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von dem letzten wendischen Gottesdienst im 18. Jahrh. zu erzählen: daß in dem seit der Reformation evangelischen Lande damals „eine slavische Messe“ gelesen worden sein soll, hätte man ihm freilich auch bei anderer Sachlage nicht geglaubt!

So viele Angriffspunkte NIEDERLE'S Darstellung auch der Kritik bietet, ihren nächsten Zweck, ihren Lesern namentlich in den Reihen der slavischen Wissenschaft einen gedrängten Überblick über die Geschichte der Germanisation der Nordwestslaven zu verschaffen, wird sie erfüllen: daß sie sich nicht eine höhere Aufgabe gestellt hat, die, ihren Gegenstand aus der slavischen Altertumskunde heraus zu befruchten, müssen wir bedauern, vor allem im Interesse der deutschen kolonisationsgeschichtlichen Forschung, für die jede Andeutung der Probleme, um die es sich hier handelt, wertvoll gewesen wäre.

Hat NIEDERLE eine Antwort auf die Fragen gefunden, die wir an den Eingang dieser Zeilen stellten? Wie wir gesehen haben"), hält auch NIEDERLE durchaus an der Anschauung fest, daß die deutsche Kolonisation als Massenerscheinung die Germanisation ins Rollen gebracht hat. Ihr Durchdringen ist ihm das Werk langsamer Entnationalisierung der zunächst noch – trotz aller Vernichtungskriege sehr bedeutenden wendischen Bevölkerungsteile. Daß das gegenseitige Verhältnis von Kolonisation und Germanisation ein sehr verschiedenes sein kann und sein muß, je nach den Voraussetzungen, die in den einzelnen Gebieten des Koloniallandes vorlagen, das ist NIEDERLE nicht klar geworden.

(Fortsetzung folgt.) Graz

HEINRICH FELIX SCHM'D

Etymologica 1. Slav. diky ,wild', BERNEKER 1994-200 findet seine Entsprechung wohl in mcymr. dic ,angry', ncymr. dig angry, wrathful; displeased'; passion, anger, ire, wrath'. Erwägt man die zur Begründung der Verwandtschaft mit d. ziege beigebrachte Bedeutungsparallele an, eikenn rasend', gr. ait, ai. éjati „sich regen, bewegen (vgl. noch bes. poln. dzik ,Wildschwein, Eber“), so könnte man allenfalls noch griech čdizov „ich warf' beiziehen (Ablaut ī:i).

1) Oben S. 407.

2. Slav. zölo ,böse', MIKLOSICH Et. Wb. 405a findet seine nächste Entsprechung im osset. üwzür „schlecht', MILLER Spr. d. Osseten 34: iran. *zwar. Vgl. TRAUTMANN Bsl. Wb. 372 ff.

3. Slav. loco ,Binse', leitet BERNEKER gewiß nicht uneben (738—9) von lenk- ab. Vielleicht haben wir noch näher hier anzuschließen an. lyng, ling ,Haidekraut (aus *lingwa-, NOREEN Aisl. Gr. 2 § 79).

4. Erwigt man πελεμίζω und πόλεμος, wie sie CURTIUS Griech. Etymol. 5 S. 268 zusammenstellt, in ihrer Verwandtschaft miteinander, so möchte man für slay. machati BERNEKER II 4—5, unter Ansetzung von *müqh: *maqh oder *məqh, an griech. pdxn denken.

5. BUGGE KZ. 32. 41 versuchte arm. xal ,ludus' mit lat. salire zu verknüpfen, was aber nicht geht, weil idg. s- im arm. nicht x wird. Mit geringerem Zwange ließe sich slav. šal- MIKLOSICH Et. Wb. 336–.7 vergleichen (*ksēl-); bem. russ. UANG ,Mutwille, dumme Streiche'.

6. Auch für ein anderes arm. Wort, das Bugge hervorgezogen und zu erklären versucht hat, bietet sich vielleicht eine haltbarere slavische Anknüpfung. BUGGE verglich IF. I 450 arm. xeld Schlinge, Schleife, Strick, Seil', weldem ,erwürgen' mit ai. crtáti ,binden'; was lautlich kaum denkbar ist. Sollte slav. chlodo BERNEKER 390, chledajo 388 hierher zu stellen sein? Es sei erlaubt noch zwei sozusagen völlig sichere arm. Entsprechungen zu slav. Worten zu notieren, die schon bekannt sind: gryzo BERNEKER 359: krcem ,nagen' HÜBSCHMANN Arm. Gram. Nr. 219; mazati BERNEKER 28—9: arm. macanim ankleben, anhaften, anhangen, gerinnen (vgl. HÜBSCHMANN ebd. Nr. 272), MEILLET Esquisse d'une gram. hist. 109.

7. Slav. cholo ,reinlich, sauber halten“ BEHNEKER 395 möchte man zu alb. holɛ ,dünn, fein, zart' ziehen, das G. MEYER Alb. Wb. 145 zu hala, al'ɛ Schuppe, Splitter stellen wollte. Dieselbe Vertretung von ks- durch h- im alb. findet sich noch in alb, har

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,ausjäten = lat. sarire; das alb. Wort wollte G. MEYER Alb. Studien III 59 zu ahd. skeran stellen, was der Bedeutung nach entschieden weiter abliegt.

8. Sollte eine allgemeinere Bemerkung gegen BERNEKER'S treffliches Etymologisches Wörterbuch, dem ich im allgemeinen nur als Lernender gegenüberstehe, gestattet sein, so würde ich die Vorliebe für Onomatopoetica nicht tadeln, wohl aber wünschen, daß ein größeres onomatopoetisches Material beigebracht wäre. *chrep- erschließen MIKLOSICH 424 und BERNEKER 401 aus c. chřapati ,schnarchen', chřípě Nasenloch, Nüstern und anderen Worten. Laut für Laut stimmt dazu gr. Xpeurtouou ,sich räuspern'. Ob wir von ksr- (s. Hirt IF. 12, 226) oder khr- auszugehen haben, entscheide ich nicht.

9. Selbst ein scheinbar so evident einer „Lautgeberde“ entstammendes Wort wie slav. chop'o ,fassen' BERNEKER 396 (man vgl. finn. kaapia scharren, schaben, kratzen', kaapaista ,schnell reißen, ergreifen, raffen, schnappen', ung. kap ,bekommen, ergreifen“; lat. capio; khassi khap ,zwicken, kneifen' (W.SCHMIDT 707), hebr. kaf hohle Hand) ist vielleicht doch mit PEDERSEN auf arm. xap'unem ,hindern' zu beziehen und auf *qsoph- zurückzuführen, woran sich griech. 6ogós, lat. sapio, ahd. intsepjan, die schon W. WACKERNAGEL Wb. vereinte, anschließen könnten (vgl. poln. pochopny ,fähig“ bei BERNEKER). Voraussetzung dieser Beziehung wäre allerdings Übergang der idg. Tenuis aspirata in Tenuis im lat.

10. Mit BERNEKER's Vermutung, sowohl chorbry 396 als auch chroboto 404 anf eine und dieselbe onomatopoetische Wurzel zurückzuführen, würde sich mein Vorschlag diese beiden Worte unmittelbar auf einander zu beziehen, schließlich decken. Mich veranlaßt dazu das ungarische derék, das als Substantiv ,corpus, dorsum', als Adjektiv ,brav, wacker u. ä. bedeutet. Vielleicht darf man auch lat. tergum : an. prek , Kraft' (s. ZUPITZA Gutt. 217) als Parallele anführen. Berlin

ERNST LEWY

Zeitschrift l. slav. Philologio. Bd. I.

27

Zum Donau-Namen

(Vgl. Zschr. I 1—22).

Für folgende Ergänzungen und Anregungen zu meinem Aufsatz bin ich den Kollegen zu herzlichem Danke verpflichtet:

1. J. SCHNETZ weist mich auf folgende wichtige alte Belege: a) bei dem arabischen Geographen Masóūdi (10. Jahrh.) lautet der Name Dunaba (Hs. L); b) in der syrischen Chronik des Patriarchen Michael (ed. Chabot) wird an der Stelle, wo von dem Überfall der Anten (Anțīő = Antes bei IORDANES, orig. Got. c. 23) auf das Land „Sclavenia" gesprochen wird, der Strom Dõnabis genannt. Diese Form ist besonders wichtig, weil sie die gotische Form wiederspiegelt. Dieselbe Namensform erscheint dann auch bei Barhebraeus, der sie jedoch aus dem Patriarchen Michael geschöpft hat.

2. J. MELICH hat in seiner (mir unzugänglichen) Schrift „A honfoglaláskori magyarország" (1925) S. 8 die ungarische Namensform Duna aus altruss. Dunajo sowie türk. Tuna, das älter Duna lautete, aus ungar. Duna erklärt, was durchaus einleuchtend erscheint.

3. MEYER-LÜBKE hält WEIGAND'S Erklärung von rumän. Dunăre (oben S. 24 Anm. 4) für unmöglich. PARVAN hat kürzlich darauf hingewiesen, daß -åre ein häufiger thrakischer Ausgang bei Flußnamen sei, und hat von da aus Übertragung auf Dunăre angenommen.

4. THURNEYSEN fragt nach dem Sinn des Adjektivsuffixes in Dānuv-iu-s, das eigtl. ,,der Flußliche" bedeuten würde, wenn kelt. dānu „Fluß' heißt. Vielleicht könne man ihm aber den Sinn das Flußgelände“ unterlegen.

5. VASMER fügt noch den alban. Namen der Donau Tune hinzu und erklärt ihn durch osmanische Vermittlung. München

Max FÖRSTER

Zu Zeitschr. I 152. Es ist oben übersehen worden, daß schon MIKKOLA Berührungen 80 ff. das nordgrr. Oproôza auf altschwed. brußtugha ,Brautführerin zurückgeführt hat.

M. V.

Besprechungen Die russische (ostslavische) volkskundliche Forschung in den

Jahren 1914–192+1).

III. Schriften allgemeinen Inhalts. In den letzten Jahren steht die lokale volkskundliche Forschung in Rußland unter dem Zeichen der Heimatkunde.

Neben der Lösung rein wissenschaftlicher Aufgaben verfolgen die verschiedenen heimatkundlichen Organisationen gewöhnlich auch kulturellaufklärende und sozialökonomische Ziele. Solche Vereinigungen bestehen in Rußland schon seit langem, obgleich sie ihre moderne Bezeichnung erst kurze Zeit fübren. Ihre Zahl bat aber bauptsächlich seit 1918 stark zugenommen. Ihre Arbeitstätigkeit wurde lange gehemmt einerseits durch das Fehlen von Fachleuten für eine Reihe von Sondergebieten, andrerseits durch schwere wirtschaftliche Krisen. Diese Umstände bewogen das Akademische Zentrum des Narkompros?) zum erstenmal eine gemeinrussisch, Konferenz der gelehrten Gesellschaften und Institutionen für die Erforschung der Einzelgebiete einzuberufen. Sie tagte iin Dezember 1921 in Moskau mit der Absicht, einen Zusammenschluß der diesbezüglichen Gesellschaften und Institutionen zu bewerkstelligen, einen einheitlichen Plan für die wissenschaftliche Arbeit auf diesem Gebiet auszuarbeiten, ferner die Bedürfnisse der Vereinigungen festzustellen und Mittel zu deren Befriedigung zu finden (Дневник Всероссийской Конференции научных Обществ по изучению местного края No. 1 10. Dez. 1921 S. 1. Im Druck sind 5 Nummern dieser Zeitschrift erschienen, die letzte am 2. Jan. 1922).

Unter anderem wurde auf dieser Konferenz auch ein Zentral. Bureau für Heimatkunde gegründet, das auch zurzeit in Petersburg unter dem Vorsitz von S. OLDENBURG an der Russischen Akademie der Wissenschaften besteht. Eine Abteilung davon befindet sich in Moskau (Vorsitzender V. BOGDANOV). Das Zentral-Bureau für Heimatkunde ist eine Art wissenschaftliche Vereinigung. Es hat die beimatkundlichen Institutionen Rußlands und ihre Mitarbeiter

vom

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1) Vgl. oben S. 189 f.
2) Народный Комиссариат Просвещения. .

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