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die mittelgroßrussischen Mundarten übertragen worden (76), dagegen
sind das gemäßigte Jakanje und das Ikanje, die übrigens im Südgroß-
russischen wenig vertreten sind, wohl auf mittelgroßrussischem Boden
aufgekommen und darauf ins Südgroßrussische eingedrungen (77–78).
am interessantesten ist die Frage nach der Entstehung der cinzelnen
Sakanjetypen, da sie mit dem Entstehungsproblem des Akanje über-
haupt eng zusammenhängt. Die These des Verfassers, daß das Akanje
schon in die Zeit vor der Entstehung der groß- und weißrussischen
Sprache zurückreicht, läßt sich nicht anfechten. Den Akanjeerschei.
nungen ging eine Kürzung des a-Lautes voraus, der zufolge in der
Sprache folgende Reihen von betonten Vokalen einander gegenüber-
standen: lang waren alle engen Vokale (d. b. i, u, y) und die Diph-
thonge aus altem akutierten o und ě, alle übrigen Vokale (d. h. e, o
mit alter fallender Intonation, o aus õ, e aus b, a) waren kurz. Un-
gefābr zur gleichen Zeit vollzog sich eine Veränderung aller vortonigen
Vokale; die kurzen unter ihnen es waren die Vokale der mittleren
und niedrigen Lage (mid und low) wurden reduziert, die langen –
d. h. pur die engen (hohen) Vokale (high) wurden gekürzt. Mit diesem
Augenblick beginnt der dissimilatorische Prozeß in der Entwicklung
des Akanje: vor betonten langen Vokalen und Diphthongen wurden die
Vokale, die bis dabin reduziert geklungen hatten, gedebnt, d. h. wurden
zu a, vor betonten kurzen Vokalen dagegen blieben die reduzierten er-
halten, da die kurzen betonten Vokale in solcher Stellung selbst einer
Dehnung unterlagen. Hieraus ergibt sich eine Lösung der Frage von
der Entstehung der einzelnen Jakanjetypen. Die Typen von Obojań
und Zadonsk sind altertümlich. Verhältnismäßig kompliziert ist der
Dontypus. Entweder ist er ebenso alt wie der von Obojań und be-
weist dann, daß diese Mundarten früh die Diphthonge aus akutiertem
o und ě verloren haben, die mit den einfachen o und e zusammen-
gefallen sind und darauf gedebnt wurden, oder er ist jung und ana-
logisch entstanden. Der Žizdratypus ist, wie oben erwähnt wurde, offeri-
sichtlich sekundärer Entstehung, da er auf weißrussischem Gebiet auf-
gekommen ist. Endlich ist auch das Jakanje von Sudža sekundär und
hat sich auf nicht lautgesetzlichem Wege aus dem altertümlichen Jakanje-
Typus entwickelt (39—66). Die übrigen Arten des Jakanje, das starke,
gemäßigte, im besonderen aber das gemäßigt-dissimilatorische, das dissi-
inilatorisch-gemäßigte, das assimilatorisch-dissimilatorische sind offen-
sichtlich späterer Entstehung und können leicht auf die eine oder andere
Art des dissimilatorischen Jakanje zurückgeführt werden (78-87).

Aus dem vorliegenden Referat über die Untersuchung DURNOVO's
ist ersichtlich, daß er seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Fest-
stellung der Ja kanjetypen und die Entstehung des Akanje gerichtet
hat. Mit diesen Grundfragen der Untersuchung wollen auch wir uns
im folgenden in erster Linie beschäftigen. Es muß hervorgehoben werden,
daß der Verfasser hauptsächlich dem durch die scharfsinnigen For-
schungen SACHMATOV's gebahnten Wege gefolgt ist. ŠACHMATOV hat

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als erster das Problem der Entstehung des Akanje aufgeworfen, er war es auch, der unermüdlich an seiner Lösung arbeitete. Vgl. seinen Aufsatz Русское и словенское аканье (Сборникъ въ честь акад. Ф. Фортунатова 1902 dass. Русск. Фил. Вѣстникъ 1902), der den ersten Erklärungsversuch des russischen Akanje enthält. Späterhin hat er im „Курсъ истории русскаго языка“ (Vorlеѕаngеn gehalten an der Petersburger Universität in den Jabren 1908–1910 und darauf lithographiert herausgegeben) die Frage über das Akanje zum zweitenmal behandelt und die heutigen Grundtypen aufgestellt. Endlich bietet das Kapitel iiber die Entѕtеhаng des Akanje in dem Очеркъ древнѣйшаго періода ucropin pycckaro szlika (Petersburg 1915) eine neue, besonders klare Bearbeitung des Themas, obgleich sie im wesentlichen mit der Darstellung im Kypcu übereinstimmt; da sie aber die Erscheinungen der „ältesten“ russischen Sprachperiode behandelt, fehlt ihr natürlich die Anordnung des Akanje nach verschiedenen Typen. Um das von DURNOVO aufgestellte Jakanjesystem richtig zu werten, ist es lohnend zu sehen, in welchem Verhältnis dieses zu den früher aufgestellten diesbezüg. lichen Thesen steht, d. h. sein System muß mit der von ŠACHMATOV vorgenommenen Gruppierung verglichen werden. Jedoch darf dabei nicht außer acht gelassen werden, daß wir die letztere nur aus einer lithographierten Ausgabe seiner Vorlesungen kennen, sie daber einen vorläufigen Charakter trägt und zweifellos für den Druck besser ausgearbeitet worden wäre. SACHMATOV gibt im Kypcó (II 672—693) folgende Einteilung des Akanje: 1. das dissimilatorische, 2. das gewöhnliche (nach der üblichen Terminologie das „starke"), 3. das Anpassungsakanje (nach der Terminologie von DURNOvo das gemäßigte), 4. das gemischte (unklare Typen), 5. das gemäßigte (nach DURNOVO – Ikanje), 6. das assimilatorische (tritt nur in Übergangsdialekten aus und fehlt daher bei DURNOVO unter den südgroßrussischen Jakanjetypen, vgl. aber Lief. 1, 223 und Lief. 2, 68—69), 7. das starke (a in zweiter oder mehr entlegener vortoniger Silbe, sowie nachtonig; feblt bei Durnovo, da er das Akanje nur in Silben unmittelbar vor dem Akzent behandelt). Berücksichtigt man, daß bei ŠACHMATOV in der Sichtung des Materials über das dissimilatorische Akanje (sowohl im Курсъ аlѕ аuсh im Очеркъ) schon die Unterschiede festgestellt wurden, die bei Durnovo unter den Namen der Jakanjetypen des Dongebiets, sowie von OBOJAN', Sudža und ŽIZDRA behandelt werden, und daß bei der Behandlung des „gewöhnlichen“ d. h. des starken Akanje auf eine besondere A bart hingewiesen wird, die DURNOVO in seinem System als assimilatorisch-dissimilatorisches Jakanje bezeichnet, so ergibt sich, daß fast alle Glieder des Jakanjesystems bei DURNOVO schon seinen Vorgängern bekannt waren. Tatsächlich „neue“ Typen sind bei DurNOVO nur derjenige von Ščigry, eine Abart des dissimilatorischen Jakanje, und 2 Typen mit Übergangscharakter – das gemäßigt-dissimilatorische und das dissimilatorisch-gemäßigte. Aber gerade diesen Abarten des Jakanje, im übrigen auch dem assimilatorisch-dissimilatorischen Typus, kommt die Bezeichnung ,Typus“ nur in geringem Maße zu. Es sind bloß Abarten mit Übergangscharakter; das Material dafür ist dürftig, enthält mehr Widersprüche als dasjenige für die anderen Typen, ist auch reich an Ausnahmen und dadurch wird nahegelegt, daß es sich um Mischtypen handelt. In dieser Beziehung ist der Typus“ von ŠČIGRY besonders künstlich: es ist kein Zufall, wenn der Verfasser ibn im weiteren nicht mehr erwähnt, augenscheinlich hat er ihn aufgegeben. Desgleichen ist das dissimilatorisch-gemäßigte und das gemäßigt-dissimilatorische Jakanje als theoretische Abart von Übergangserscheinungen des Jakanje denkbar, aber in einem solchen Fall sind es nicht Typen im eigentlichen Sinn des Wortes. Ferner, in der 2. Lief. (vgl. S. 38 Anm. 4) behandelt der Verfasser den Typus des dissimilatorischen Jakanje von Zadonsk als einen selbständigen Typus; jedoch fällt dieser in den Bedingungen für die Aussprache a mit demjenigen von Obojań zu. sammen, mit der einzigen Ausnahme, daß in ihm die früheren reduzierten Vokale nicht durch i, wie in Obojań, sondern durch e vertreten werden, obgleich auch dieses mitunter durch i ersetzt wird oder e und i nebeneinander gebraucht werden können (vgl. z. B. Lief. 1, 42, 44, 45, 49—54). Es ist also klar, daß die Unterscheidung dieser beiden Typen weder prinzipiell noch historisch sich begründen läßt.

In einer Besprechung der Arbeit von DURNOVO lebnt BUDDE (113B. OTA. Pycck. 43. XXIII [1918] Heft 2) prinzipiell die wissenschaftliche Bedeutung der von DURNOVO aufgestellten Jakanjetypen ab, weil einerseits die lebende Sprache diese Typen in reiner Gestalt nicht kenne, andrerseits, nach BUDDE, das umfangreiche berangezogene Material sie nicht erweise; DURNOVO babe oft, um den einen oder anderen Typus zu rechtfertigen, Ungenauigkeiten in den Aufzeichnungen annehmen, den Abweichungen vom Typus in einem jeden Fall verschiedene Deutungen geben und endlich bei der Zusammenfassung seiner Analyse den Typus als unklar oder gemischt binstellen müssen. M. E. ist ein so skeptisches Verhalten psychologisch begreiflich aber sachlich unzutreffend. Allerdings atmet man erleichtert auf nach der Durcharbeitung eines so großen Materials (gegen 200 Textseiten) von einzelnen Wörtern, die das eine oder andere Jakanje oder seine Abweichungen veranschaulichen, eines Materials, das teilweise aus unzulänglichen und für ein Gesamtbild des Akanje nicht genügend vollständigen Aufzeichnungen besteht. Hinzu kommt noch, daß das Material nicht immer klar und richtig nach den Jakanjegruppen angeordnet ist. In dieser Beziehung ist für die Arbeit nachteilig gewesen, daß der Verfasser unbeabsichtigt zu viel Material aus den Übergangsmundarten angeführt hat. Letzten Endes ist dieses ja für die Folgerichtigkeit der Untersuchung nicht von Schaden gewesen (Lief. 1, 224), aber es trägt auch nicht dazu bei, die einzelnen Erscheinungen scharf voneinander abzugrenzen. Es wird auch viel Material geboten, das für eine Mischung der verschiedenen Akanjetypen spricht, die oft eine Analyse der einzelnen Elemente un. möglich macht, oder ein Material, das nicht genügt, um sich daraus

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ein vollständiges Bild vom Akanje zu machen. Dieses Material müßte, wenn auch nicht ganz weggelassen, so doch gesondert gegeben werden, da es die Forschungsarbeit nicht erleichtert. Besonders kompliziert und verschwommen ist das Material für das gemäßigte Jakauje, das starke Jakanje, das Ikanje und hauptsächlich für die Abarten des re. mäßigt-dissimilatorischen, des dissimilatorisch-gemäßigten und das assiinilatorisch-dissimilatorische Jakanje. Auch bier wäre es zweckmäßiger. abgesehen von einer besser angeordneten Analyse (vgl. Lief. 2, 23 Anm. 3), die weniger von den Nachbartypen beeinflußten Fälle von denjenigen zu sondern, die Spuren verschiedener Einflüsse aufweisen. Natürlich bezieht sich dies alles mehr auf die technische Seite der Untersuchung, jedoch wenn diese besser ausgearbeitet wäre, hütte BUDDE wohl nicht an der Vorhandensein der aufgestellten Akanjetypen gezweifelt, die tatsächlich durch das herangezogene Material einwandfrei gerechtfertigt werden, natürlich aber nur unter gewissen Einschränkungen. Sowohl in der Auswahl als auch in der kritischen Analyse des hierher gehörigen Materials liegt zweifellos das große Verdienst des Verfassers. Wie umfangreich das bei der Untersucbung herangezogene Material auch sei, bei einer näheren Nachprüfung erwies es sich weniger unfassend, weil ein großer Teil des vom Verfasser benutzten Materials in keinem Verhältnis zu der Wichtigkeit der aus ihm gezogenen Schlüsse steht. In dieser Beziehung wäre eine Herauziehung von zuverlässigeu neuen Aufzeichnungen aus möglichst vielen Orten wertvoll und würde eine Nachprüfung der von DURNOVO erhaltenen Resultate sehr fördern und dieses umsomehr, als die Resultate des Verfassers auch sonst nach: geprüft werden müssen. Der Verfasser untersucht das Jakanje, dieses fällt aber unter den weiteren Begriff des Akanje. Ferner beschränkt der Verfasser seine Untersuchung auf das Akanje in unmittelbar vortoniger Silbe, während wichtige Unterschiede in den Mundarten sich an das Akanje in zweiter und dritter vortoniger Silbe und in nachi. tonigen Silben knüpfen. Endlich würde eine Untersuchung des Akauje der Übergangsmundarten, besonders der mittelgroßrussischen, im wesentlichen auch dazu dienen, das von DURNOVO gegebene System der süd. großrussischen Jakanjetypen nachzuprüfen.

Die Entstehung des Akanje ist überzeugend auf Grund langjähriger Vorarbeiten dargestellt im Ofepki (531-545) von SACHINATOV. handelt sich um eine sehr alte Erscheinung, die schon der ostrussischen Zeit, die vor der Bildung des Großrussischen und Weißrussischen liegt, angehört. Diese Erscheinung wurde hervorgerufen, als in der ostrussischen Epoche alle breiten Vokale in unbetonter Stellung reduziert wurden. Zu den breiten Vokalen gehörten é, o, o, ö und die damals (wahrscheinlich auch schon in der ostrussischeu Epoche) gekürzten at und ii-Laute aus ursprünglichen langen å und ü. Es entstand auf diese Weise ein Gegensatz zwischen engen Vokalen, die lang waren einerseits (i, y, u, o mit steigender Intonation, ē) und breiten kurzen Vokalen. Der Reduktion unterlagen die letzteren, d. h. die breiten

Vokale, während die engen Vokale als Länge erhalten blieben. Die reduzierten Vokale bewirkten eine Veränderung des unmittelbar auf sie folgenden betonten Vokals, und zwar wurde dieser Vokal gedehnt, wenn er seiner Natur nach lang sein konnte, d. b. wenn es ein enger Vokal war. So wurde die Verbindung reduzierter Laut + enger, betonter Vokal geändert zu reduzierter Laut + gedehnter, enger Vokal, erbalten blieb aber die Verbindung reduzierter Laut + breiter, betonter Vokal, die auch weiterhin unverändert blieb und in der heutigen Sprache üblich ist; dagegen wurde die erstgenannte Verbindung weiter verändert. Als in der ostrussischen Zeit alle langen Vokale gekürzt wurden, unterlagen natürlich auch die betonten Vokale diesem Wandel, und dieses bewirkte wiederum eine Dehnung des Vokals der vorangehenden Silbe, d. h. des reduzierten Vokals, der zu a wurde; z. B. вода, весна – воды, весны, водѣ, веснѣ - вада, Весна Вауды, вссны, вадѣ, В£сні -> вада, Весна взды, весны, видѣ, вссній (die kursivgedruckten Vokale sind gedelint) - Bo, beciá -- Balti, Bach, pant, BACHD. Vgl. heute (in Mundarten mit dissimilatorischem Akanje z. B. Obojan, Zizdra uѕw.) - выда, висна аbеr вады, вясны, вадь, BACHÉ. Es ist verständlich, daß späterhin auf großrussischem und weißrussischen Boden Abweichungen von diesen ursprünglichen Verhältnissen auf kamen. Der eine Typus drang in das Gebiet des anderen ein, gewann das Übergewicht oder verdrängte den andern. Es konnte in der Sprache eines von den einförmigen Systemen verallgemeinert werden, vgl. das starke Akanje, das Ikanje, das gemäßigte Akanje oder das assimilatorische usw.

Dieser Entwicklungsgang, der nach ŠACHMATOV zum Akanje geführt haben soll, überzeugt durch seine Einfachheit und Natürlichkeit und entspricht gleichzeitig vollkommen dem Akanje in der heutigen Sprache. DURNOVO bebandelt in sciner Untersuchung (Lief. 2, 46–52) die Entstehung des Akanje in Einklang mit der Theorie von ŠACHMATOV. Darauf geht er auf das Jakanje von Obojań und dem Dongebiet ein und versucht die Theorie ŠACHMATOV's einer Korrektur zu unterziehen, die m. E. nicht zutreffend ist und wohl kaum die Unterschiede des Jakanje von Obojań und dem Dongebiet verständlicher macht. Der Unterschied zwischen diesen 2 Typen besteht darin, daß im ersteren in der vortonigen Silbe a vorkommt vor betonten i, u, y, akutiertem o und ě, im letzteren sich aber al nur vor betonten i, u, y zeigt. Folglich lag zur Zeit der Entstehung des Akanje im ersten Fall die Verbindung: reduzierter Laut + betonten i, ū, 77, 7, ě vor und im zweiten diejenige von reduzierter Laut + betonten i, ū, j; was das akutierte o und ě anbelangt, so waren sie nach der Kürzung mit den anderen o (dem zirkumflektierten und dem o aus 7) resp. e zusammengefallen. „Õ und ě wurden aber nur dann gekürzt, wenn sie nicht Jiphthongiert worden waren, sonst unterlagen sie nicht der Kürzung“ behauptet DURNOVO und folgert: in der Vorstufe des Obojaner Typus waren Ō, ě lange einfache Vokale und wurden daher wie i, ū, ge

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