Slike strani
PDF
ePub

besondere Maßregeln getroffen: „Je me suis efforcé de ne choisir que des témoins originaires du village même ... et n'ayant pas frequenté l'école, j'entends l'école bulyare; j'ai volontiers donné la préférence, à cet égard, aux témoins appartenants à des familles patriarchistes et, comme tels, moins suspects que d'autres d'avoir subi l'influence de la langue littéraire enseignée, avant la paix de Bucarest, dans les écoles bulgares de Macédoine, S. 10–11 (gesperrt von mir). Ist es nun nicht bemerkenswert, daß die Sprache der auf diese Weise gewüblten Gewährsmänner alle typischen Eigentümlichkeiten des Bulgarischen trägt?

Nach kurzen geographischen und ethnographisch-statistischen Bemerkungen über Lerin und die Dörfer des erforschten Gebietes (Neolani, Armensko, Ekši-su, Mokreni, Višeni, Žerveni, Smrdeš, auf der schönen beigefügten Karte alle unterstrichen), gibt uns der VERFASSER in der Einleitung Namen, Alter und Lebensstellung aller seiner Gewährsleute (lauter alte Männer, Großmütterchen, jüngere Analpbabeten) an und am Ende wird kurz und klar des VERFASSERS Transkriptionssystem zur Sprache gebracht (Introduction p. 4-12). In der Etude linguistique erweisen sich die Pbonétique (p. 13–36) und die Morphologie (p. 36 bis 53) als ziemlich ausführlich; der Syntas sind zwei (p. 54–55) und dem Vocabulaire etwas mehr als drei Seiten (p. 56—59) gewidmet.

Ganz neue, bis jetzt unbekannte Spracbzüge bat Mazon allerdings nicht entdecken können: die Haupteigentümlichkeiten dieser südwestbulgarischen Dialekte batten schon seit langem die Aufmerksamkeit der slavischen Linguisten auf sich gezogen, so daß manche Bulgaren (unter den Serben teilweise Novaković) dazu beigetragen haben, daß größere Sprachproben aus diesem entfernten, aber so hoch. interessanten und wichtigen Gebiete in die gelehrte Welt gelangten, insbesondere durch den bekannten Chopuliko des bulgarischen Unterrichtsministeriums. Aber, wie gesagt, es ist doch von Belang, wenn die durch die bulgarischen Publikationen bekannt gewordenen Eigentümlichkeiten der südwestmazedonischen Dialekte wieder von einem fremden Gelehrten bestätigt werden, der, wie MAZON, seine Gewährsmänner aus patriarchistischen, dem Bulgarentum feindlichen Kreisen wählte. Und so überzeugt man sich, daß die altbulgarischen dunklen Vokale ô und o bekannterweise vokalisiert werden (o > son, voška, pekolo ,l'enfer ...;0 > den, eden aus edono „ein' ...); daß abg. ? gewöhnlich als gesprochen wird (dop < dąbo, mvka; moš < mążo, yos < gazo, zup < ząbo mit dem für das Bulgarische charakteristischen Übergang der auslautenden tönenden konsonanten in tonlose, usw.) ; daß in den archaistischen Mundarten von Kostur manche Spuren des abg. Rhinesmus noch heutzutage bewahrt sind: rékuta e dlæmbóka ,der Fluß ist tief*, mandi ,testicules“, kronk (d. h. kronk < abg. krayo) tablette de bois circulaire pour rouler la pâte' (Mokreni) neben om, on in betonten und am, an in unbetonten Silben: yalómbi, pl. von gálamp, domp (< dạbo), pl. dómbja, aber pl. zombi gegenüber zó mp Zahn' in dem Pomakendorfe Zerveni, nördlich von Kostur. Wegen des Buchstaben de ist hier aus der Einleitung (S. 12) zu erwähnen, daß der ungerundete Hintervokal o auch nach Mazon's Beobachtungen , est susceptible d'offrir trois nuances très légèrement différentes, soit celle de a, soit celle de 0, soit celle de e“, das schon OBLAK im Gebiet von Salonichi bemerkte, und daß die o-Nüance là où m'a paru nettement la discerner“ durch er wiedergegeben wurde (die a-Nuance durch

o, die e-Nüance durch a). Was den Reflex von abg. ? anbelangt, so hat man überall en: čéndo ,Kind', bratučénda ,Vetter; gléndam, govendo ,Ochs“, govindar ,Ochsenhirtusw. Als ein objektiver Sprachhistoriker schreibt Mazon am Ende dieses Paragraphen sehr richtig: Il va de soi que les relations continuelles d'échanges entre la Vieille Serbie (par Dibra et Skoplje) et la Dlacédoine centrale et méridionale ont fait descendre vers le Sud un certain nombre de formes qui se sont instalées dans les parlers bulgares en se macédonisant, soit de manière à peu près absolue comme kúk'a, louek'a ,maison' ou nék'u je ne veux pas', soit en faisant office de doublets comme, par exemple, gúska ,oie' à côté de góska“ (S. 17), obwohl er auch den Einfluß der Kirchensprache bei gewissen Wörtern nicht ganz in Abrede stellt.

Sehr bunt ist die Vertretung der sogen. vokalischen oder sonantischen , ! (S. 17–19). Man beobachtet bei eine ganze Reihe von Vokalen neben dem für urslavisch gehaltenen Sonanten: málci, vall, ža'to ...; molči, volk, vólna , Wolle...; valk, volna, žulto und überall, zwar mit dem leicht zu erkennenden serbischen u aus rl, !, brígarin. Auch bei r finden wir verschiedene Vokale (o, a, e, a, so u. a. órš neben rəš, roš Roggen' < abg. rvžb, lit. rugis, wo es sich eigentlich um sonantisches ņ bandelt. Mazon bemerkt ,que la tendance à réaliser le voyelle est beaucoup plus faible pour ļ que pour ?". Die geborenen und einheimischen Mazedonier bestreiten aber entschieden die Existenz sonantischer ? und ? in ihren Mundarten, und einer derselben, der linguistische Bildung hat, A. Kuzov aus dem Gebiet von Kostur, schreibt in seiner Beschreibung der Mundart von Kostur: „Съчетанията: ър, ъл, ръ, лъ, ьp, bл ирь, ль, въ костурския говоръ сії съвпаднали въ: ър, ъл. Нигдѣ не се сръща внито л“ (gesp. у. mir), s. Извѣстия на Семинара по славянска Филология при Университета въ София Книга IV (София 1921) S. 104. Bei dieser Streitfrage wäre vielleicht die Tatsache in Betracht zu ziehen, daß nambafte Sprachforscher auf die unbestreitbare Existenz minimaler Vokalelemente bei jedem Sonanten hinwiesen und daß man diese minimalen Vokale auf experimentellem Wege bei serbokr. und čech. r konstatierte, s. darüber in letzter Zeit mit Literatur HUJER, Úvod do dějin jazyka českého (Prag 1924) 9-10.

Mit Interesse liest man des Verfassers Beobachtungen über die sehr schwache Palatalisation des e < lo, die so „flüchtig“ war „qu'il semblerait excessif de la marquer d'un signe spécial" (S. 19). Hier hat man es mit der phonetischen Eigentümlichkeit des Bulgarischen zu tun, die man nach BROCH und RozwADOWSKI mit vollem Rechte ,Halbpalatalisation" nennt. Nur ist dieselbe in anderen ost- und westbulgarischen Mundarten auch bei etymologischem e und bei e o zu treffen. So schrieb z. B. der bekannte Rhodopeforscher S. N. ŠIŠKOV bald dieub, bald Abenú oder jent für d'en' mit „Halbpalatalisation"; bei Miletič Rhodopemundarten der bulgarischen Sprache 209, 211-212, 220—223 u. a. hat man auch Fälle mit Halb- und Vollpalatalisation wie im Großrussischen: d'en', gen (!) neben den', den Tag, gʻeko, gʻèka „Kind' < detę, kelo ,Kalb' < telę, plèkeš, plèke > pleteš(i), plete(tr) usw. Am interessantesten ist, daß diese eigenartige Palatalisation sogar por i < abg: y erscheint, so z. B. in gewissen Rhodopemundarten (Čepino-Bergtal): k'lkva Kürbis' < tikva, abg. tyky, t'i < ty ,du' usw., wie k'icho < ticho, isk’ina < istina u. dgl. Über die letztere Erscheinung im südwestlichen Mazedonien bemerkt auch MAZON: „S'il subsiste quelque trace de la différence originello de e < é et de e< e, la confusion de i < i et de i < y (ancien y dur, ol) est par contre absolue“ (S. 20), nur daß hier wie in den meisten bulgarischen Dialekten die Halbpalatalisation fast gleich Null ist.

Die sogenannte Reduktion der unbetonten Vokale im Bulgariscben unbet. e > i, unbet. 0 > u, unbet. a> 8 ist natürlich auch den südwestmazedonischen Mundarten bekannt, wenn auch nicht in so hohem Grade, vgl. z. B. zážci < zdeci, plur. v. záek ,Hase', S. 20, dádu (dádo), rékų (reko), otídu (otído) usw. < dado(ch), reko(ch), potila <patila ,qui a pâti' usw. Die Reduktion kommt bekanntlich auch in betonten Silben, die früher unbetont gewesen sind (vgl. ostb. pónca ,Teller' < paníca, westb. nónovo aufs Neue' < na novo u. ä., S. VERFASSER, Roczn. Slaw. IV 119, V 197), vor, so daß wir auch bei Mazon gizi (bulg. gázi ,il marche dans l'eau), góšči > gášči ,culotte', mýče, múčka < máčka ,chat, selbst kópa < kápa ,chapeau' de l'italien cappa (S. 21) treffen, ebenso gúlem anciennement golém „groß', ušče < *oščé, cf. russ. ješčò, dúri < dorì „sogar' u. dgl., S. 23.

Die Frage der für das Bulgarische nicht weniger charakteristischen Umlautserscheinungen bei a nach palatalen Konsonanten wird von MAZON kurz gestreift, indem čaša < čaša und der Ortsname Višeni < Višani angeführt werden. Zum letzteren gibt es eine Menge ostbulgarischer Parallelen, von denen am bekanntesten Pavlik'eni < Pavlılcani sein dürfte, Mit noch größerem Interesse würde man z. B. etwas über Wörter wie vudiničér < vodeničarı Müller', silénin < sel'anino ,Bauer', égne < jagne ,Lamm' u. m. dgl. in der Mundart von Kukuš wissen, worüber D. MIRČEV im CóHy. XVIII (Sofia 1901) S. 442 schrieb. Die südostmazedonische Parallele zu südwestmazedonisch Višeni ist Kukušeni < Kukušani a. a. 0.

Im Abschnitt über den Konsonantismus sind wieder interessante Bemerkungen zu verzeichnen. So sind z. B. die Labialen vor ? ,fortement mouillés dans tous les parlers, mais sans développement de 1 épenthétique : sáb'ja, zém'ja, umja“ (S. 26). Auf mehrere höchst beachtenswerte Beobachtungen wird hier leider aus Raummangel nicht

3

eingegangen. Jedenfalls dürfte doch hervorgehoben werden, daß „les parlers de Lérin et de Kóstur ont comme normaux les traitements tj, ktj > šč et di > žd et ž« (S. 28), daß dj > ģ selten ist: „il ne nous est apparu clairement attesté que dans még'u (mégu)" zwischen, unter“, sonst aber meža < mežda, čuždi, čużi ,fremd'.

Vom sprachgeschichtlichen Standpunkt sind bemerkenswert die archaistischen Formen wie dzvezda, nódzi, drúdzi und ähnliche mit ihrer Affrikata dz > z, oder koin < loạn < koń, groịze < grož je ,Weintrauben“ mit Antizipation der palatalen Artikulation, wogegen man als „metathèse inverse“ Kalari aus Każlari, türk. kajalar les rochers“ hat.

Bei dem , Amuissement de ch en toute position“, sowie bei ch >f (graf ,Erbse', rekuf < rekocho u. dgl.) wäre vielleicht noch stärker zu unterstreichen, daß diese Erscheinungen nicht nur für das Mazedonische, sondern für das ganze Bulgarisch-Mazedonische charakteristisch sind. Das würde gewiß nicht ganz überflüssig sein: im Jahre 1913 hat A. BELIC in einer seiner politischen Schriften behauptet, daß in der Mundart von Prilep (Zentralmazedonien) „X“ ce rybii y Beñunu cəyyajeba опет под утицајем српскога језика (Срби и Буг. у Балкан, савезу ... S. 68)! Gegen diesen vermeintlichen allgegenwärtigen serbischen Einfluß vgl. VERFASSER P. O. B. LXXII (1914) S. 397 und Slavia II (Prag 1923) S. 428.

Der Übergang ch > f in Lerin braucht nicht „venu sans doute des parlers du Nord“ (S. 30) zu sein, da er ja bekanntlich auch in vielen nordost- und südostbulgarischen (Rhodope-)Mundarten gang und gäbe ist, s. L. MILETIČ Das Ostbulgarische und die Rhodopemundarten d. bulg. Spr. passim.

Die Schwund des intervokalischen v charakterisiert nicht nur die südwestlichen Dialekte Mazedoniens, sondern alle mazedonischen und viele ostbulgarischen Mundarten, d. h. gegenüber südwestmazedon. glaa < glava, Neolani u. ä. treffen wir im Ostbulg. glað, Raica < (O)r’achovica usw. Die Aussprache úbau, praiš < chubava, praviš hört man immer in der gewöhnlichen Rede der Bulgaren aus allen Gebieten des ethnographischen Bulgariens. Mit Unrecht wird aber vom Schwund eines intervokalischen v in líoti ,les bêtes', S. 31, 62, gesprochen. Es handelt sich um eine Bildung aus slav. lich- (lich-í, -a, -0; licho auch als Substantiv) und um das bekannte Formans •ot., das irrtümlicherweise „un élément peu clair“ genannt wird. Schon MIKLO. SICH Etymol. Wört. d. slav. Spr. 168–169 bat gezeigt, daß slav. lichsehr verschiedene Bedeutungen hat und daß lisiti in einigen Slavinen ,berauben, rauben' bedeutet. Bei MIKLOSicu ist u. a. yasloven' lichoto inaequalitas angeführt. Unsere südwestmaz. lioti < lichoti sind also les bêtes' im Sinne entweder von Raubtieren oder von ,bösen Tieren'. livot < lichot cf. S. 146 buva, buvaš < lucha, buchas ,frapper'.

Die verschiedenen Assimilationen, Dissimilationen u. ü. sind, wie der VERF, sagt, d'ordre générale" und sie haben allerdings ibre schönen Zoitschrift 1. slav. Philologie. Ed. I.

33

[ocr errors]

Parallelen auch im Ostbulgarischen, z. B. pana < padna, sena < sedna (S. 34). Zu mnuk < vnuk ,Enkel baben wir eine Parallele selbst in der Schriftsprache: somna se < 88vna se, abg. svonati.

Bekanntlich ist allen südwestmazedon. Mundarten die Tendenz gemeinsam, à développer l'accent sur la pénultième“, also prijatel, aber prijatéli

, magáre , Esel', aber plur. magarína, gólem, aber goléma, yolémo usw.; oft wird aber die Antepänultima betont (páseme, pásete, ísperi, kážete usw., ja sogar (sperite (S. 34—36). Selten sind Oxytona, z. B. siromá (siroma) < siromaht pauvre diable', oder seá neben séa < sega ,jetzt, nun'.

Die Erscheinungen auf dem Gebiete der Morphologie haben ebenso ihre genauen Entsprechungen in den übrigen bulgarisch-mazedon. Dialekten, einschließlich der Pluralformen dvor: dvorišča, pot: potišča Weg usw.; aber archaistisch prt: poti ,mal. Weitere Verbreitung hat das enklitische si, Dat. Sg. des Personalpron. 3. Pers. bei Verben: gredi si eden čovek ,es geht so für sich ein Mann'; si bil eden car es war ein König', cf. russ. žili byli sebě děd da baba ,es war einmal ein Alter und eine Alte' usw.

Die Form sæti ,alle pl., die so charakteristisch ist für die Mundart von Lerin, hat, wie MAZON bemerkt, ihre genaue Entsprechung in der Mundart der Pavlik’aner des Gebietes von Plovdiv (Philippopolis); sgt (sæt) aus (vb)sb + Artik. to > söté > syt; sol narod „das ganze Volk"; Plur. davon soti, in anderen mazedon. Mundarten mit Vokalisation soti, sonst site < (vo)si + te, oder mit Metathese svite.

Zur interessanten Aussprache eines Gewährsmannes aus dem Dorfe Smördeš nije sne ,wir sind kann ich hinzufügen, daß ich dieselbe Aussprache bei Bulgaren aus dem Bezirk von Türnovo gehört habe.

In der Syntax wird mit Recht darauf hingewiesen, daß die Verdoppelung des Objektes (jáska a mļdzam kravata buchst. je la trais la vache“) „le trait le plus frappant" der südwestmazed. Mundarten ist. Weiter sagt der VERF. wieder mit Recht, daß dieser Zug „commun à tous les parlers de la Macédoine, à de nombreux parlers de la Bul. garie et aux parlers de la Serbie méridionale (Montagne Noire de Skoplje et Kumanovo)" S. 55. Das hier Kursiv Gedruckte stimmt aber nicht: schon seit Gil'ferding ist es bekannt, daß der Sarberg und Karadag von Skopje die Nordgrenze Mazedoniens bzw. der Bulgaren und die Südgrenze der Serben bilden, daß also Kumanovo zu Nordmazedonien gehört und keinen Bestandteil Südserbiens darstellt. Sollte aber Mazon die politischen Verhältnisse von heutzutage meinen, so würde er kaum auch von Mazedonien sprechen: Bitolja in der Nähe von Lerin liegt nach serbischer Auffassung ebenso in Südserbien! Selbst die Bulgaren von Südmazedonien sind nach den Serben „правії стари cpán“ und Südmazedonien ist also der nichts anderes als Alt- oder Südserbien!... Veles ist nach Mazon (S. 62 Anm. 7) , dans la Macédoine centrale“, obgleich die Serben auch in diesem Fall von Südserbien sprechen. Nun gut, wenn Veles mit Recht in Mittelm

m a ze

« PrejšnjaNaprej »