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kann und daß also auch eine spätere Übernahme nicht ausgeschlossen sei. Aber viel später kann dieselbe dennoch nicht erfolgt sein. Denn sicher muß sie eingetreten sein vor der Aufnahme von lat. strāta „Steinstraße“ und lat. cāseus „Käse“, weil deren ā die Germanen unverändert gelassen haben (ahd. strāzza und kāsi). Und die Annahme dieser Lehnwörter wird kaum später als das 2. Jahrhundert nach Christus anzusetzen sein.

Weiter zeigen die germanischen Formen, daß der Flußname früh genug den Deutschen zugekommen war, um noch die zweite, etwa im 5. Jahrhundert nach Christus sich vollziehende Lautverschiebung (des urgm. d zu ahd. t) mitzumachen, aber doch zu spät, um von der gemeingermanischen, wohl spätestens im 3. vorchristlichen Jahrhundert abgeschlossenen Verschiebung des idg. d zu urgm. t noch mitergriffen zu werden. Die Ö-Vokalisation in Verbindung mit der Bewahrung des stimmhaften Anlautes erlauben uns also wohl, die Rezeption des Namens durch die Germanen in die letzten beiden vorchristlichen Jahrhunderte zu verlegen. Und dazu stimmt die geschichtliche Erwägung, daß germanische Stämme, die Markomannen, um das Jahr 100 vor Christus sich so weit der Donau genähert haben müssen, daß sie sicherlich irgendeinen Namen?) des Flusses gehört haben werden.

Um jene Zeit war aber dasjenige Volk, mit dem die Germanen den stärksten Kulturaustausch trieben, die Kelten, dasselbe Volk, das damals noch einen großen Teil von Süddeutschland bewohnte und auch die beiden Ufer des Oberlaufes der Donau beherrschte. Mit ziemlicher Sicherheit wird man daher sagen dürfen, daß die Germanen den Namen der Donau von den Kelten erlernt haben.

Wie der Name freilich damals bei den Kelten lautete, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Die Lautgestalt der Stammsilbe zwar war sicherlich im Keltischen Dān-. Aber das Ableitungssuffix muß unbestimmt bleiben. Das Kontinentalkeltische scheint, wenn wir HOLDER folgen dürfen, Flußnamen mit -āwo-s bevorzugt zu haben: Tarāvus (ital. Taravo, nfrz. Tharaux), Timävos

1) Bei der großen Ausdehnung des Flusses inussen ursprünglich in den einzelnen Gegenden verschiedene Beneuuungen üblich geweseu sein. Vgl. E. SCHROEDER in Hoops' Reall. I 73 $ 5.

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(Vergil; ital. Timavo), Aturāvus (nfrz. Arroux), Sărāvus (Ausonius; nhd. Saar, ahd. Sarouua, FÖRSTEMANN II 683), auch weibliches Ausava (ahd. Osa, nhd. Oose, Zufluß der Kyll, FÖRSTEMANN II 447). Doch erscheint einmal auch ein offenbar in Belgien zu suchender Fluß Landuvius, so daß möglicherweise das lat. Dānuvius auch die im Keltischen gebrauchte Suffixform anzeigt. Dann hätten, wie schon oben vermutet, die Germanen ein urkelt. * Dānuwios volksetymologisch in femininales * Donaujo umgestaltet. Aber der Möglichkeit dürfen wir uns nicht verschließen, daß der Fluß damals keltisch etwa * Dānāuios oder * Dānāwjā genannt wurde.

2. Wenn nun die Kelten für uns die Vermittler des Namens gewesen sind, so ist damit nicht ausgemacht, daß sie darum auch zugleich die Schöpfer desselben gewesen sind. Wir kommen damit zu dem eigentlichen Kernpunkte unseres Problems, dessen sicherer Lösung außerordentliche Schwierigkeiten entgegenstehen.

Der erste, der sich mit der Frage überhaupt beschäftigt hat, CASPAR ZEUSS, hat dieselbe im keltischen Sinne beantwortet, was bei der Gesamteinstellung des Schöpfers der keltischen Philologie nicht zu verwundern ist. In seinem noch heute nicht überholten Werke „Die Deutschen und die Nachbarstämme" (München 1837 S. 12) hatte er im Vorübergehen den Flußnamen als „keltisch“ bezeichnet. In seiner monumentalen „Grammatica Celtica“ (1853 S. 994; 2. A. 1871 S. 998) bot er aber eine wirkliche keltische Etymologie. Auch hier freilich war in eine eigentliche Diskussion der Frage nicht eingetreten. Wir fühlen aber deutlich, daß bei Zeuss und seinen Nachfolgern der Blick im wesentlichen auf die deutsche Donau, d. h. ihren Oberlauf bis Wien, gerichtet var, der allerdings zweifellos durch altkeltischen Boden führt. Bei solcher Einstellung sprach weiter für keltische Ableitung die Tatsache, daß auf dem genannten Gebiete alle Nebenflüsse der Donau tatsächlich keltische Namen tragen. ZEUSS leitet den Namen von air. dane ,,kühn" ab, „ex quo ob fortem, citatum cursum facile interpretationem invenerit Dânuvius, nomen fluvii. Und diese Deutung wurde von ZEUSS' Freund und Schüler Cur. W. GLÜCK Die bei C. Julius Caesar vorkommenden keltischen Namen (München 1857 S. 91f.) unterstützt

und von anderen weitergegeben, wie z. B. von E. FÖRSTEMANN Altdeutsches Namenbuch II (1872) S. 451 (3. Aufl. I, S. 686), BREMER in PAUL's Grundriß der germanischen Philologie III 2 (1909) S. 781 u. a. Einfach ,,keltisch“, ohne Angabe eines speziellen keltischen Etymons, nennen den Flußnamen K. KRETSCHMER Historische Geographie von Mitteleuropa (München 1904) S. 49 und F. SOLMSEN Indogerman. Eigennamen als Spiegel der Kulturgeschichte (Heidelberg 1922, S. 44).

Dieser Etymologie stehen aber zweierlei Bedenken gegenüber. Einmal paßt die Bedeutung nicht sonderlich gut. Denn air. dānae heißt „kühn“?) und auch die heutigen Fortsetzungen haben die gleiche, nur auf lebende Wesen anwendbare Bedeutung: nir. dána ,,bold, brave, intrepid ; determined; familiar with“, ngäl. dàn „bold, intrepid, resolute; presumptious“ und many daaney „daring, impudent, presuming, foolhardy“ alles Be deutungen, die sich nicht ohne weiteres auf einen Fluß anwenden lassen. ZEUSS und GLÜCK haben das auch gefühlt und deswegen für den Zweck zurecht gemachte Bedeutungen hinzugefügt: ZEUSS sagt ob fortem, citatum cursum, GLÜCK ,von seinem starken Lanf benannt". Aber besonders schnell" wird man den Lauf der unteren Donau bei ihrem nicht allzu starken Gefälle?) kaum nennen können, besonders wenn man die den Alpen entspringenden rechten Nebenflüsse zum Vergleich vor Augen hat. Eher schon ginge, mit Rücksicht auf die erheblichen Wassermassen, die Bezeichnung „stark, kräftig“, was sich ja auch zur Not als ursprüngliche Bedeutung von air. dāne 'ronstruieren ließe 3). Indes

1) Siehe die zahlreichen Belege im Dictionary of the Irish Language, ed. CARL MARSTRANDER (Dublin 1913) 1, 79 f.

2) A. Penck Die Donau (Wien 1891).

3) BREMER Grundr. III' 781 bietet direkt ein „kelt. dán(u) stark, vom Gefäll des Flusses“, ohne aber anzudeuten, daß diese Bedeutung erschlossen ist. Wer ,stark“ als die Urbedeutung annimmt, könnte auf die Bedeutungsentwicklung von ae. mödig 1. ,kräftig“, 2. ,mutig" verweisen. Übrigens verzeichnet auch MARSTRANDER im Dictionary of the Irish Language 1,80 bei dānae unter III. eine Bedeutung „strong, vehement“. bietet aber our einen Beleg in adverbialer Verwendung. „sie tadelten ihn beftig (go dāna)". Hier kann sehr wohl eine späte, aus , kübn' verblaßte Bedeutung vorliegen, wie wir eine solche Entwicklung gerade bei Iutensivausdrücken

würde, soviel ich sehe 1), eine derartige Flubbenennung gänzlich isoliert dastehen.

Eine weitere Schwierigkeit entsteht, wenn wir fragen, wie denn wohl das irische Wort dānae, das uns erst seit dem Ende des 10. Jahrhunderts überliefert ista), im Kontinentalkeltischen

sagen wir — des 5.-2. Jahrh. v. Chr. gelautet haben möge. Das hängt natürlich von der anderen Frage ab, wie wir uns die Bildung und Entstehung dieses Wortes vorstellen. Die einzige Etymologie des Wortes, die ernst genommen werden könnte), bringt air. dānae mit air. dān „Gabe; Begabung, Geschicklichkeit, Kunst“ zusammen und stellt beide zur Sippe von ai. dasmá-s „Wunderkräftig“, ai. dása-s „Wunderkraft“, gr. deyjumv „geschickt“, dañvei „lernen“. Air. dānae sollte danach aus urkelt. *dāsnawo-s entstanden sein. Aber diese ganze Konstruktion ist nicht haltbar, da es sich bei den griechischen und indischen Wörtern um eine idg. Urform *dans-, dns- handelt und daher im Altirischen eine Form *dēs-, nicht *dās-, zu erwarten wäre“). Überdies hätte auch die Lautgruppe sn, die allerdings in historischer Zeit inlautend zu nn assimiliert wird, um 200 vor Christus ihr & nicht verlieren dürfen, wie agall. Epasnactus, Coslum, Cintusmus und Nantosvelta zeigen 5). Bei dieser Sachoft beobachten können. Vgl. C. Stoffel Intensives and Down-toners (Anglist. Forsch. 1).

1) Daß der Flußname Isara (nhd. Isar, nfrz. Isère und Yser), wie d'ARBOIS DE JUBAINVILLE Les premiers habitants de l'Europe II° 134, sowie Much Indg. Forsch. 7, 287 und SCHRADER Reall. I’ 329 wollen, im Anschluß an ai. iširá-s als „kräftig, munter“ zu deuten sei, ist mir doch sehr zweifelhaft. Eher wird man wohl mit Dottin La langue Gauloise S. 89 den Namen mit air. iar ,sacré" (aus urkelt. *isaro-8) gleichsetzen dürfen, welches dem griech. iegós entspricht. Zu solcher Flubbenennung vergleiche man urkelt. * Dewa, eigtl. „göttlich“, das in den Flußnamen ofrz. Dive, Dère, ne. Dee (mkymr. Dwy, M. FÖRSTER GRM. 11, 92) und schott. Dee fortlebt, und urkelt. * Dēwona, das sowohl im ofrz. Divonne, Devon, Dheunc (de Félice Les noms de nos rivières S. 98 ff.) wie im schott. Don und -deen (GRM. 11, 88 und 93) erscheint.

2) Vielleicht haben wir allerdings denselben Stamm in den altgallischen Personennamen Danus, Danius, Dano rix, Dano talus.

3) Stokes Urkelt. Sprachschatz (1894) S. 143.

4) PEDERSEN Vergl. Gramm. d. kelt. Sprachen (1909) I S. 86, 151; THURNEYSEN Handbuch des Altirischen (1909) $ 209.

5) G. Dottin La langue Gauloise (Paris 1920) S. 103.

lage bliebe vorläufig wohl nur die Möglichkeit, das air. dānae „kühn“ zu air, dān 1. „Gabe“, 2. „Begabung, Geschicklichkeit“ (lat. donum, ai. dānam) zu stellen und in der Bedeutung „kühn“ eine Sinnverengerung aus älterem „begabt, tüchtig“ zu sehen. Um das Befremdliche eines solchen Bedeutungsüberganges zu beheben, sei erinnert an das lautlich gleichstehende mkymr. dawn, das nicht nur „Gabe“ und „Begabung“, sondern auch „Eigenschaft“ und „Tugend“ bedeutet - ebenso mkymr. dawnig und dawnus 1. „gifted“, 2. „virtuous“: weiter an das Nebeneinanderstehen von mir. dānach 1. „kühn, verwegen“, 2. ,,begabt“ und dānacht 1. „Kühnheit“, 2. „Geschicklichkeit“, sowie von lit. dóras „tüchtig, brauchbar“ (eigtl. „begabt“) und gr. dõpov, abulg. dary „Gabe“; und endlich auch an die bekannten Bedeutungsschattierungen von lat. virtus „Mannhaftigkeit; Mut; Tapferkeit; Tüchtigkeit; Tugend“. Träfe diese Deutung von air. dänae aber das Richtige, so wäre jeder Gedanke an eine Zusammenstellung mit Dānuvius abzuweisen.

Andere keltische Deutungsversuche unseres Namens, wie sie MONE Urgeschichte des badischen Landes (1845) II 79 und W. KRAUSE Die keltische Urbevölkerung Deutschlands (1904) S. 64, 109 vorgetragen haben, entziehen sich wegen ihrer Phantastik jeder wissenschaftlichen Diskussion).

Die bisher vorgebrachten Erklärungsversuche aus dem Keltischen müssen sonach als unbefriedigend abgelehnt werden.

3. Eine andere Deutung trug schon 1871 Max MÜLLER in der Revue celtique 1, 135 f. vor. Er wies darauf hin, daß der kleinasiatische Antiquar Johannes Lydos unter Berufung auf den römischen Gelehrten Sammonicus Serenus (+ 212) den Flußnamen Dānuvius als thrakisch bezeichnet ) und anscheinend mit verklogógov „nebeltragend“ gedeutet hat, wie ähnlich der Ostgote Jordanes (XXXVII c. 12) Danubius de nive nomen accepit er

1) Beide sehen in Dānuvius eine Zusammensetzung: Mone von inkymr. dau ,zwei“ [aber akymr. dou!) mit angeblichem, aber unmöglichem kyinr. *nov ,Fluß“, Krause von akymr. tonn ,Woge“ [aber urkelt. *tunda! mit got. ahwa ,Wasser".

2) Ion. Lydi de magistratibus populi Romani (ed. R. Wünsch 1903) III c. 32: Δανούβιον δε τον νεφελοφόρον εκείνοι [sc. οι Θράκες καλούσι πατρίως.

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