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früheren Bände heranreicht. Nach diesem unglücklichen Versuch wurde von weiteren Bemühungen abgesehen und es wurde unter diesen Titel von der ethnologischen Gesellschaft in Warschau eine Reihe volkskundlicher Monographien eröffnet. Bisher erschien Heft 1, enthaltend die wertvolle Schrift von St. CISZEWSKI Sól.

Die heimatkundliche Wochenschrift.Ziemia" (erschienen in Warschau seit 1910) hat sich auch in fruchtbarer Weise in den Dienst der polnischen Volkskunde gestellt. Der Krieg unterbrach ihr Erscheinen 1914 mit Bd. V erschienen zuletzt Nr. 32, 512 Seiten). Zeitweilig wieder aufgenommen, 1920 Nr. 1-6, konnte sie sich nicht balten und erst 1922 ermöglichte eine Subvention des polnischen Kultusministeriums ihr Erscheinen einmal monatlich, als Organ der polnischen Gesellschaft für Heimatkunde. Auch die heimatkundliche Monatsschrift für die Jugend Orli LotKrakau 1920–1924 enthält viele volkskundliche Aufsätze.

Nur wenige Zeitschriften in Polen dienen der Erforschung eines speziellen Gebiets. Eine solche war Gryf, herausgegeben von A. MAJ. KOWSKI seit 1908. Mit Bd. IV trat eine Unterbrechung ein und seit 1921 besteht sie wieder. Sie enthält viel wertvolles Material zur kaschubischen Volkskunde.

Ein weiteres spezielles Organ ist der Rocznik podhalański" (herausgegeben vom Muzeum Tatrzaliskie im. Dra T. Chałubińskiego in Zakopane) Nr. 1. Zakopane – Krakau, 1914–1921, XXX + 218 + 1 + IV Tafeln. Die Volkskunde des Podbale beschäftigt auch die „Wierchy" Bd. I—II, sowie den ,Pamiętnik Towarzystwa Tatrzańskiego" Bd. XXXV—XXXVII.

Für die volkskundliche Forschung von Interesse ist dann auch die Zeitschrift für Gewerbe und Industrie, sowie für bildende Kunst: Przemysł i Rzemiosło“, das Organ des städtischen Muzeum Przemysłowe im. Dr. A. BARANIECKIEGO in Krakau, erscheint seit 1921, 1922 ab unter dem Titel: Przemysł-rzemiosło-sztuko. Davon liegen bisher vor Bd. I—IV.

Veröffentlichungen volkskundlichen Inhalts sind seiner Zeit auch von der Landeskundlichen Kommission beim K. D. Gen. Gouv. Warschau in Angriff genommen worden. Einige von ihnen wie z. B. B. BRANDT Geographischer Bilderatlas des polnisch-weißrussischen Grenzgebiets, Berlin 1918 oder H, GRISEBACH polnische Bauernhaus enthalten viele wertvolle Abbildungen und auch der Text ist durchaus sorgfältig ausgearbeitet. Dagegen liefert die Darstellung der polnischen Volkskunde in A. SCHULTZ Handbuch von Polen, Beiträge zu einer allgemeinen Landeskunde Berlin 1917 sowie desselben Verfassers Ethnographischer Bilderatlas von Polen“ Berlin 1918 zahlreiche Beispiele völliger Unkenntnis der bearbeiteten Probleme.

Seit 1921 erscheint endlich noch ein , Archiwum nauk antropologicznych“ als Organ des Instytut Nauk Antropologicznych Towarzystwa Naukowego 'Varszawskiego. Bisher erschienen: Bd. 1 Nr. 1-10, Bd. 2

von

Nr. 1-5, Bd. 3 Abt. B Ethnologie Nr. 1. Von Bd. 3 ab ist die Edition in 3 Teile geteilt: A. Anthropologie, B. Ethnologie, C. Archäologie.

Wichtig ist die Ausgabe der geographischen Bibliothek ,Orbis, von dem Krakauer Universitätsprofessor LUDOMIR SAWICKI. Die Serie III dieser Bibliothek dient der Bearbeitung der einzelnen Teile des ethnographischen Polens. Bisher erschien Bd. 1—7.

III. Allgemein-theoretische Fragen. Seit langem zeigte sich bereits das Bedürfnis nach Stabilisierung gewisser Termini auf dem Gebiete der polnischen volkskundlichen Forschung, denn es herrschte hier ein ziemliches Chaos. Auf diesem Gebiet ist eine große Anzahl von Abhandlungen zu verzeichnen, die immer mehr Ordnung in die Probleme bringen.

Vor allen Dingen behandelt J. CZEKANOWSKI Antropologja, etnologja i prehistorja (Lud XXI S. 3-16 u. separat) das gegenseitige Verhältnis der sozialen Wissenschaften, die zu den anthropologischen Wissenschaften gerechnet werden.

Der Verf. unterscheidet die allgemeine Soziologie von der beschreibenden und versteht unter der ersteren die allgemeine Theorie der sozialen Erscheinungen, während er die letztere als Spezialwissenschaft präzisiert, die sich mit Registrierung und Klassifizierung der sozialen Erscheinungen befaßt, die zugleich das Forschungsobjekt der Ethnographie, Ethnologie und Kulturgeschichte bilden. Diese Wissenschaften bilden in Wirklichkeit drei Arten der beschreibenden Soziologie und unterscheiden sich voneinander nur durch die Betrachtungsweise. Ihr gegenseitiges Verhältnis entspricht genau demjenigen zwischen der Zoologie, vergleichenden Anatomie und Embryologie.

Die Ethnographie liefert uns monographische Beschreibungen der einzelnen Völker, indem sie eine möglichst erschöpfende Darstellung ihrer sozialen Institutionen und ihrer materiellen Kultur an

Die Ethnologie betrachtet dieselben Erscheinungen vergleichend mit besonderer Hervorhebung der Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern. Die Kulturgeschichte untersucht die Entwicklung derselben Erscheinungen im Laufe der Zeit. Eine Bescbräukung der Forschung auf die Gegenstände der materiellen Kultur ist charakteristisch für die Archäologie bezw. die prähistorische Archäologie.

Ähnliche Grenzfragen behandelt L. KOZŁOWSKI Problem etniczny w prehistorji (Lud XXI 17—28). Ein Bestreben nach genauen tbeoretischen Umgrenzungen zeigt auch der Aufsatz von AD. FISCHER Znaczenie etnologji dla innych naul (Lud XXI 81-92 u. separat). Der Verf. zeigt die Bedeutung der Ethnologie sowohl für die verwandten Wissensgebiete, wie Prähistorie, Soziologie und Geographie, Kultur- und Siedlungsgeschichte, als auch im allgemeinen für Geschichte, Religionsgeschichte, Orientalistik, klassische Philologie, Sprachforschung, Völkerpsychologie, Literatur- und Kunstgeschichte, sowie für die Rechtswissenschaften. Schliesslich kommt auch der Wert der Ethnologie für

die allgemeine Bildung zur Sprache. Viele wertvolle theoretische Erwägungen bietet St. PONIATOWSKI O metodzie historycznej w etnologji i znaczeniu jej wyników dla historji. Warschau 1919, 19 S. (Separatabdruck aus dem Przegląd historyczny). Nach Behandlung der Entwickelung der ethnologischen Methoden werden die Vorzüge der historischen Methode gegenüber der psychologisch-entwickelungsgescbichtlicben betont. Nicht weniger Zweifel beseitigt ein weiterer Aufsatz ST. PONIATOWSKI's Zadanie i przedmiot etnologji. Warschau 1922, 30 S. (= Archiwum nauk antropolog. II Nr. 2). Nach einer Zusammenfassung der bisherigen Ansichten bestimmt der Verf. das Verhältnis der Ethnologie zu den anthropologischen, sozialen und den Naturwissenschaften und geht auf die Aufgaben der Ethnologie ein. In einem gewissen Zusammenbange mit dieser Scbrift steht auch desselben Verfassers: Systematyka zagadnień i kierunków socjologicznych Warschau 1922, 27 S. (S. A. aus dem Przegląd filozoficzny 1922). Ähnliche Fragen werden auch von JANINA KLAWE Metody i kierunki 10 etnologji ze stanoviska socjologji Warschau-Lemberg 1922, 16 S. (= Archiwum nauk antropologicznych III Abt. B Nr. 1) erörtert. Die Verfasserin unterwirft sowohl die evolutionistisch-naturwissenschaftliche als auch die bistorische Methode einer Kritik und betont den Wert der Forschungsmethoden eines W. H. R. Rivers, der im Gegensatz zu der evolutionistisch-naturwissenschaftlichen Methode eine überaus genaue Analyse einer Kultur liefert und zugleich auf den Standpunkt steht, daß diese Kultur keine einheitliche Entwicklung darstellt, sondern das Resultat einer Abschleifung verschiedener Einflüsse ist. Im Gegensatz zur Methode der historischen Richtung sieht er das Hauptziel der Forschung nicht in der Feststellung der Genealogie gewisser Erschei. nungen, sondern in der Feststellung, unter welchen Bedingungen eine Kreuzung verschiedener Kulturen stattfand und was für Neuerungen daraus entstanden. in einer andern Schrift: Teorja animnistyczna w etnologji (Lud XXII 13—25) weist J. KLAWE nach, daß die animistische Theorie, die ausscbließlich die Frage nach der Herkunft religiöser Anschauungen behandelt, nicht in der Ethnologie als einer sozialen Wissenschaft, welche die Erscheinungen in ihrer Entwicklung und ihrem Verhältnis zu einander behandelt, angewandt werden kann.

Die Dozentin der Universität Wilna C. EHRENKREUTZ behandelt in ihrer Arbeit Materjał naukowy i przedmiot etnologji (Lud XXII 26–32) Grundprobleme der Ethnologie und stellt fest, daß zum Unterschiede von der Präbistorie, deren Problem die Zeit und das Milieu, aus dem ein gewisses Erzeugnis oder ein Komplex von Erzeugnissen hervorgegangen ist, bildet, für die Ethnologie Zeit und Milieu kein Problem darstellen, da sie bekannt seien. Man strebt aber nach Feststellung älterer Formen und dann entstehen für den Ethnologen genetische Probleme, woher und wann ein gewisses Kulturerzeugnis einem Volke zugekommen ist, dem es beute bekannt ist.

Wichtige methodische Hinweise finden sich bei R. GANSZYNIEC Czynnik racjonalny w wierze i w obrzędzie (Lud XXI 183—202 und separat, Lemberg 1923). Nach Ansicht des Verf. beruht der Fehler in der Beurteilung des Aberglaubens darin, daß der für unser Gefüll deutliche Unterschied zwischen Aberglauben und eigentlichem Leben mechanisch auf Zeiten und Verhältnisse übertragen wird, denen eine solche Dissonanz zwischen ihnen gänzlich fremd ist. Nur die historische Methoue kann erweisen, daß ein magischer oder religiöser Gedanke im Grunde nicht verschieden ist von einem weltlich-praktischen Gedanken, daß Bräuche ebenso rationale Tätigkeit sind und abergläubische Anschauungen ebenso verständig, wie die derselben Kultur angehörenden weltlichen Anschauungen und Handlungen.

IV. Organisation volkskundlicher Forschungen Unter den einschlägigen Veröffentlichungen verdient besondere Be. rücksichtigung: J. CZEKANOWSKI W sprawie potrzeb nauk antropologicznych w Polsce (Nauka Polska I 201—223) Warschau 1918. Der Verf. geht ausführlich auf den heutigen Stand der ethnologischen Organisation ein, bespricht die existierenden Ausgaben und Institute und stellt schließlich eine Reihe von Forderungen auf, die in nächster Zeit zu realisieren sind. Ein fleißiges und übersichtlich angeordnetes Verzeichnis von Fragen zur Berücksichtigung von Sammlern liefert: A. LANGER ( zbieraniu materjalów do dziejów kultury ojczystej Warschau 1918, 59 s., sowie: Zbieranie materjalów ludoznawczych Warschau (ohne Jahr) 68 S. (=Bibljoteczka związku młodzieży wiejskiej Nr. 36).

Aus dem Gebiete der Museumskunde verdient vor allem Erwährung die Schrift des auf tragische Weise umgekommenen verdienten Ethnographen BR. PIŁSUDSKI W sprawie Muzeum Tatrzańskiego O urządzenie działu ludoznawczego (Rocznik podhalański, ZakopaneKrakau 1914–1921 S. 147—188). Er gibt bier einen ausgezeichneten Plan eines Museums, das als Mittelpunkt der ethnologischen Erforschung des Podhale gedacht ist. E. FRANKOWSKI bespricht in einem Aufsatz Zbiory etnograficzne w Polsce (Lud XXI 40 – 55) die ethnograpischen Sammlungen in Polen, ibre Entstehungsgeschichte und ihren heutigen Stand, sowie die Aussichten für ihr Bestehen und ihre Entwicklung in der Zukunft. Berücksichtigt sind: das Muzeum etnograficzne in Warschau, Muzeum im. Dzieduszyckich in Lemberg, Muzeum Narodowe im. Króla Jana III in Lemberg, Ruskie Muzeum Narodowe daselbst, Muzeum Etnograficzne in Krakau, Muzeum Przemysłowe im. Dra Baranieckiego sowie das Muzeum Narodowe, und der Dom Matejki in Krakau. Im Programm für heimatkundliche Forschungen von K. KWIECIŃSKI Krajoznawstwo ze szczególnen uwzglednieniem Małopolski Lemberg 1921, 108 S. + 16 Illustr. findet auch die Volkskunde Berücksichtigung (s. 74–97). Organisatorische Fragen behandelt E. FRAN: KOWSKI Ludoznawstwo na vsi (Nauka Polska IV) und J. St. BYSTROŃ Ludoznawstwo na prowincji (Nauka Polska IV S. 190—203). Wichtige praktische Winke finden sich bei E. FRANKOWSKI Fotografja w ludoznawstwie (S-A. aus ,Ziemia“ VII Nr. 3). Er zeigt ausführlich wie man zu photographieren hat und stützt seine Angaben durch ausgezeichnete Abbildungen. In einem gewissen Zusammenhang mit diesen organisatorischen Fragen steht auch das Problem der Einführung der Ethnographie und Ethnologie als Lehrfach in den polnischen Schulen, besprochen von AD. FISCHER Etnologja a szkoła polska (Muzeum XXXVII, 1922, S. 291—299 und separat). Der Verf. betont die Notwendigkeit der Berücksichtigung ethnologischer und ethnographischer Tatsachen im Unterricht und tritt für Einführung eines derartigen obligatorischen Lehrfaches an den Lehrerseminaren ein. Zu diesem Zwecke hält er auch eine Reorganisation der ethnographischen Museen und Lehrstühle an polnischen Universitäten für erforderlich.

V. Geschichte der Volkskunde in Polen Am 100. Geburtstage von 0. KOLBERG erschien eine große Anzahl von Aufsätzen über ihn in Zeitschriften, sowie eine besondere Darstellung in populärer Form von St. Lam Oskar Kolberg, Zywot i praca Lemberg 1914, 77 S. (Bibljoteka Macierzy Polskiej Nr. 87). Ein anderer verdienter polnischer Volkskundler wird in dem Buche von WŁ. ANTONIEWICZ Zegota Pauli (Przegląd powszechny 1910, S. 321– 334) behandelt. Der bekannte polnische Schriftsteller W. SIEROSZEWSKI schildert Leben und Schaffen von Bp. PIŁSUDSKI († 1918) Rocznik Podhalański, Zakopane-Krakau 1914--1921, S. V—XXX). ST. NIEMCÓWNA bespricht in ihrer Schrift: Wincenty Pol jako geograf eingehend auch die volkskundlichen Arbeiten dieses Forschers. Schließlich gibt FR. BUJAK in der Ausgabe K. POTKAŃSKI Pisma pośmiertne Bd. I S. 1–67 eine sehr ausführliche Würdigung unter dem Titel: Zycie i działalność Karola Potkańskiego (1861-1907). Hier wird auch die volkskundliche Forschung dieses ausgezeichneten Forschers berücksichtigt. Die Jubiläumsausgabe von L. KRZYWICKI Studja socjologiczne Warschau (ohne Jahr) VII + 340 S., erschienen aus Anlaß der 40-Jabrfeier seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, enthält auf über 40 Seiten eine Bibliographie seiner wissenschaftlichen Arbeiten (S. 299 -340) und dieses Schriftenverzeichnis zeigt mehr noch als die biographische Skizze von der ungewöhnlich intensiven Tätigkeit dieses viel. seitigen Gelehrten.

VI. Das ethnographische Polen

a) Monographien über einzelne Gebiete Im Zusammenhange mit den Kriegsereignissen steht die Debatte über das polnische ethnographische Gebiet. Die Erörterung dieser Frage hat eine Reihe von Publikationen hervorgerufen. Das ganze Problem behandelt WŁ. WAKAR Rozwój terytorjalny narodowości polskiej Kielce 1917–1918, Bd. I—III S. 149 + 288 + 154 sowie die Encyclopédie polonaise Vol. II Territoire et population de la Pologne Fri

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