORTUNATOV - DE SAUSSUREMEILLET, die teils in die baltisch-slavische, teils in die urslavische Zeit fallen.

Die späteren Intonationsveränderungen auf slavischem Boden inacht er abhängig von folgendem Gesetz:

1. „Jasno je da se akcenat menja u zavisnosti od proniene sklopa, sastava reči. Promena sastava reči može biti različna : može se dobiti kraća skraćena forma prema dužoj ili obrnuto, pa ipak se na isti način menja akcenat.

a) Stari cirkumfleks prelazi u takvim slučajevima u praslovenskom u novi akut ( prelazi u ').

b) Stari akut prelazi u tim slučajevima i novi cirkumtleks ľ prelazi u “).

c) Stari kratki akcenat menja svoje mesto i daje :

a) ako je u osnovne reči bio na kraju, u izmenjene prelazi na pretposlednji slog (*dobrò : *dòbroże);

B) ako je u osnovne reči bio na drugom ili trećem od kraja, prelazi u izmenjene za jedan slog bliže kraju (*bòso : bosòje; *veselo : *vesèloże);

Y) ako su dugi slogovi na koje se kratki akcenat prenosi (i pod « i B), onda se na njima dobija * (*bělò : *běloje; *ökroglo: *okrogloje).

2. Obim u kojem se ovaj zakon vrši, posle svega ovog, nije teško odrediti.

a) Izmene dugih vokala ograničavaju se drugim slogom od kraja

b) Izmene kratkih vokala ograničavaju se trećim slogom od kraja.“

(Akc. st. 163–164).
Zu diesem Gesetz läßt sich folgendes bemerken:

Erstens gibt es eine sehr unklare Vorstellung von den „promene sklopa, sastava reči“ als Ursache eines Akzentwechsels

1) Bei BELIĆ steht * òpastono : *opåstonoje für òkroglo : *okrogloje Hier ist das eine Beispiel durch ein anderes ersetzt, weil im folgenden auf einige Einzelheiten der Lehre von BELIĆ, die an den Grundgedanken nichts andern, nicht eingegangen werden kann.

(Metatonie). Der Begriff „promene sklopa, sastava reči“ kann dann schließlich auf ein jedes Paar etymologisch verwandter Formen mit ganz geringen lautlichen Unterschieden angewandt werden.

Zweitens ist die Chronologie des Gesetzes unklar. Es bleibt ungeklärt, wie seine Wirkung sich chronologisch zu der des Gesetzes von ŠACHMATOV über die Zurückziehung des" und verhält.

Außerdem wird man es wohl kau:n als objektiv richtig ansprechen können, wenn man berücksichtigt, auf welch unsicheren Tatsachen es aufgebaut ist.

Noch eine Bemerkung zu einer Einzelheit der Akzentlehre von BELIĆ. Trotzdem sie sich auf keinen Grundgedanken bezieht, kann ich sie doch nicht umgehen. BELIĆ nimmt zwischen kaschubischer und urslav. Akzentstelle weitgehendste Übereinstimmung an.

Die einzige von BELIĆ gut bearbeitete Gruppe der kaschubischen Erscheinungen sind indes die Adjektiva mit einsilbigem Stamm, die kein Suffix enthalten, das als ein solches noch empfunden wird. BELIĆ entwirft von ihnen folgendes Bild:

Urslav. Fälle vom Typus svēto : svetòje || svetoje:

Im Kaschub. machen sich mit Ausnahme des Typus slovin z. sköu (infolge der langen Wurzelsilbe muß der Akzent lautlich darauf ruhen) zwei Arten geltend :

a) Fälle wie slovin z. svjatë
b) Fälle wie slovin z. lieve.

Urslav. Fälle vom Typus novo : novoje:
Das Kaschub. hat zwei Arten:

a) Fälle wie slovin z. nove
b) Fälle wie slovin z. bàosi'.

Urslav. Fälle des Typus bělò : běloje: Hierzu slovin z. bjå uli (die Länge der Wurzelsilbe verlangt lautlich den Akzent).

Urslav. Fälle wie dobro : dòbroje und golò : yòloj..
Dazu: slovin z. diobre und gigli'.

Urslav. Fälle wie staro : stūroje: Hierzu gibt es im Kaschubischen mit Ausnahme von Fällen wie slovin z. stå'urė (die lange Wurzelsilbe verlangt lantlich den Akzent) zwei Arten:

a) Fälle wie slovin z. slabě

b) Fälle wie slovinz. såte. Häufiger ist Typus a.

Wie ersichtlich, geht der kaschubische Akzent, wenn die Wurzelsilbe kurz ist, – und nur in einem solchen Falle läßt sich eine Übereinstimmung zwischen dem kaschubischen und urslavischen Akzent erwarten nicht Hand in Hand mit dem urslavischen. Übereinzustimmen scheinen nur ursl. dòbroje und gòloje mit kaschub. duobré und gàglė. Jedoch auf Grund der gleichen Akzentstelle bei zwei Adjektiven lassen sich m. E. keine Schlüsse auf das Akzentsystem im allgemeinen ziehen.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei nochmals hervorgehoben, daß es sich hier um den kaschub. Akzent und nicht um die kaschub. Silben quantität handelt.

Die Akzentlehre von BELIĆ erweckt somit zwiespältige Gefühle.

Einerseits zeugt sie von außerordentlicher gelehrter Kombinationsgabe. Die Evidenz der Aufstellungen ist mitunter bestechend, die Beweiskraft der Beispiele mitunter unleugbar,

Andrerseits handelt es sich hier doch wohl um einen jener Trugschlüsse, die in der Geschichte der Wissenschaften nicht zu vermeiden sind.

Der durch die Akzentlehre von BELIĆ hervorgerufene Eindruck ist ähnlich demjenigen, der Akzentlehre von ŠACHMATOV, wie sie in seinem Očerk drev. perioda istorii russ... jaz. dargestellt worden ist. Ich habe die letztere in Izv. d. russk. jaz. i slov. XXV behandelt. Petersburg

D. BUBRICH

Die Redaktion dieser Zeitschrift bält eine weitere Aussprache über die im obigen Aufsatze beavstandeten Punkte der Metatonielebre für dringend notwendig und kanu vorläufig mitteilen, daß Prof. A. Brlić eine Stellungnahme dazu fiir eines der nächsten Hefte der Zeitschr. in Aussicht gestellt hat. M. V.

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Der Name der Erzgebirgsstadt Graslitz ist ein schönes Beispiel für die Art deutsch-čech. Beeinflussung in den Ortsnamen Böhmens. Die ältesten Belege lauten, im 13. Jahrhundert beginnend, Gresslin, Gressel, 1412 Gresslas (Chroniken der Stadt Eger, Nr. 20), noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts steht Gresslas in derselben Urkunde neben Greslitz, dann tritt nur die heutige Form auf. Es liegt eine der im Egerlande häufigen deutschen Verkleinerungsbildungen vor (vgl. Harles bei Eger, 1395 Hart daz klein), hier zu mhd. yraz ,Nadelholzgebüsch', vgl. die bayr. Flurnamen das Grass, Grassach, Grössling. Infolge der konsequenten Schreibung mit ss (= mhd. 2) muß diese Ableitung der von mhd. gras vorgezogen werden. Das genetivische -s ist in Westböhmen analogisch angetreten durch Beeinflussung von ON, wie Volkers, Berkes in Südthüringen (vgl. Verfasser Prager Deutsche Studien 30, 83). Während die heutige Form dieser ON. sonst in der Mundart auf -los auslautet (vgl. Höflas, Grünlas), erfolgte teils unter dem Einfluß von ON. wie Seiferitz < Sifrids, Dankritz (bei Zwickau in Sachsen) < Dankrāts, teils aber auch unter der Einwirkung der vielen benachbarten slav. ON. auf -ice (Zettlitz, Dallwitz u. a.) Anschluß an dieses Suffix, was sich auch in der Schrift durchsetzte. Ein ähnlicher Vorgang liegt in Pürglitz im Innern Böhmens vor (čech. Křivoklát), 1389 zum Burgleins , kleine Burg..

Die Ersetzung der deutschen Verkleinerungsform durch -ice lag bei dem auch verkleinernden Sinne dieses Suffixes im Čech. nahe. K steht im čech. Kraslice für deutsches g, weil die Übernahme erst nach dem Wandel des Čech. g h (1. Hälfte des 13. Jahrh.) erfolgen konnte. Ist die Čech. Form alt, so ersetzt sie mhd. z regelrecht durch s, während bei Annahme von Ableitung von mhd. gras bis zum 14. Jahrh. sonst Ersatz durch Čech. Ž zu erwarten wäre. Prag

ERNST SCHWARZ

Besprechungen

Die russische (ostslavische) volkskundliche Forschung in den

Jahren 1914–1924 1).

I. Ethnographische Karten. Die Russische Geographische Gesellschaft in Petersburg bat stets die volkskundliche Erforschung des Ostslaventums und dessen Nachbarn in hervorragender Weise gefördert. – Schon 1910 konstituierte sich bei dieser Gesellschaft eine „Ständige Kommission für die Zusammenstellung von ethnographischen Karten Rußlands“. Am 15. Okt. 1910 fand ihre erste Sitzung unter dem Vorsitz von S. OLDENBURG statt, und man einigte sich dahin, daß eine allgemeine ethnographische Karte Rußlands erst nach vorhergehender Zusammenstellung von Spezialkarten für Sprache, Kleidung, Wohnung und Lebensweise der einzelnen Volksstämme Rußlands möglich sei.

Entsprechend diesen Spezialaufgaben gliederte sich die Kommission in 8 Sektionen für 1. Sprache, 2. Lebensweise und Speise, 3. Kleidung und Schmuck, 4. Wohnung und Bauarten, 5. Volkskunst, 6. Religion, 7. Gewobnheitsrecht, 8. Anthropologische Merkmale.

Auf rein geo• graphischer Grundlage entstanden 2 Abteilungen, die eine für das europäische Rußland und den Kaukasus, die andere für Sibirien und Turkestan. Alle ethnographischen Karten der Kommission sollen die Gegenwart berücksichtigen und nur in Einzelfällen werden sie durch Spezialkarten ergänzt, die das historische Material enthalten.

Der Beschluß an erster Stelle den Bestand der materiellen Kultur (Lebensweise, Kleidung, Wohnung) kartograpbisch darzustellen, bedeutet eine Änderung der von der Geograpbischen Gesellschaft betriebenen Forschungsrichtung; während sich die russische Volkskunde bisher bauptsächlich mit der Folkloristik, im engern Sinne mit der Volkspoesie, beschäftigte, tritt nunmehr die äußere Lebensweise der Völker Rußlands in den Vordergrund.

Einen Bericht über die Tätigkeit der Kommission in den ersten fünf Jahren (1910–1915) gibt D. ZOLOTAREV, 0630p) AbatejbHOCTH

1) Infolge der mangelbaften Verbindung seines Wobportes Charkov mit anderen russischen Städten, damentlich den provinziellen, kann der Verfasser f'iir eine bibliographische Vollständigkeit dieses Berichtes nicht bürgen. 1.2.

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