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zwar in der schlechteren Graphik Danubius. Und auch in ihrer sonstigen Lantgestalt dokumentieren sich all diese Formen, wie z. B. ital. Danubio, nfrz. Danube und das aus dem Französischen stammende ne. Danube (me. Danubie GOWER Conf. Am. II 1819) als gelehrte Buchwörter. Das ältere Französisch besaß neben gelehrtem maskulinen le Danube (seit dem 12. Jahrh.) noch eine volkstümliche, vom 12.-16. Jahrhundert belegte femininale Form la Dunoe (Chrestien v. Troyes u. a.; noch bei Ronsard : la Dunoue; s. A. DIECKMANN Ein Beitrag zur Geschichte der französ. Namen, Münster 1908 S. 47), die, wie Lautform und Geschlecht erkennen lassen, offenbar aus dem Niederdeutschen (mnd. Dunowe, oben S. 2), speziell wohl aus dem Altniederfränkischen, übernommen war. Leipzig

Max FÖRSTER

Alte Flußnamen

1. Artıxlens. Der Name Attizitns für einen Mündungsarm des TemrükSees im Kubangebiet findet sich bei Ptolem. Ihm entspricht AvtizelTns bei Strabo. Vgl. zur Bestimmung FORBIGER Handb. d. alten Geogr. II 454, MARQUART V3B. pycck. apxecu. Vuct. Bb KonctaHTUHONOJ) X 17. Bereits MARQUART „Morgenland" 1922 Nr. 1 S. 16 hat diese Benennung auf dvtexuios ,Stör zurückgeführt. Diese Erklärung wird man nicht nur wegen der Strabonischen Variante gut heißen, sondern auch noch darum, weil zwei Flisse in der Nachbarschaft dieses *Αντακαιίτης den Namen Ρομβίins (Méyus und Mizpòs 'P.) führen (Ptolem. Strabo), was zweifellos auf gou Bos Steinbutter zurückgeht. Dazu s. Ludw. PRELLER Bedeutung des Schwarzen Meeres (Dorpat 1842) S. 43. HeiBt es doch bei Strabo XI 2, 4 von dem Mézes P.: ĚV alelota & Incúucta tõv els taolyelas ixtúov“.... Man beachte namentlich auch die genaue Übereinstimmung von * Avrczailing und Ρομβίτης in der Wortbildung. Die Umgestaltung Zη Αττικίτης und Avtizeiths ist volksetymologisch.

M. V.

Die litauisch-weißrussischen Beziehungen

und ihr Alter.1)

1. Im Wortschatze der litauischen Sprache findet sich neben rein litauischen Bestandteilen eine nicht unbeträchtliche Zahl „nichtlitauischer“ Elemente. Unter ihnen sind die weißrussischen am zahlreichsten, weniger zahlreich die polnischen, russischen, deutschen, lettischen, am wenigsten zahlreich sind die gotischen, skandinavischen (schwedischen) und finnischen. Von der Sprache der Weißrussen oder Kriēvai (lett. krievi, altruss. kpuburu) erhielt nicht nur das Litauische, sondern auch das Lettische den größten Teil der fremden Elemente, und zwar deshalb, weil die Weißrussen schon im VI. Jahrh. n. Chr. (Vairas 1914 Nr. 15 S. 11) begannen, Litauer und Letten aus ihren alten Wohnsitzen zu verdrängen. Diese ursprünglichen Wohnsitze der Litauer und Letten befanden sich im Gebiete der linksseitigen Nebenflüsse des Pripet, zu beiden Seiten der Berezina und am nördlichen Dniepr bis zur Mündung der Berezina und bis zum Quellgebiet und oberen Lauf der Sosch (altruss. Cbxb), umfaßte also fast das ganze Gouvernement Minsk (ohne den südlichen Teil), vom Gouvernement Mohilew die Kreise Senno und Orscha, vom Gouvernement Smolensk die Kreise Belyj, Poretschje, Smolensk und teilweise Jelnja. Von den Weißrussen (Kriewen) verdrängt, nahmen Litauer und Letten ungefähr das heute von ihnen bewohnte Gebiet ein.

2. Im IX. Jahrh. setzten sich die Schweden (unowa 3a mope к Варягомъ к Руси, сіце бо звахуть ты Варягы Русь, Ипат. Jbt. 14) unter den Slaven (CJOBbhe Nowgorods), Kriewen (kpuBuen von Polozk und Smolensk), Poljanen (110Jahe von Kiew) und andern russischen Stämmen fest. Dank dem Fleiß und der Tatkraft der Schweden erleben die Dniepr- und Dünagegenden fast plötzlich einen bedeutenden Aufschwung, was ganz verständ

lich ist, ging doch hier der berühmte ,,Weg von den Warägern zu den Griechen“ durch. Diesen Weg beschreibt die HypatiusChronik (Ипатьевская лѣтопись 2-ое изд. Спб. 1908, стр. 6) mit folgenden Worten: „и бѣ путь из Варягъ въ Грекы, и изъ Грѣкъ по Днепру, и вѣрхъ Днѣпра волокъ до Ловоти, и по Ловоти внити въ Илмерь озеро великое. из негоже озера потечеть Волховъ. и втечеть въ озеро великое Нево. и того озера внидеть оустье в море Варяское“. Dieser schwedischgriechische Verkehrsweg wurde von Kaufleuten oft bereist.

3. Im IX.-X. Jahrh. war die Stadt Birka (heute schwedisch Bjaerkö) im ganzen Norden durch ihren Handel berühmt. Der Handel von Birka muß nicht nur im Leben der Kriewen, sondern auch ler Litauer und Letten von Bedeutung gewesen sein. Das litauische Wort birkavas zehn Pud", das sowohl in bezug auf Lautgestalt als auch Bedeutung dem lettischen birkavs entspricht, erinnert uns auch noch heute an das berühmte Birka. Trotzdem werden die Litauer den Namen birkavas nicht direkt aus der in Birka gesprochenen schwedischen Mundart, sondern nur mittelbar erhalten haben. Die Annahme von Vermittlern ist zur Erklärung der Endung -avas notwendig. Diese unsere Endung muß aus dem altweißrussischen -OBb abgeleitet werden, d. h. birkavas stammt aus der Form *óÚPKOBb. Das weißruss. *6bpковъ (heute russ. берковець) ist das Adjektiv zum Wort *Бърка (= Birca bei Adam von Bremen) mit dergleichen Endung wie in den Wörtern: dobovo „eichen“, tornovo „dornig“, lipovo „Linden ....“, volkovy „Wolf(s) ....", Petrový „Peters“ u. a. Im Weißrussischen mußte das Wort borková die gleiche Bedeutung haben wie heute lit. „Birkos (svaras)“, „bàrkinis (svaras = „ein Birkaer (Pfund]“, vgl. die Ausdrücke: kauninis alùs „Kownoer Bier“, prúsinis spiritas „preußischer Sprit“).

4. Birkavas ist eines jener Wörter, deren Eintreffen in Litauen datiert werden kann: mit virkavas müssen die Litauer noch vor dem Jahre 1157 bekannt geworden sein; denn um iese Zeit beginnen in den russischen Sprachdenkmälern an Stelle der früheren Laute o und Ō die Laute e und o zu treten. Die Wörter cтькло, шьлкъ, крьстъ, къбьлъ, бъчька, бръня, чорнъ, сътъ begann man ungefähr dаmаlѕ durch стекло, шелкъ, крестъ,

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KOOJA (G n.), 609ka, Yephú, cotó zu ersetzen. Das heißt, das Wort birkavas mußte früher nach Litauen gelangen als die Wörter verbà „Bepa“ (= Osterpalme) || altruss. Bupóa, četveřgas ,,Donnerstag“ || vetüüpru, smertis ,,Tod" || Comupti, šerdēkšninkas „Spannnagel“ || сърдьчьникъ „сердечникъ“.

5. Birkavas hat dasselbe Alter wie sein Genosse pundùs (Akk. pùndu) oder pùndas „Pud, 40 russische Pfund“ (BUGA, Izv. XVII 1, 1). Das žemaitische pundùs wurde noch zu der Zeit aus der Sprache der Kriewen übernommen, als bei diesen im Worte nyah an Stelle des Lautes u noch u (nasales u) vorhanden war. Daß es einst auch in der Sprache der Russen (Kriewen, Nowgoroder Slaven und anderer Stämme) ein „nasales“ u, d. h. ų, gegeben hat, zeigen finnische (und estnische) Wörter russischen Ursprungs; vgl. 1. finn. suntia „Kirchendiener“, estn. sund „Druck, Neigung, Auftrag, Gericht, Richter“, liv. sund Richter“ || cydba „sędzia, Richter“, 2. estn. und, liv. ünda „Angel" || yga „węda, Angel". Das älteste russische Sprachdenkmal, das Ostromirevangelium vom Jahre 1056/7, hat schon keine Nasallaute mehr.

Zu Beginn des IX. Jahrh. besaßen die Russen noch nasales u, d. h. y; das zeigt der Name des Volkes der Ungarn (griech. oŐyyapot, lat. Ungari), der im Russischen die Form yrspuhú „Węgrzyn“ Nom. Plur. yrópe (heute Adjektiv yropckië) annahm. Das Vorhandensein von Nasalen beweisen auch die alten Lehnwörter aus der schwedischen Sprache: baparu || vāringr (von den Griechen Várangos benannt), Cyab ,,Die Meerenge von Konstantinopel“ (griech. tÒ Etevóv, russ. 30jotot Poro) || sund „Meerenge“; ayah || pund (deutsch Pfund, got. pund < lat. pondo, pondus).

Somit müssen die Žemaiten ihr pundus noch vor 1056 von den Weißrussen erhalten haben. Da man das Wort birkavas von dem begriffsverwandten pundus nicht trennen kann, so muß auch das Alter des ersten Wortes weiter als bis zum Jahre 1157 zurückgehen. Da nun der Handel der Stadt Birka im IX. bis X. Jahrh. blühte (s. TIANDER, l'opojų bupka. Hyph. MUH. Hapod. npocb. 1910 Nr. 6), im XI. Jahrh. hingegen schon zu sinken begann, so können unsere Wörter birkavas und pundùs am allerspätesten in der ersten Hälfte des X. Jahrh. Litauen erreicht

haben. Aus der zweiten Hälfte des X. Jahrh. kann birkavas wegen des Wortes pundùs nicht stammen, welches, wie die bei Konstantin Porphyrogenetos „De administrando imperio“, IX. cap. um 950 erhaltenen Namen der Stromschnellen des Dniepr zeigen (А. Соболевскiii Лекціи по истории русскаго языка. Москва 1907, S. 20, BUGA, Izv. XVII 1, 1), damals von den Russen schon pudo und nicht mehr * pụdo ausgesprochen wurde.

6. Auf die Birka-Periode (IX.-X. Jahrh.) gehen außer birkavas und pundùs auch noch folgende Bezeichnungen von Handelsgegenständen zurück: čerpė Il neper (OK)); skavurdà (-os, skavárda) ,,Bratpfanne“ || CKOBopoza; pipiras || altruss. lbbps; šilkai | TUJIK; stiklas || CTÁKJo; kātilas || KOTÚJb; tuīgus || Tupr’b; tùlkas „Übersetzer, Dolmetscher“ || TUJIKb; muilas | Mucio; muitas | MūITO.

Das Alter von čerpė, skavardà (ostlett. skavārda) und karvõjus „kopobai, Hochzeitskuchen“ geht weiter zurück als das erste russische Sprachdenkmal (1056/7), welches schon die Formen wie Володимиръ und Новъгородъ aufweist. Alle drei Wörter werden noch zu der Zeit ins Litauische gelangt sein. als die Russen noch čerpo (preuß. kerp-etis „Schädel“), skovordu (durch Metathesis aus der Form *skordva; vgl. altbulg. (kbpanja, Ckpana || mhd. schart ,,Tiegel, Pfanne || lit. skárdas ,,Weißblech"), korvajo aussprachen.

Die Namen von Oleg‘s Hofleuten (altschwed. Helgi, Ojúra --- altschwed. Helya; die Griechen schreiben "Ele) im Jahre 912 (мужи): Карлы Инегелдъ (Ingiаldr). «Фарлофъ, Гуды Руалдъ, Kaphh und von denen Igor's im Jahre 945: Jurobepuh (Sigbiornj, AdBalb, Poajiju (Hróaldı'), Mhórejdú (Ingialdr), Typõephú (Dorbiorn), Pyaj/h mit ihrem al, ar, el und er beweisen noch nicht, daß damals die Kriewen und die andern Slaven (дреговичи, поляне, съверо, деревляне oder дерева, словѣre) noch *volděti „BOJOJDT)“, *molko „MOJOKO“, *vorna ,,Bopona“, *bergo ,beperg" gesprochen hätten. Die Namen der Männer Oleg's und Igor's sind für unsere Sache nicht verwendbar, weil sie zu Anfang des XI. Jahrh. in die Chronik eingetragen wurden und zwar nicht aus der lebenden Sprache der Slaven, sondern aus den in altschwedischer (Baparu pych) Sprache verfaßten Aktep der fürstlichen Kanzlei.

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