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In einem in der Slavia II 596–598 veröffentlichten Artike hat van WIJK die Richtigkeit meiner Auffassung des serbische -ē und des slovakischen -ī in Zweifel gezogen. Die von van WIJ angeführten Gründe sind aber m. E. nicht stichhaltig. Ich werd sie hier kurz besprechen, ohne auf alle Einzelheiten einzugehen?

1. Serb. -ē des Gen. Sing. Fem. Daß die ursprünglich aus lautenden langen Vokale in allen slavischen Sprachen lautgesetz lich gekürzt wurden, wird so gut wie allgemein anerkannt. Un daß diese Kürzung schon gemeinslavisch eintrat, nehmen wob die meisten Forscher an). Lange auslautende Vokale sin trotzdem in den modernen slavischen Sprachen keine Seltenhei Diese langen Vokale dürfen aber nicht als Ausnahmen des obe formulierten Kürzungsgesetzes gelten. Sie sind alle sekundä und können verschiedenen Ursprung haben, z. B. Instr. Sing. polr wodą, čech. vodou (kontrahiert aus rodoją), 3. Pers. Plur. Prä. poln. niosą, čech. nesou (ursprünglich nicht auslautend) usw., vg Slovak. Vokalbalance 5 f. (88 f.).

man

1) Wegen posav.-čakav. •ā des Neutr. Plur. (dessen Existenz ich niema geleugnet habe, aber dessen Erklärung m. E. unsicher ist), vgl. Sloval Vokalbal. S. 2 Fußu. 1 (S. 85). Die von Van WIJK besprochenen dia slovak. Instrumentalformen auf ; -mi (die übrigens, beiläufig gesagt, nich obne weiteres direkt vergleichbar sind, da sie ursprünglich nicht vokalische Auslaut hatten), müssen zuerst vom einzeldialektischen Standpunkte historisc sichergestellt werden, ehe ich mit ihnen fürs Gemeinslavische zu operiere wage. Unter den Belegen für die dialektische Instrumentalendung .n führt PASTRNEK (Beitr. z. Lautl. d. slovak. Sprache in Uugarn S. 94) aus Star Turá folgende Formen an: „ostrohámi neben ustami, vlasami, wo also (wen

us den wenigen Beispielen etwas schließen darf) ·:-mi nach de Regeln der Vokalbalance wechselt. Der Wechsel -mi : -mi könnte in ähnliche Weise wie :-a (slová : vráta) entstanden sein. Dem widersprechen nich die übrigen vou PASTRNEK daselbst angeführten Dialektformen, die alle v dem kurzen Vokal baben, z. B. horami (Liptov), bosorkami (ZVOLEN cestami (GEMER) usw. Die einzige Ausnahme ist jazykmi (Zvolen). Aber da Material ist, wie gesagt, zu klein, um sichere Schlüsse zuzulassen. Jedenfal ist aber die hier vorgeschlagene Erklärung derjenigen van WIJK’s vorz ziehen. Denn aus einem derartigen Material darf man für das Gemeinslavisch gar nichts schließen. Und erst recht gilt dasselbe von den noch schwäche belegten Iostrumentalformen auf -ý. 2) „Aucune lov gue ancienne ni conservé sa quantité longue en syllabe finale du slave commun“. (Meille in seiner soeben erschieneneu Arbeit Lc slare commun S. 127).

Unter den dort von mir besprochenen Fällen verdient die serbische Genitivendung der femininen a-Stämme (-ė in silē und dgl.) besondere Beachtung. Ich habe diese Form folgendermaßen erklärt (die Pfeile bezeichnen die Richtung der analogischen Einwirkungen):

jeję

Urslav, und Altbulg. sily dušę | onoję
Serbisch I sili

duše ono(j)e
II sile

duše onoe III sile, duše

onē (statt *ono) + IV silē, dúšē

ònē, nje

(n)

D. h., die pronominale Endung -ē hat sich allmählich verbreitet und ist zuletzt auch in die Substantivdeklination (nachdem in dieser -e verallgemeinert worden war) eingedrungen. Daß derartige Analogiebildungen oft in verschiedenen Etappen vor sich gehen, darin liegt ja gar nichts Auffallendes. In den verschiedensten Sprachen gibt es eine Fülle von Beispielen ähnlicher Vorgänge.

Daß diese Erklärung derjenigen van WIJK's vorzuziehen ist, darüber kann m. E. kein Zweifel bestehen. VAN WIJK sieht aber (1. c. 598) „keinen Anlaß“, die früher von ihm (Roczn. IX 82 f.) publizierte Auffassung aufzugeben. Er leugnet den pronominalen Ursprung des -ē (in silē, dúšē), indem er -ē aus -e- der ja-Stämme (duše) erklärt. Er hat aber, wie er selbst zugesteht (1. c. 81, 83), nicht erklären können, weshalb -e, sowie andere auslautende Längen mit Akz. II, bald als Kürzen bald als Längen auftreten. Wie kann er dann so bestimmt wissen, daß hier „Metatonie“ mitgespielt hat? Ich finde es ganz und gar unbegründet, in solchen Fällen mit „Metatonie" zu operieren. Das hieße in der Tat, ein Rätsel durch ein anderes zu ersetzen").

1) Um nicht mißverstanden zu werden, möchte ich ausdrücklich hervorheben, daß ich damit den Begriff „Metatonie natürlich nicht habe leugnen wollen. Alle Metatonien müssen jedoch irgendwelche greifbare Ursachen haben (wie etwa Vokalsynkope einer folgenden Silbe, Kontraktion oder dgl.), müssen als Lautgesetze wirken. Mit dem nackten Begriff „Metatonie in Endsilben operiere ich nicht.

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II. Slovak. -:-a des Nom.-Akk. Plur. Neutr. Da die ur sprünglich auslautenden langen Vokale, wie oben gesagt wurde in allen slavischen Sprachen lautgesetzlich gekürzt wurden, s würde man auch im Slovakischen als Endung des Nom.-Aklo Plur. Neutr. nur -a erwarten. Tatsächlich kommen aber in Mittelslovakischer (d. h. in dem Dialekt, welcher der slovakischen Schriftsprache zugrunde liegt) sowohl wie -a vor, und di Verteilung dieser Endungen geschieht, wie ich Slovak. Vokalbal 7 ff. (90 ff.) nachgewiesen habe, in der Weise, daß die kurz vokalischen Wörter haben, die lang vokalischen dagegen (z. B. slová : vráta), d. h. die Verteilung von :-a entsprich vollständig den sonst in der Sprache vorliegenden Erscheinungen der Vokalbalance (z. B. Adj. Nom. Sing. Fem. hrubá : hlúpa, w das dem Balancewechsel zugrunde liegende -ā aus -aja kontrahier wurde). Aus Gründen, die ich 1. c. näher angegeben habe, muf slová und dgl. als analogische Neuerung aufgefaßt werden. Ein derartiger Vorgang ist sehr einfach. Die Erklärung setzt nu bekannte Größen voraus, und sie ist daher aus den oben dar gelegten Gründen derjenigen VAN WIJK's (die mit einer bal eintretenden, bald ausbleibenden Endsilbenmetatonie operiert vorzuziehen.

VAN WIJK hat sich aber nicht überzeugen lassen. Er meint ich habe ,,einigen Tatsachen, welche gegen seine (TORBIÖRNSSON'S Hypothese sprechen, nicht die gebührende Aufmerksamkeit ge widmet“. Was sind nun das für Tatsachen? Van WIJE schreibt (S. 596 f.):

,Wie TORBIORNSSON richtig bervorhebt (S. 6 Fußn. 1 des S.-A. geht dem Westslovakischen die Vokalbalance ab. Daraus folgt, dat wir in dieser Dialektgruppe keine Endung -á erwarten dürfen, une trotzdem ist sie da. Sie kommt bis in die von BARTOŠ, Dialektologi moravská I 33 ff. besprochenen, auf mährischem Boden vorhandene „různořečí uherskoslovenská“ vor; BARToš zitiert aus dem „různořeò javornické“ die Beispiele okná, svová, telatá (S. 38), aus dem „různořeč súchovské okná, vratá (s. 39), aus dem ,různořecí hrozenkovské jarmá, telatá (das.). Daß diese Mundarten die Vokalbalance nicht kenner ergibt sich aus solchen Formen wie pánov, májé, králí, kolári, vósın? (S. 41, hroz.), néséu, páséu usw. (S. 39, súch.). Wenn TORBIÖRNSSON

Erklärung der Endung -c richtig wäre, so wären die westslovakischen Formen mit dieser Endung unerklärbar; denn als Eindringlinge aus dem Mittelslovakischen wird man sie nicht auffassen dürfen.“

Bartoš hat sich ohne Zweifel große Verdienste um die Erforschung der mährischen Dialekte erworben. Es ist jedoch offenbar, daß trotzdem das von ihm gesammelte Material allzu fragmentarisch ist, um ein vollständiges Bild des Dialektgebietes geben zu können. Es fällt auf, daß alle oben angeführten Neutra (auch vratá, wenn das Wort richtig verzeichnet ist) kurzen Stamm vokal haben. Infolgedessen weiß man ja gar nicht, welche Endung die langvokalischen Wörter haben). – Ein schwedischer Dialektforscher würde sich niemals einer derartigen Unachtsamkeit schuldig gemacht haben (vgl. die schwedischen Dialektabhandlungen in Svenska landsmål).

Aber davon ganz abgesehen, sieht es aus, als ob van WIJK noch ein wichtiges Moment außer Acht gelassen hätte. Alle Sonderdialekte (různořeči), von denen hier die Rede ist, werden von Leuten gesprochen, die vor nicht langer Zeit aus verschiedenen Gegenden der Mittelslovakei eingewandert sind, und die noch erhebliche Züge ihres ursprünglichen Dialektes beibehalten. Auf den ersten Zeilen des von VAN WIJK zitierten Kapitels über ungarisch-slovakische Dialekte (Dialektologie moravská, I 33) sagt ja BARTOŠ ausdrücklich:

Mezi dědinami moravského Slovenska jest jich osmnáct, jež, dostavše své obyvatelstvo v dobách pozdějších z různých krajin Slovenska uherského, posavad podstatné znaky svého původního nářečí zachovávají.

Sat sapienti.

1) Vielleicht hat Bartoš gemeint, daß alle Neutra in den genannten Dialekten im Plur. die Endung -ă haben. Das wäre ohne Zweifel so zu erklären, daß die aus der Mittelslovakei gekommenen Einwanderer (vgl. unten) die Endung -ā verallgemeinert haben, weil -ā viel gewüb:licher war als -a, das nur in den wenigen Wörtern mit langer Stammsilbe vorbam. Upsala

T. TORBIÖRNSSON

Die Namen von Preßburg

Die Ungarn nannten Preßburg bis zur neuesten Zeit Pozsony, die Deutschen Preßburg (mit örtlicher Aussprache Prešpurk), die Slovaken Prešporok (auch Prešporek).

Dann kam der Krieg, der für uns Ungarn einen so unglücklichen Ausgang hatte. Pozsony: Preßburg wurde uns entrissen, selbst seinen Namen änderten die neuen Herren. Im Jahre 1919 kam durch Verordnung der tschecho-slovakischen Regierung der offizielle, slovakische Name von Preßburg Bratislava auf. Gelegentlich der Erscheinung dieses Ediktes schrieb ich einen Artikel in der Zeitschrift „Magyar Nyelv" XV (1919) 49–57 unter dem Titel: Pozsony-Bratislava. Ich kam darin zu folgenden Resultaten:

a) Der älteste Beleg für den ungarischen Namen der Stadt stammt aus dem Jahre 1052; falls aber die Stiftungsurkunde von Pannonhalma Originalurkunde aus dem Jahr 1002, respektive der Teil des Textes, in welchem der Name der Stadt als Pozsony vorkommt, aus Sankt Stephans Zeit ist, so haben wir den ersten Beleg bereits aus dem Jahr 1002. Bisher gelang es keinem, den Ursprung des ungarischen Namens Pozsony endgültig ins Reine zu bringen. Schwerwiegende Gründe sprechen aber für die Ansicht derer, die den Namen der Stadt aus dem alten ungarischen Personennamen Pozsony ableiten.

b) Der älteste Beleg für den deutschen Namen der Stadt stammt aus dem Jahr 1042. Sie heißt darin Brezesburg, was als Bressesburg, eventuell Bretzesburg gelesen werden kann. Der Name hat im XI. und XII. Jahrhundert die Schreibungen - Brezisburg, Brezibure, Brezizburch, Presiawaspurch, Bresburg, Bresburch, Bresburh - in späteren Jahrhunderten Presburch,

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