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Presvurc, Prespurch, im Wortaulaut stets mit geschrieben. Der deutsche Name ist ein Kompositum, dessen zweites Glied das deutsche Burg ist, das erste Glied aber die verkürzte Form eines, dem Slavischen entlehnten deutschen Personennamens Brezislaw > Prezislau r Preslau. Unter den Deutschen, die den bayrisch-österreichischen Dialekt sprechen, waren in alter Zeit auch Personennamen slavischen Ursprungs im Umgang. So gab es z. B. in Kärnten zwischen 1050 und 1065 einen Ort namens Brezlauvesburch. Das erste Glied dieses zusammengesetzten Ortsnamens ist Breslau, ebenfalls ein aus dem Slavischen entlehnter deutscher Personenname.

c) Unter dem Einfluß des aus dem Slavischen stammenden deutschen Personennamens, der in Preßburg vorliegt, fingen die Slovaken an, Pozsony in den vierziger und sechziger Jahren des XIX. Jahrhunderts mit einer Art Volksetymologie in ihren literarischen Erzeugnissen slovakisch Vratislava, Brecislava, Břetislava, Bratislavia, Bratislava, Rastislava zu nennen. Wohl am häufigsten gebrauchten sie Bratislava. Meine ersten Belege für dessen Gebrauch stammen aus den Jahren 1838/43 (S. Slov. Pohľ. XXV 589, 600). Obgleich mir der Erfinder dieser Benennung unbekannt, ist es sicher, daß ihr eifrigster Verbreiter LUDEVIT ŠTÚR war. Der Name scheint auf Grund des auslaut. -a eine latinisierte Form zu sein.

Die Tschechen befaßten sich in letzter Zeit viel mit dem slovakischen Namen von Bratislava. Unter anderen schrieb auch WENZEL CHALOUPECKÝ, Professor der Geschichte an der tschechoslovakischen Universität zu Preßburg, eine Abhandlung

unter dem Titel „K nejstarším dějinám Bratislavy(Zur ältesten Geschichte Bratislava's). Sborník Filozofické Fakulty University Komenského v Bratislavě Heft 9. Ich habe diese Abhandlung nicht gelesen, da aber Miloš WEINGART, ebenfalls tschechoslovakischer Universitätsprofessor zu Preßburg, eine Abhandlung über Preßburgs slovakischen, deutschen und lateinischen Namen schrieb, und da er sich in dieser auf CHALOUPECKÝ stützt, indem er dessen Resultate verwertet, können wir aus WEINGART's Erörterungen auch die Resultate von CHALOUPECKÝ beurteilen.

WEINGART'S Abhandlung führt den Titel: Bratislava Preßburg - Posonium und ist im Sborník Filozofické Fakulty University Komenského No. 17 S. 113—131 erschienen. Ich ersehe aus dieser Abhandlung, daß weder WEINGART noch CHALOUPECKÝ meine Auseinandersetzungen kennen. Die Resultate, zu denen WEINGART teils auf Grund seiner eigenen, teils auf Grund von CHALOUPECKY's Forschungen kommt, sind die folgenden:

a) Im Tschechischen und Mährisch-Slovakischen ist in Ortsnamen, wie Přibislav, Čáslav (Böhmen), Břeclav (= Lundenburg in Mähren) seit dem XV. Jahrhundert neben der auf -v auslautenden Form auch eine, die auf -va ausgeht, also neben Přibislav Přibislava, neben Čáslav - Čáslava, neben Břeclav Břeclava. So einen auf -va, respektive auf -a ausgehenden Namen hatte auch Pozsony im XI. Jahrhundert.

Auf diese auf -a auslautende Form weist nämlich ein in den Annales Altahenses s. a. 1052 mitgeteilter Name von Prefburg und zwar Preslawaspurch. (Vgl. PERTZ MG. SS. XX: ad urbem Preslawaspurch.)

Dieses Preslawaspurch deutet auf einen solchen, auf -a auslautenden vulgärtschechischen Namen, *Brécislava > * Bréclava

slovak. * Bracislava ~ * Bratislava ~ * Braslava. Als Beweis dafür, daß es schon früh, im XI. und XII. Jahrhundert solche auf -a ausgehenden Formen gegeben hätte, führt WEINGART Lundenburg an, neben dessen mäbrisch-tschechisch, mährischslovakischer Form Břeclav, volkstüml. Břeclava, in lateinischen Urkunden auch die lateinische Form Bratislauia zu finden ist (vgl. de ponte Bratislauie). Diese lateinische Form gilt eventuell als Beweis für das einstmalige (XI. Jahrh.) vulgärtschechische und -slovakische * Brécislava * Bratislava. Preßburgs vulgärtschechischer und -slovakischer Name stammt aus dem Namen des böhm. Herzogs Břěcislav ~ Břetislav (1031-1055). Seinen Namen trug die Stadt im XI. Jahrhundert im Munde der tschechoslovakischen Bevölkerung. Später geriet dieser Name bei den Tschecho-Slovaken in Vergessenheit. In der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts kam der Name wieder in Gebrauch. Eigentlich ist ŠAFAŘÍK sein Wiedererwecker, sein Verbreiter aber in der Form Bratislava ist Štúr und seine Anhänger. Außer diesen Zeitschrift f. slav. Philologie. Bd. I.

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Konstatierungen untersucht der Verfasser ausführlich den slavischen Ursprung des tschechischen Personennamens Brécislav; im wesentlichen bestätigt er die Erklärung, die bereits bei GEBAUER Slovník staroč. zu finden ist.

b) Bei der Erklärung des Namens von Preßburg sagt er, das -- sei unter dem Einfluß der deutschen Presse durch Volksetymologie aus dem älteren deutschen Presburg entstanden. Dieses deutsche Presburg ist aus älterem Bresburg, das mit noch älterem Brecisburg (wo kommt eine mit c geschriebene Form vor?), Brezesburg gleich ist. Natürlich stammt seiner Ansicht nach das erste Glied des Namens aus dem tschechischen Brécislav. Er meint, aus dem älteren deutschen Brezesburg, Brecisburg (?) sei das spätere deutsche Bresburg > Presburg, offenbar unter dem Einfluß der Kürzung im tschechischen Brécislav > Bréclar, entstanden. (Vgl. „patrně vlivem českého zkrácení vzniklo i zde Bresburg Presburg).

c) Das lateinische Posonium (da der Verfasser stets davon und nie vom ungarischen Pozsony spricht) ist nach WEINGART auf folgende Weise entstanden: Um das Jahr 1000 herum lebten zwei bekannte slovakische Familien im „Slovensko“, die eine, namens Poznan, ist in der Stiftungsurkunde von Pannonbalma aus dem Jahr 1002 erwähnt, die andere hieß Hunt. Poznan's Name ist slavisch, und identisch mit dem part. praet. pass. vom verbum poznati. Als Eigenname bedeutet es „slavný, berühmt, glorreich". Leute namens Poznan sind weder aus mährischen, noch aus den tschechischen literarischen Denkmälern nachweisbar. Es gab aber Leute dieses Namens in Polen. Die Stadt Posen lautet auf polnisch Poznal, das ein männlicher, adjektivischer -10- Stamm ist aus einem Personennamen Poznan. Das aus dem slovakischen Personennamen Poznan entstandene Posonium ist das Ebenbild des ehemaligen slovakischen * Poznań. Als der ursprünglich slovakische Poznan magyarisch wurde, entwickelte sich aus dein slovakischen Ortsnamen *Poznań der Ortsname Posonium. Auf ähnliche Weise wie das deutsche Posen aus dem polnischen Ortsnamen Poznaní entstanden ist, mag auch aus slovakischem * Poznań zuerst deutsch Posen (vgl. beim tschechischen Geschichtschreiber Cosmas den Namen Possen, Pozzen

für Posonium) und dann das lat. Posonium entstanden sein. WEINGART berührt kaum die Frage, wie das ungarische Pozsony entstanden ist, da er doch wie ich schon erwähnt

immer vom lat. Posonium spricht. Bloß einmal nennt er den Namen Pozsony, auch schreibt er es fehlerhaft Poszony. Die übrigen ungarischen Namen sind ebenfalls falsch. Seiner Meinung nach lebt der magyarisierte slovakische Personenname Poznan noch hente in Adelsnamen Pazmányi (sic!) fort (..v madarském šlechtickém přijmení“). Außerdem auch in dem Ortsnamen Pázmand (kommt so zweimal vor) im Komitat Györ, und Pazony im Komitat Szabolcs. Der Name Hunt > Hont kann kaum mit slav. Hon, Hoñata in Verbindung gebracht werden. Viel wahrscheinlicher sei es

meint er

daß die Familie Hunt deutscher Abkunft sei und zwar aus deutschem Gunther. Diese Familie mag schon zu Svatopluk's Zeiten im alten „Slovensko“ gelebt haben. Der Name lebte unter den Ungarn weiter, die Slovaken aber vergaben die Form Hunt, und übernahmen aus dem Ungarischen die Form Hont (vgl. slov. Hontská oder Hont'anskú stolica).

Nachdem WEINGART, CHALOUPECKÝ's Spuren folgend, den Nachweis versucht, daß slovakisch Bratislava v tschechisch * Brécislava tschechischen Ursprunges sei und bereits im XI. Jahrhundert gebraucht wurde, bemüht er sich auch noch zu zeigen, daß Presburg aus Brezisburg unter tschechischem Einfluß entstanden und daß lat. Posonium dem altslovakischen Poznan gleich sei, und schließt seine Erörterungen mit der Behauptung, alle drei Namen des gegenwärtigen Zentrums der slovakischen Kultur seien slavisch und zwar tschecho-slovakisch, und hätten eine neunhundertjährige Vergangenheit. Die slovakisierte Form Bratislava aus dem alt-tschechischen *Brực(i)slav(a), wie auch die deutsche Transkription in der Form von Brec(i)sburg, Bresburg soll beweisen, daß hier am Anfang des zweiten Jahrtausends eine starke tschechische politische Macht war.

Der lateinischungarische Name aber spiegelt die Spuren desjenigen alten slovakischen Geschlechtes wider, welches hier um das Jahr 1000 herum einflußreich war. So vereinigt sich der ursprünglich tschechische Name der Burg mit dem slovakischen Namen des Geschlechtes

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und der Gegend in der Benennung derselben Stadt und bildet die gemeinsame 1000 jährige tschecho-slovakische Vergangenheit zu einem einheitlichen Ganzen aus. So weit WEINGART.

Ich habe mich bemüht, in allen wesentlichen Punkten seine Feststellungen getreu wiederzugeben. Im folgenden hoffe ich zu zeigen, wie irrtümlich WEINGART's Feststellungen sind und wie wenig sie die Forschung fördern. Ich behalte in meinen Auseinandersetzungen die Reihenfolge der WEINGART'schen Erörterungen bei.

a) WEINGART sagt, CHALOUPECKÝ folgend, in Preßburg sei der Name des tschechischen Herzogs BŘETISLAV (regierte von 1037-1055) verewigt, und Preßburg hätte aus dem Namen des Herzogs auch einen tschechischen Namen *Bréc(i)slav (slov. * Bratislav) gehabt und neben diesem auf v- auslautenden auch einen auf -va ausgehenden volkstümlichen Namen, und zwar Brèc(i)slava (slov. * Bratislava). Seiner Meinung nach bestätigt diese Form Preslawaspurch, d. h. derjenige Name der Stadt Preßburg, welcher in den Annales Altah. aus dem Jahre 1052 vorkommt, zweitens die latinisierte Form Bratislauia, welche in den mährischen lateinisch geschriebenen Denkmälern der Name der Stadt Lundenburg - tschech. Břeclav ist. All diese Behauptungen beruhen auf offenbaren Mißverständnissen. Latinisiert man im böhmischen Latein den Namen einer Stadt mit der Endung -ia, so kann der latinisierte Name nicht nur dem auf -a (vgl. tschech. Sázava, Morava = lat. Sazavia, Moravia etc.), sondern auch auf Konsonant auslautenden tschechischen Namen entsprechen (vgl. 2. B. tschech. lat. Czaslavia im XIV., XV. Jahrh. aus Časlav, siehe GEBAUER Slovník staroč). Diese Art der Latinisierung nationaler Eigennamen ist im Mittelalter bei allen jenen Völkern zu finden, wo das Lateinische die offizielle, kirchliche Sprache war. (Vgl. poln. Kraków = lat. Cracovia; ung. Bakony, Eger, Vác == lat. Bakonia, Agria, Vacia ; deutsch Hanau = lat. Hanovia etc.). So ist es auch mit Böhmen. Wenn also Lundenburgs böhmischem Namen Břeclav auch böhmisch-lateinisches Bratislavia entspricht, so ist dies noch kein absoluter Beweis dafür, daß es neben dem tschechischem Břeclav auch ein Břeclava gegeben hat. In Anbetracht dessen, daß solche böhmische Doppelformen bloß seit

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