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beiden Flußnamen Chatissa, Pelissa reihen sich mit dem suff. -issa an die antiken Flußnamen Natissa, jetzt Natisone (Küstenland), Pathissus (auch Patissus, Tisia, Tissa), jetzt die Theiß in Ungarn, wohl auch Pustrussa s. Kos, Gradivo za zgodovino Slovencev II (1906) S. 346 Nr. 450, bei Mikl. app. II Nr. 512 ohne Jahrz. Pustrissa.

c) S. 89 Nr. 86: Lafnitz-Bach. Weil alles, was auf -nitz endigt, slavisch sein muß, so muß auch für diesen Namen ein slavisches Etymon gefunden werden. STUR findet bei MIKL. app. II. Nr. 291 seinen eigenen Ortsnamen labenza, jetzt Lafnitzbach, Steier"; dazu „laμñivítţa Ep.“ Verwunderlich ist aber, wieso STUR es unternimmt, gegen MIKL., der „labb“ ausdrücklich als dunkles Wort bezeichnet und auf Albis = Elbe hinweist, asl. lovo „Jagd" vorzuschlagen. In der Tat ist die Lafnitz (so richtig) in Oststeiermark nicht zu trennen von der Lavant, die in Obersteier entspringt, südwärts durch Kärnten fließt und dort in die Drau mündet. Die nsl. Form dafür, Labod, mit dem d volksetymol. an labád m. „Schwan" angeglichen (vgl. die Pseudogelehrten-Etymol. Labodovac" Schwanberg, Weststeiermark) weist ebenfalls auf -antzurück. Zieht man die Liquidametathese in Rechnung (vgl. Albis = Elbe, čech. Labe; Albona: skr. Labin), so ergibt sich *Albanto- als Grundform, worüber HOLDER Alt-Celtisch. Sprachschatz I 79. - * Albliegt auch in Lafnitz vor.

Um mein Urteil über STUR's Arbeit zusammenzufassen, muß ich sagen, daß er sich unvorbereitet an eine Untersuchung gewagt hat, deren Schwierigkeit und Bedeutung er vollkommen unterschätzt hat. Ich muß aber gestehen, daß seine Arbeit mir manchen Nutzen gebracht hat; negativ als ernstes Warnungssignal, positiv durch manchen dankbar benutzten Hinweis, der mich als Nichthistoriker beim ersten Suchen rascher zu den in Frage kommenden Quellen führte.

Leipzig

SIMON PIRCHEGGER

=

N. DURNovo Діалектологическія разысканія въ области великорусскихъ говоровъ. Teil I Южноволикорусское нарѣчіе. Moskau 1917-1918. Herausgegeben mit Unterstützung der Abteilung für russische Sprache und Literatur der Russischen Akademie der Wissenschaften. Lief. 1 Bogen 1-14 Moskau 1917, Lief. 2 (Gouv. Kaluga, Druckerei der Iамордшнская женская пустынь) 1918. 4 unnum. + 224 + 87 Seiten (Труды Московской Діалектологической Комиссін Lief. 6-7).

Wie aus dem Datu:n hervorgeht, ist diese Untersuchung keine Neuerscheinung in der wissenschaftlichen Literatur. Jedoch enthält sie einen Beitrag zur Lösung einer grundlegenden, gleichzeitig aber auch

einer der schwersten Fragen der russischen Dialektforschung, nämlich der Frage von dem südgroßrussischen Akanije. N. DURNOVO ist bekannt als ein hervorragender russischer Mundartenforscher; in ihm besitzt die russische Wissenschaft zugleich einen tüchtigen Historiker der russischen Sprache, der aus der linguistischen Schule von F. FORTUNATOV hervorgegangen ist. Es ist begreiflich, daß man bei einer solchen Vielseitigkeit DURNOVO's von vornherein mit viel Interesse an ein Buch von ihm über das genannte Thema herantritt. Ohne Zweifel entspricht gerade dieses Gebiet am besten den Fähigkeiten und dem Interessenkreise DURNOVO's, der seit der Begründung der Moskauer Dialektologischen Kommission im Jahre 1903 ihr rührigstes Mitglied ist und sich durch eine Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen hervorgetan hat. Eine eingehendere Lektüre der Abhandlung rechtfertigt auch durchaus die an sie geknüpften Erwartungen.

Leider steht das Buch stark unter dem Zeichen der durchlebten Zeit, die sich weniger in rein äußeren Zügen zeigt, als gerade in gewissen Mängeln inhaltlicher Art. Unter dem Drucke der äußeren Ver hältnisse war der Verfasser gezwungen, die Grenzen, die er sich zuerst gesteckt hatte, späterhin einzuengen. So mußte er, augenscheinlich veranlaßt durch Schwierigkeiten bei der Drucklegung, eine jede inzwischen neugefundene Erklärung dieser oder jener Frage neben seine frühere stellen, anstatt die alte durch die neue zu ersetzen. So wird der Leser an mehreren Stellen des Buches, wenn er dem Verfasser in einem bestimmten Gedankengange folgt, durch den Verzicht des Verfassers auf die kurz vorher gebotene Beweisführung überrascht und gezwungen, ihm in anderer Richtung zu folgen. In Lief. 1, 15-24 vertritt zum Beispiel DURNOVO die im Wesentlichen unzutreffende Auffassung von dem dissimilatorischen Akanje als einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen Weißrussisch und Südgroßrussisch und schließt daraus sogar auf eine weißrussische Entstebung des dissimilatorischen Akanje in den Gouvernements Kursk, Orel usw. Auf Seite 24 Anm. weist er dagegen selbst darauf hin, daß das von ihm aufgestellte Kriterium unzutreffend und unhaltbar sei. Ferner, Lief. 2, 48 bestimmt er die allgemeinen Bedingungen für das Aufkommen des Akanje (im Einklang mit ŠACHMATOV's Annahme), von S. 57 an liefert er jedoch eine andere Erklärung dieser Erscheinungen, die sich wesentlich von der zuerst angeführten Hypothese ŠACHMATOV's unterscheidet (vgl. S. 58 Anm.). Oder: der Verfasser stellt in seinem Schema der Arten des Jakanje den Typus von Obojań als den ursprünglichen hin, an den sich derjenige des Zadonsker Kreises (Gouv. Voronež) schließt, aber in der zweiten Lieferung handelt er von den Obojaner und Zadonsker Typen als von zwei verschiedenen, von einander unabhängigen Jakanjearten (vgl. Lief. 2, 38-39 Anm.). Weiterhin führt er den Typus des dissimilatorischen Jakanje von Ščigry ein (Lief. 1, 105–118), ohne jedoch in der weiteren Darstellung auf ihn zurückzukommen, augenscheinlich hat er ihn späterhin (übrigens mit

Zeitschrift f. slav. Philologic. Bd. I.

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vollem Recht) aufgegeben. Natürlich sind solche Mängel der Publikation, so bedauerlich sie an sich sind, ihrem Wesen nach äußerlicher Art und können nicht als negative Züge der Untersuchung selbst gewertet werden. Ursprünglich machte der Verfasser die Erforschung der mittelgroßrussischen Mundarten, d. b. ihre Entstehung, ihre ursprüngliche Grundlage und Eigenart und die Herkunft ihrer späteren Schichten zur Aufgabe seiner Untersuchung. Entsprechend diesen Zielen sollte der erste Teil der Arbeit eine allgemeine Charakteristik der südgroßrussischen Mundarten geben, die sich sowohl in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart über die mittelgroßrussischen schichten, der zweite Teil die Beschreibung der mittelgroßrussischen Mundarten in ihrem Verhältnis zu den benachbarten nordgroßrussischen o-Dialekten (Lief. 1, 13)1). Die zwei erschienenen Lieferungen stellen nur den ersten Teil des geplanten Werkes dar. Er enthält, wie gesagt, eine Untersuchung der südgroßrussischen Mundart hinsichtlich eines ihrer Hauptmerkmale des Akanje. Da aber die Untersuchung des südgroßrussischen Akanje nicht die unmittelbare Aufgabe des Verfassers war, sondern nur als Basis für die Erforschung der mittelgroßrussischen Mundarten dienen sollte, mußte diese Untersuchung natürlich eingeschränkt werden. So beschränkte sich der Verfasser darauf, zur Feststellung der Jakanjearten nur das reine ursprüngliche Südgroßrussische heranzuziehen, ohne auf die Quellen der Übergangsmundarten einzugehen. Zu den ursprünglich-südgroßrussischen Mundarten werden dabei diejenigen gerechnet, die das sogen. Cokanje nicht kennen, ein frikatives y haben und weder typisch-kleinrussische, noch weißrussische Züge enthalten. Möglich ist es allerdings, das einige von den auf Grund eines solchen Kriteriums herangezogene Mundarten doch nicht als ursprünglich südgroßrussisch zu gelten haben. Daher versucht der Verfasser die von ihm aufgestellten Jakanjetypen zu den ähnlichen Typen der unverkennbaren Übergangsmundarten in Beziehung zu bringen. Endlich mußte als Zusammenfassung eine Erörterung über die Entstehung der verschiedenen südgroßrussischen Akanjetypen folgen (Lief. 1, 25). Entsprechend diesen Aufgaben verläuft auch die Darstellung des Verfassers. Es muß jedoch noch auf eine nicht unbedeutende Einschränkung verwiesen werden, auf deren Gründe der Verfasser nicht eingeht. Nämlich auf S. 26 (Lief. 1) kündigt er eine Untersuchung des südgroßrussischen Akanje in folgender Reihenfolge an: 1. in der ersten (unmittelbar) vortonigen Silbe, 2. in der zweiten und dritten vortonigen Silbe, 3. in nachtoniger Stellung. Tatsächlich wird aber nur die erste vortonige Silbe bei Feststellung der Akanje-Typen und überhaupt bei der ganzen Untersuchung berücksichtigt.

1) Mit Bedauern lesen wir au anderer Stelle, daß das vom Verfasser im Laufe von 20 Jahren gesammelte, umfangreiche Material zu den mittelgroßrussischen Mundarten 1919 während seiner Reisen im Wolgagebiet verloren gegangen ist und er infolgedessen nicht in der Lage ist, seine Arbeit fortzusetzen (ИзB. отд. русск. яз. XXIV (1919) Heft 2, 366).

Somit enthält die erste Lieferung des Werkes eine Einführung (1—13), die den Begriff der Übergangsmundarten erklärt. Hierbei weicht der Verfasser von der bekannten Theorie JоH. SCHMIDT'S ab und stellt eine eigene Theorie auf, die die große Bedeutung der Kulturzentren für die Entstehung von Dialektunterschieden hervorhebt. Weiterhin definiert der Verfasser den Begriff der südgroßrussischen Mundart und sucht Kriterien, um ihren Umfang zu bestimmen (14-24) und sie von den Übergangsmundarten auf nordgroßrussischer, weiß- und kleinrussischer Grundlage abzugrenzen. Unter anderem wird hier, wie oben- erwähnt, das dissimilatorische Akanje als ein rein weißrussisches Merkmal behandelt, als das wichtigste Kennzeichen zur Feststellung der Grenze zwischen den südgroßrussischen und weißrussischen Mundarten. Am Ende des Kapitels gibt er diese Auffassung auf (S. 24 Anm.). DURNOVO trennt den Begriff des Akanje (das Aufkommen eines a oder eines reduzierten Lautes anstelle ursprünglicher a, o, nach harten Konsonanten oder im absoluten Anlaut) von dem des Jakanje (a, i oder andere reduzierte Laute für ursprüngliches a, e, è, & nach weichen Konsonanten). Im weiteren werden. hauptsächlich die Erscheinungen des Jakanje behandelt. Es werden seine Typen festgestellt (34-37) und der übrige Teil der Lieferung (38-224) enthält eine reichhaltige Belegsammlung für diese Typen. Im dissimilatorischen Jakanje (38-118) unterscheidet er 5 Typen: 1. den Don-Typus (38-40), 2. Typus von Obojań (40—73), 3. Sudža (78—98), 4) Žizdra (98–105), 5. Ščigry (105–118), ferner das gemäßigte Jakanje (118-141), das starke Jakanje (141-175), das Ikanje (175—182), das gemäßigt-dissimilatorische Jakanje (182-201), das dissimilatorischgemäßigte (201-207), das assimilatorisch-dissimilatorische (207-221)1), endlich einige Beispiele des Jakanje von unbestimmtem

1) a) Der Dontypus, seine Eigentümlichkeiten: die Aussprache a kommt nur vor betontem i, u, y vor; vor allen übrigen Vokalen (d. h. vor mittleren Vokalen und vor a) erscheint dagegen i z. B. вялИ, BяCHLÍ, BACHнý aber вилѣть, виснóй, виснá, нисёшь, свитёлъ ивw. - b) Typus von Obojań, Gouv. Kursk, Eigentümlichkeiten: a vor betontem i, u, y, o (aus altem akutierten o), e, vor den übrigen Vokalen (d. h. o aus %, o aus altem zirkumflektierten o, e, 6) wird als i oder (beim Typus von Zadonsk, Gouv. Voronež) als e artikuliert, z. В. сялó, сялѣ, сялó usw., aber силóм, слипой, нисёш, дивëк usw. c) Typus von Sudža, Gouv. Kursk, Eigentümlichkeiten: vor betontem i, u, y, o (sowohl aus altem o als auch aus ) wird als a artikuliert, vor den übrigen Vokalen als i z. B. сялÓ, сялÓмь, сляпÓй usw., aber силѣ, динëкъ, нисець. - d) Тypus von Žizdra, Gouv. Kaluga, Eigendie Aussprache a vor betonten engen und mittleren Vokalen, und nur vor betontem a die Aussprache i z. B. пичаль, висна, зимля usw., aber вясны, вясну, вясной, вяснѣ usw. e) Typus von Ščigry, Gouv. Kursk, Eigentümlichkeiten: a vor betontem i, u, y, vor o ganz gleich welcher Entstehung und vor ; vor den übrigen Vokalen (d. h. a, e aus altem e, 6) i. f) Das gemäßigte Jakanje: die Aussprache a erscheint vor harten Konsonanten, i vor weichen, unabhängig von der Art des

tümlichkeiten:

Charakter (221-224). Die erste Lieferung bricht mitten im Satze ab und, obgleich der betr. Satz in der zweiten Lieferung auch nicht beendet wird, setzt diese inhaltlich unmittelbar die erste fort. Allerdings wird die Darstellung infolge der Zeitverhältnisse in stark gekürzter Form fortgeführt (Lief. II 7). Hier behandelt der Verfasser das gegenseitige Verhältnis zwischen dem südgroßrussischen Jakanje, dem weißrussischen und dem der Übergangsmundarten (mit weißrussischer und nordgroßrussischer Grundlage), und stellt zum Schluß als allgemeine Zusammenfassung der Untersuchung die Frage nach der Entstehung der einzelnen Typen des südgroßrussischen Jakanje im Zusammenhang mit dem allgemeinen Problem der Entstehung des Akanje. Bei der ersten Frage (12-39) werden die Grundtypen des weißrussischen Jakanje der dissimilatorische Typus von Zizdra und der starke, dessen Grenzen sich scharf abheben, aufgestellt. Von diesen 2 Jakanjearten ist die von Zizdra anscheinend weißrussischer Herkunft (36); das starke Jakanje aber ist ebenso selbstständig im Weißrussischen, wie es auch unabhängig davon im Südgroßrussischen entstanden ist. Im ersten Fall trat es für die kleinrussische o-Aussprache ein, im zweiten ist es hauptsächlich bedingt durch das Streben zur Vermeidung der reduzierten Laute und ist zum Teil analogischer Herkunft. Was den Jakanjetypus von Sudža im Weißrussischen anbelangt, der nur eine verhältnismäßig geringe Verbreitung hat, so ist er wohl aus dem Südgroßrussischen (38) eingedrungen. Die übrigen auf weißrussischem Gebiet ganz selten vorkommenden Jakanjearten (der Typus von Zadonsk, Obojań, Dongebiet) sind nicht weißrussischer Herkunft (39). Im Mittelgroßrussischen sind das starke, das gemäßigte Jakanje und das Ikanje am stärksten verbreitet (66-73). Allem Anschein nach ist das starke Jakanje auf südgroßrussischen Boden entstanden und von dort aus auf

betonten Vokals, z. В. вясна, вясны, вясной, aber виснѣ, вилять, нисёшь. g) Das starke Jakanje: vortoniges a unabhängig vom Charakter des folgenden Konsonanten und des betonten Vokals, z. B. вясHÁ, BяCHÉ, вялю, вялить, вялять usw. Ikanje in vortoņiger Silbe i oder et unab hängig von anderen Bedingungen, z. В. висна, виснѣ, вилю, вилить, вилять usw. h) Das gemäßigt-dissimilatorische Jakanje: vor harten Konsonanten hat die vortonige Silbe stets a (wie bei dem gemäßigten Jakanje), vor weichen macht sich das dissimilatorische Prinzip geltend. d. h. a vor betontem engen Vokal u, y, aber i vor betonten a; vor den übrigen Vokalen ist eine verschiedene Aussprache möglich, z. B. вяCHά, BACHLÍ usw., вялю, вяли, usw., aber вилять, видеть und вядеть. i) Das dissimilatorisch-gemäßigte Jakanje: vor harten Kousonanten herrscht das dissimilatorische Prinzip, d. h. a vor betonten engen Vokalen, i vor betontem a, dagegen vor weichen Konsonauten ständiges i (wie bei dem gemäßigten Jakanje), z. B. виснá и. ä., вясну, вясны и. Й., виснѣ, вили, вилять й. ä. -k) Das assimilatorisch-dissimilatorische Jakanje: vor barten Konsonanten a, vor weichen a, wenn unter dem Ton Vokale der oberen und niedrigen Lage (d. h. i, y, a) waren, und i bei anderen betouten Vokalen (d. h. e, 6, é), z. В. вяли, вялю, вялять, aber вилѣлъ, нисёшь, дин къ; вясна, вясны, вясной usw.

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